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Syrien: Hunderte Verletzte durch Minen und Sprengkörper

Deir ez-Zor/Berlin, 25. Juni 2026. Der Konflikt in Syrien hat gefährliche Spuren hinterlassen. Ein neuer Bericht von Ärzte ohne Grenzen dokumentiert, dass im vergangenen Jahr in der Region Deir ez-Zor hunderte Menschen durch Landminen und zurückgelassene Sprengkörper verletzt wurden. Fast die Hälfte dieser Patient*innen in der von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Notfallversorgung im Nationalkrankenhaus von Deir ez-Zor waren Kinder.

„In dem Jahr, in dem wir hier tätig sind, haben wir über 215 Patient*innen mit Explosionsverletzungen behandelt, darunter Kinder und Landwirt*innen“, sagt Rebecca Kerr, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Deir ez-Zor.

Der Bericht „Explosive Remnants of War – Lasting Harm in Deir ez-Zor, Syria“ stützt sich auf medizinische Daten von Ärzte ohne Grenzen und der syrischen Gesundheitsbehörde für den Zeitraum von April 2025 bis April 2026 sowie auf Beobachtungen und Interviews mit Patient*innen, Pflegekräften und medizinischem Fachpersonal. Neben hunderten Verletzten, starben in dem Zeitraum 24 Menschen an ihren Verletzungen, bei 58 mussten Amputationen vorgenommen werden.

Der Bericht beleuchtet die verheerenden Folgen von Minen und Sprengkörpern für die Menschen in der Region. Er zeigt auch, dass viele Verletzte nicht rechtzeitig spezialisierte medizinische Versorgung erhalten, und hebt die Bedeutung von Minenräumung hervor.

Leider sehen wir auch heute noch, dass diese Sprengkörper Zivilist*innen treffen. Ohne eine verbesserte Versorgung von Verletzungen, Rehabilitationsangebote und die Räumung kontaminierter Flächen werden diese Verletzungen weiter zunehmen.

Rebecca Kerr, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Deir ez-Zor.

Deir ez-Zor gehört zu den Gebieten in Syrien, die am stärksten mit explosiven Kampfmitteln verseucht sind. Zivilist*innen werden häufig bei alltäglichen Tätigkeiten verletzt: bei der Landwirtschaft, der Viehzucht, dem Sammeln von Trüffeln* oder beim Betreten beschädigter Häuser. Kinder sind besonders gefährdet, wenn sie im Freien spielen oder verlassene Gebäude erkunden. Um eine Notfallversorgung zu erreichen, legen viele Verletzte lange und gefährliche Wege aus abgelegenen Gebieten zurück – oft ohne Krankenwagen.

Kaum Zugang zu Rehabilitation, Prothesen und psychologischer Betreuung

Das medizinische Personal im Nationalkrankenhaus von Deir ez-Zor verweist auf die wirtschaftlichen Zwänge in der Region, die zu risikoreichem Verhalten führen. „Manche Menschen begeben sich wissentlich in verminte Gebiete, um ihre Herden weiden zu lassen oder Trüffel zu sammeln“, sagte Dr. Waseem Awak, Assistenzarzt in der Notaufnahme und der orthopädischen Abteilung. „In manchen Fällen behandeln wir mehrere Mitglieder derselben Familie.“

Trotz der hohen Zahl von Überlebenden ist der Zugang zu Rehabilitation, Prothesen und Orthesen, psychologischer Betreuung und sozioökonomischer Unterstützung nach wie vor stark eingeschränkt, sodass sich viele Patient*innen nicht erholen und ihre Unabhängigkeit wiedererlangen können.

Ärzte ohne Grenzen beobachtet, dass die Verminung auch humanitäre Einsätze und den Zugang zu grundlegenden Versorgungsleistungen beeinträchtigt. So sind Gesundheitseinrichtungen, Wasserinfrastruktur und Wohngebiete nach wie vor oftmals vermint.

Die Organisation fordert eine dringende Beschleunigung der Kampfmittelbeseitigung in ganz Deir ez-Zor, um weiteren Schaden für die Zivilbevölkerung, lebensverändernde Verletzungen und vermeidbare Todesfälle, zu verhindern. Auch braucht es Investitionen in die Notfallversorgung, insbesondere in abgelegenen und unterversorgten Gegenden, sowie umfassende Hilfsangebote für Betroffene, einschließlich Rehabilitation und psychologischer Betreuung.

Seit April 2025 unterstützt Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbehörde die Notaufnahme des Nationalkrankenhaus von Deir ez-Zor und leistet dort unter anderem Notfallversorgung.

 

*Deir ez-Zor gilt als Trüffelgebiet.

Explosive Remnants of War – Lasting Harm in Deir Ez-Zor, Syria

Unser Bericht über die Auswirkungen von Explosivmitteln auf Zivilist:innen in Deir Ez-Zor.