Honduras

Engpass bei Medikamenten gegen HIV/Aids - Ärzte ohne Grenzen hilft aus

In dem zentralamerikanischen Land Honduras gibt es derzeit einen Engpass bei der Versorgung mit Aidsmedikamenten. Viele Menschen mit HIV/Aids benötigen lebensverlängernde antiretrovirale Medikamente (ARV). Die Regierung von Honduras hat sie jedoch für das öffentliche Gesundheitssystem zu spät nachbestellt und gibt keine klaren Auskünfte, warum es zu dieser Verspätung gekommen ist. Dies ist eine für Menschen mit HIV/Aids sowie medizinische und humanitäre Organisationen unhaltbare Situation. Ärzte ohne Grenzen stellt nun vorübergehend antiretrovirale Medikamente zur Verfügung, damit die Patienten ihre Behandlung fortsetzen können.

"Die Regierung von Honduras hat sich neben dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria verpflichtet, den Kauf antiretroviraler Medikamente für Menschen mit HIV/Aids zu finanzieren", betont Programmleiterin Reveka Papadopoulou von Ärzte ohne Grenzen in Genf. "Zurzeit werden Medikamente für 3.500 Menschen benötigt. Das Gesundheitsministerium von Honduras hatte aber Anfang Januar noch keine Bestellung bei den Herstellern aufgegeben. Ein Engpass wurde damit unvermeidbar."

Nach einer Reihe von Aktionen von Ärzte ohne Grenzen und anderen Organisationen hat das Gesundheitsministerium in Honduras inzwischen angekündigt, die neue Bestellung abgeschickt zu haben. Doch selbst wenn dies tatsächlich der Fall ist, wird eines der notwendigen Nachahmerpräparate rund 2.450 Patienten über einen Zeitraum von drei Wochen fehlen. Dies ist nicht akzeptabel, zumal die Behörden auch erklären, dass mindestens 500 neue Patienten wegen dieser Versorgungskrise auf der Warteliste für eine Behandlung bleiben.

Unregelmäßige Medikamenteneinnahme ist gefährlich

Wenn HIV/Aids-Patienten ihre Medikamente nicht mehr einnehmen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand, der sich rasch verschlechtert. Zudem besteht bei unregelmäßiger Einnahme dieser Medikamente ein erhöhtes Risiko der Entwicklung von Resistenzen, welche die Mittel wirkungslos machen. Das bedeutet nicht nur, dass so genannte opportunistische Krankheiten erneut auftreten, an denen die Patienten in der Vergangenheit litten, sondern auch, dass sie auf teurere Medikamente mit mehr Nebenwirkungen ausweichen müssen.

Derzeit bleibt offen, ob die Gründe für die fehlende Bestellung konjunkturell oder politisch bedingt sind. Ärzte ohne Grenzen fühlt sich jedoch gegenüber den Kranken, die zum Opfer dieser Verspätung werden, verpflichtet, den Missstand öffentlich zu machen. Die Organisation hatte bis September 2005 rund 300 HIV/Patienten in einem Programm in Tela betreut und die Verantwortung dann an die honduranischen Behörden übertragen. Die Organisation will diese Patienten auf keinen Fall ohne Behandlung lassen und trifft nun die notwendigen Maßnahmen, um notfallmäßig Medikamente liefern zu können. Kein Patient soll unter dem Medikamenten-Engpass leiden, unabhängig davon, ob er früher von der Organisation betreut wurde oder nicht. Darüber hinaus setzt sich Ärzte ohne Grenzen zusammen mit einheimischen Organisationen bei den Behörden dafür ein, dass diese die Verantwortung für einen funktionierenden Bestellmechanismus übernehmen.

Patienten bleiben auf der Warteliste

Im September 2005 war es schon einmal zu einem Engpass an antiretroviralen Medikamenten gekommen. Damals hatte die Herstellerfirma GlaxoSmithKline aus kommerziellen Interessen im letzten Moment erklärt, die Bestellung des Medikamentes Combivir® nicht ausführen zu können. Ärzte ohne Grenzen sprang ein und lieferte notfallmäßig Medikamente, bis die indische Firma Cipla von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugelassene Nachahmerpräparate liefern konnte. Damals waren die Besteller der Globale Fonds und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen gewesen. Die von Ärzte ohne Grenzen gelieferten Medikamente waren eigentlich für Projekte in Guatemala bestimmt.

In Honduras werden Menschen mit HIV/Aids seit dem Jahr 2002 mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Dazu erhält das Land vom Globalen Fonds eine Finanzierung über eine Fünfjahresperiode, welche zurzeit noch anhält. Laut den Gesundheitsbehörden leben in Honduras 70.000 Menschen mit dem HI-Virus. Rund 7.000 Aidspatienten benötigen dringend antiretrovirale Medikamente, etwa 3.500 erhalten diese derzeit.