Myanmar

Ein Leben in Angst und ohne Zufluchtsort - der Überlebenskampf der Rohingyas

In Tal Behelfslager leben Rohingya Flüchtlinge aus Myanmar seit vielen Jahren unter sehr schechten Bedingungen.

Die Rohingyas in Myanmar sind eine ethnische Minderheit von Muslimen, die seit Jahrzehnten unter Restriktionen und Demütigungen leiden. Zahllose Menschen sind deswegen nach Bangladesch oder Thailand geflohen. Ihr Leid ist dadurch aber lange noch nicht vorüber: Sie sind von Internierungen und Abschiebungen betroffen und leben in überfüllten Flüchtlingslagern. Ärzte ohne Grenzen erlebt sowohl in Myanmar als auch in Bangladesch und Thailand die medizinische Notlage dieser Menschen. Entgegen der Behauptung, die Rohingyas seinen einzig Wirtschaftsflüchtlinge, erfährt Ärzte ohne Grenzen die Situation dieser Menschen als chronische humanitäre Krise.

In den vergangenen Jahren wurde uns wiederholt Zugang zu internierten Rohingyas gewährt. "Ihr körperlicher Zustand bei der Ankunft spricht Bände über das, was sie auf dem Meer durchgemacht haben. Wir müssen die Leute gegen Austrocknung behandeln, sie haben Blutergüsse und Hautkrankheiten", erklärt unser Landeskoordinator in Thailand, Richard Veerman.

"Ich war froh, die Küste lebend zu erreichen. Noch auf dem Meer habe ich ein anderes Boot mit 80 Leuten gesehen, das vor meinen Augen gesunken ist. Ich glaube, alle sind gestorben." (Bericht eines Mannes aus Thailand)

"Im vergangenen Jahr haben wir herausgefunden, dass in einem der Internierungslager 600 Menschen leben. Viele waren ungefähr drei Monate eingesperrt und zeigten Anzeichen von Stress. Einige litten offensichtlich an ernsthaften psychischen Traumata." Während der vergangenen Jahre wuchs die Zahl der Rohingyas, die in Thailand ankommen, auf eine gleichbleibend hohe Zahl an." Das ist ein klares Anzeichen dafür, dass mehr getan werden muss. Nicht nur, um eine angemessene Hilfe vor Ort zu leisten, sondern um dem Ursprung ihrer Probleme in Myanmar zu begegnen", sagt Richard Vermeer.

Cox's Bazar liegt an der Ostküste Bangladeschs. Dort sind über die Jahre zahllose Rohingyas angekommen oder wieder weggefahren. Sie sind entweder aus Myanmar geflohen oder in überfüllten Booten aus Thailand gekommen. Für diejenigen, die bleiben, kann das Leben hier sehr hart sein. 1998 begannen wir, mit den Rohingyas zu arbeiten. Zuletzt haben wir rund 7.500 Menschen unterstützt, die ansonsten ohne Hilfe unter schrecklichen Bedingungen im Tal Behelfslager leben. "Überfüllung und unhygienische Verhältnisse führten dort verstärkt zu Atemwegserkrankungen und Hautkrankheiten. Häufig waren Durchfälle, und viele Kinder waren mangelernährt. Zu diesen Belastungen kamen die psychischen Probleme der Menschen. Wir haben deswegen ein Programm begonnen, dass diejenigen unterstützten sollte, die mit den psychologischen Folgen des Lagerlebens zu kämpfen hatten", erzählt Gabi Popescu, die für Ärzte ohne Grenzen als medizinische Koordinatorin in Bangladesch arbeitet. Inzwischen wurde das Lager verlegt und wir haben die Aktivitäten an eine andere Organisation übergeben.

"Während der Jahre haben ich viele Gründe dafür gehört, weshalb die Menschen aus Myanmar fliehen. So verließ beispielsweise eine Frau mit drei Kindern nach der Verhaftung ihres Ehemanns in Furcht um ihre Familie das Land. Ein Paar - die Frau schwanger - ging, weil sie die offizielle Heiratsgebühr nicht zahlen konnten, ganz zu schweigen von der Gebühr für die Geburt eines Kindes. Sie fürchteten die Auswirkungen", berichtet Popescu weiter.

"Ich glaube nicht, dass ich je zurückkehre. Es ist klar, dass es in Myanmar immer noch sehr schlimm ist, und selbst, wenn wir nur minimale Hilfe in Bangladesch bekommen, so müssen wir zumindest keine Angst haben." (Bericht eines Mannes aus dem Tal Camp)

Trotz der täglichen Härten, die die Menschen in Bangladesch erleben, scheint die Möglichkeit einer Rückkehr nach Myanmar nur für wenige erwägenswert. Sie haben Angst. "Die Menschen fürchten, dass sie bestraft werden: Für eine Heirat ohne Erlaubnis, für Reisen ohne Erlaubnis, für ihren Weggang aus dem Land ohne Erlaubnis usw. Denn Erlaubnisse kosten Geld, und davon haben die Rohingyas nur wenig. Teilweise liegt der Grund dafür in den zahllosen anderen Diskriminierungen, denen sie ausgesetzt sind", so Popescu.

Wir haben in Myanmar sechzehn Jahre im nordwestlichen Teilstaat Rakhine gearbeitet und sind dem problematischen Gesundheitszustand der muslimischen Bevölkerung immer wieder begegnet. Schätzungsweise eine Million Muslime leben hier. Als Rohingyas sind sie nur außerhalb Myanmars bekannt. Die Tatsache, dass sie für so vieles eine Autorisierung benötigen, auch für Reisen außerhalb ihrer Dörfer, beeinträchtigt ihren Zugang zur Gesundheitsversorgung. Insbesondere bei Notfällen macht sie das besonders verletzbar.

Während unseres letzten großen Ernährungsprogramms im Jahr 2007 waren 90 Prozent der mangelernährten Kinder Muslime aus Rakhine, obwohl sie nur 45 Prozent der Bevölkerung in dem betroffenen Gebiet ausmachten.

Wir leisten den Rohingyas über viele Jahre Hilfe und sind Zeuge ihres anhaltenden Leids sowohl innerhalb als auch außerhalb Myanmars. "Ohne grundlegende Lösung für die Rohingyas sowohl in Ländern, wo sie Asyl suchen als auch in ihrem Ursprungsland, ist keine Ende der humanitären Krise in Sicht, in der sie sich befinden", so Hans Van De Weerd, Geschäftsführer der holländischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen.