Sudan

Flüchtlinge und Vertriebene im Südsudan

Sudan: Den Geruch des Morgens verloren – Flüchtlinge und Vertriebene im Südsudan

 

Den meisten Flüchtlingen, denen ich begegnet bin, standen die durchlebten Traumata ins Gesicht geschrieben. Sie waren in ihren Augen zu sehen, in ihrer Haltung, einfach sichtbar.

Die Menschen sind ernsthaft beunruhigt. Auf der Straße sieht man Leute, zu Fuß oder mit dem Motorrad, die Speere oder Pfeil und Bogen dabei haben. Das ist sonst nicht üblich, es ist ungewöhnlich. Sie haben Angst vor dem nächsten Angriff, der jederzeit passieren kann.

Was dort geschieht, ist eine Katastrophe für diese Menschen. Ständig werden Städte und Dörfer von den Rebellen angegriffen. Ganze Familien wurden komplett auseinandergerissen, Familienmitglieder verschleppt und versklavt.

Auch in den kleinen Ortschaften um Yambio wurde dauernd von Angriffen berichtet. Jeden Tag hörte ich, dass am Vortag wieder Menschen gefangen genommen worden waren. Ich hörte auch aus erster Hand Berichte über Tötungen. Währenddessen schienen ständig Flüchtlinge aus dem Kongo anzukommen.

Ärzte ohne Grenzen unterhält in der Gegend um Yambio mobile Gesundheitskliniken und unterstützt lokale Gesundheitseinrichtungen mit Medikamenten und anderem.

Wo immer Menschen in großer Zahl zusammenkommen, besteht die Gefahr, dass Krankheiten ausbrechen. Zur Prävention impft Ärzte ohne Grenzen in einigen der kleinen Gemeinden und in den Flüchtlingslagern gegen Masern.

Auch im Flüchtlingslager in Nyori hat Ärzte ohne Grenzen eine medizinische Versorgung aufgebaut. Jeden Tag ist die Klinik voll. Es gilt, alltägliche Wunden zu versorgen, aber auch, sich um Kinder mit Malaria und um Schwangere und Neugeborene zu kümmern.

Ärzte ohne Grenzen hat auch ein Team aus Flüchtlingen zusammengestellt, die Erfahrung als Krankenschwestern oder -pfleger haben. Sie sprechen mit den Menschen über Gesundheitsthemen. Vor allem aber haben sie ein offenes Ohr, wenn die Menschen ihnen von dem erzählen, was sie durchgemacht haben.

An einigen Orten wurde den Flüchtlingen Land überlassen. Man sieht täglich Menschen, die auf dem Feld arbeiten, sogar in den Flüchtlingslagern. Doch es ist ein Kampf gegen die Zeit.

Zurzeit ist Regenzeit, das ist auch die Pflanzsaison. Wenn jetzt nicht angepflanzt wird, werden die Menschen, die von ihren Äckern vertrieben wurden, in einigen Monaten nicht genug zu essen haben.

Ein großer Teil der Menschen schlägt sich außerhalb der Flüchtlingslager durch. Sie bleiben so nahe wie möglich an den Hauptstraßen, die in den Kongo führen, in der Hoffnung, verschleppte Verwandte wiederzufinden oder zumindest ein Lebenszeichen von ihnen zu bekommen.

Vor den Angriffen lebten diese Menschen aus dem Kongo und dem südlichen Sudan ein einfaches, wenn auch schwieriges Leben. Sie hatten nicht alles, aber sie hatten einander.

Es gibt Leid, das man nicht sehen kann. Du weißt, diese Menschen haben alles verloren, was ihnen vertraut war. Die gewohnten Fußpfade, den Geruch des Morgens, ihre bewährten Sammelstellen für Feuerholz.

Die Bäche und Brunnen, wo man am Abend Wasser holen konnte und Freunde traf und die Neuigkeiten des Tages austauschte. Nicht einmal die einfachen Dinge sind ihnen geblieben.

Das Leben in diesem Teil der Welt ist hart genug, auch ohne die schrecklichen Dinge, die jetzt dort geschehen. Mein Respekt gehört den Menschen, die unter solchen Umständen Tag für Tag überleben.