Sudan

Ein Koffer voller Erlebnisse - Heike Elm aus Neuhof arbeitete für Ärzte ohne Grenzen im Südsudan

Heike Elm bei ihrem Projekteinsatz in Nasir im Südsudan.

Von Ute Fiedler

Mit 18 Kilogramm Gepäck hatte sich Krankenschwester Heike Elm aus Neuhof Anfang Februar für Ärzte ohne Grenzen in den Sudan aufgemacht. Neun Monate später kam die 34-Jährige nach Deutschland zurück - mit etwas weniger Gepäck, dafür aber mit zahlreichen Erfahrungen, Eindrücken, Erlebnissen. Für die 34-Jährige war der Auslandsaufenthalt in Nasir unweit der Grenze zu Äthiopien nicht so ungewöhnlich wie für Otto Normal. Die unerschrockene Neuhöferin ist bereits viel herumgekommen. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester am Klinikum Fulda arbeitete sie in England, Australien oder in einem Unfallsanatorium in Österreich. "Bevor ich in den Sudan ging, war ich am Herz-Jesu-Krankenhaus angestellt", erklärt sie.

Trotzdem stellte die Zeit beim Ärzte-ohne-Grenzen-Projekt eine Herausforderung dar: "Die Krankenhäuser, in denen ich gearbeitet habe, waren alle sehr westlich. Jetzt wollte ich andere Erfahrungen machen", sagt die junge Frau. Ärzte ohne Grenzen gab ihr die Chance. Nach einem Tropenkurs, bei dem die Teilnehmer Informationen zu Krankheiten, Leben und alltäglichen Problemen bekamen, folgte ein Vorbereitungskurs. Dann ging es los. Mit klopfendem Herzen stieg Elm in den Flieger und war nach gut zwölf Stunden Flugzeit am Ziel: im etwa 20.000 Einwohner zählenden Dorf Nasir, das neun Monate lang ihr neues Zuhause sein sollte.

"Als der Flieger, in den ich in Nordkenia umsteigen musste, auf einer weideähnlichen Piste landete, und viele Menschen kamen, um zu sehen, was los ist, war ich schon etwas geschockt", berichtet sie mit einem Lächeln. "Da war nichts. Nur ein Fluss, ein Markt und das Dorf mit Lehmhütten, die sich farblich kaum von der Umgebung abhoben." Die große Hitze, meist herrschten Temperaturen über 40 Grad, habe die Umgebung zur Einöde und ihr selbst schwer zu schaffen gemacht. "Doch man gewöhnt sich an alles, zum Beispiel an die Moskitos in der Regenzeit oder das Schlafen in Lehmhütten. Naja, vielleicht doch nicht alles", fügt sie hinzu.

Elm hat nicht nur schöne Erfahrungen in Afrika gemacht. "Wir hatten ein super Team, ich habe viel über Tropenkrankheiten gelernt und den Familienzusammenhalt", sagt sie. Immer ein Familienmitglied habe den Patienten begleitet, bei ihm übernachtet. "Oft war auch die ganze Familie dabei und schlief auf dem Boden in der Krankenstation. Betten fanden viele sowieso zu ungemütlich", erläutert sie.

Doch manchmal sei sie auch beschämt worden. "Da haben uns Menschen nachts aus dem Bett geklingelt, weil sie seit fünf Tagen Schmerzen hatten. Als ich fragte, warum sie erst jetzt kämen, sagten sie, sie hätten ja drei Tage lang zu uns laufen müssen." Das Einzugsgebiet war riesig. Patienten kamen von überall her. Oft zu spät. Für viele Kinder habe das vierköpfige internationale medizinische Team nichts mehr tun können. Sie seien an Unterernährung oder Durchfallerkrankungen gestorben. "Daran konnte ich mich nicht gewöhnen und wollte schon das ein oder andere Mal vorzeitig nach Deutschland zurückkehren."

Heike Elm hat durchgehalten und sich Tag für Tag hauptsächlich im Ernährungszentrum um die kleinen Patienten gekümmert, im Tuberkulosedorf oder auf der chirurgischen Station gearbeitet. Und da geholfen, wo Not am Mann war. Der Abschied vor gut einem Monat fiel ihr schwer und leicht zugleich. "Auf eine heiße Dusche habe ich mich schon gefreut", sagt sie. Doch als sie all die Menschen sah, die gekommen waren, um sie zu verabschieden, habe es ihr doch leid getan. "Jetzt genieße ich erst mal die freie Zeit und die vielen Möglichkeiten, bevor ich nächstes Jahr wieder mit Ärzte ohne Grenzen weg will." Wohin, weiß sie noch nicht. Aber sicherlich an einen Ort, an dem die Menschen ihre Hilfe dringend benötigen. Heike Elm wird am Mittwoch, 3. Dezember, um 19 Uhr im Hörsaal des Klinikums Fulda einen kostenfreien Vortrag über ihren Aufenthalt und die Organisation halten.