Griechenland

Erster Schritt zu menschenwürdiger Behandlung von Migranten und Flüchtlingen

Im Auffanglager Pagani auf der Insel Lesbos lebten zeitweise 1.200 Menschen unter erbärmlichen Bedingungen.

Ärzte ohne Grenzen begrüßt die Entscheidung, dass das Auffanglager Pagani für Flüchtlinge und Migranten in Mitilini, der Hauptstadt der Insel Lesbos, vorübergehend geschlossen wird. Es kann den Weg für eine bessere Behandlung der schutzlosen Menschen ebnen.

Das Auffanglager Pagani auf der griechischen Insel Lesbos, in dem 1.200 Flüchtlinge und Migranten unter erbärmlichen Bedingungen leben, wurde vorübergehend geschlossen. Nach Angaben der Behörden sollen Reparaturarbeiten ausgeführt werden. "Es sind zwar noch immer ein paar Menschen in Pagani, da die Boote nicht täglich in Mitilini abfahren. Ärzte ohne Grenzen ist aber zufrieden, dass die Behörden das Lager geschlossen haben und die Lebensbedingungen verbessern wollen. Der derzeitige Zustand ist unangemessen für die Unterbringung von Menschen", sagte Christos Papaioannou, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Mitilini. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen leisten seit August 2008 psychologische Hilfe für die Inhaftierten in Pagani. Sie haben den erbärmlichen Zustand des Lagers gesehen und auch, wie er sich während der vergangenen Monate verschlechtert hat.

Die Behörden haben fest versprochen, nach einer neuen Einrichtung zu suchen, um für die Flüchtlinge bessere Lebensbedingungen anzubieten. Ärzte ohne Grenzen hätte es gerne, dass Pagani ganz geschlossen wird. "Wir hoffen, dass die Behörden ihren Plan weiterverfolgen und offene Lager für die Flüchtlinge und Migranten einrichten, anstatt Pagani wieder zu eröffnen. Das würde bedeuten, dass die Menschen besser betreut werden können und was noch wichtiger ist, dass sie nicht weiter inhaftiert werden", sagte Micky van Gerven, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland.

Ärzte ohne Grenzen leistet in zwei weiteren Auffanglagern im Norden des Landes psychologische Unterstützung und wird weiterhin den Flüchtlingen in Mitilini helfen. "Uns stellt sich die große Frage, was mit den Menschen passiert, wenn sie entlassen oder an einen anderen Ort geschickt werden. Wir haben gehört, dass Migranten aus Mitilini nach Chios geschickt werden und werden daher auf die Insel fahren, um nachzusehen, ob wir den Menschen dort helfen können", sagte van Gerven.

"Wir hoffen, dass die Schließung des Auffanglagers Pagani nur der Anfang ist und die Menschen in Zukunft nicht mehr in geschlossenen sondern in offenen Lagern untergebracht werden. Nur so können ihre Bedürfnisse erkannt, eine menschenwürdige Behandlung gewährleistet und Zugang zu medizinischer Versorgung und einem fairen Asylverfahren sicher gestellt werden. Die Zustände in den anderen Auffanglagern im Norden Griechenlands, in denen Ärzte ohne Grenzen psychologische Hilfe leistet, sind für die Menschen nach wir vor schlimm. Es ist Aufgabe der Regierung, Mitilini als erfolgreiches Beispiel für eine neue Herangehensweise zu sehen und somit die Würde der Menschen zu respektieren.”