Demokratische Republik Kongo

Dresdner Ärztin hilft Kindern in Afrika

Nicole Preuß

Sabine Vygen war für die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" in der Republik Kongo. Im nächsten Herbst will sie zurückkehren.

Eigentlich wollte sie nie Kinderärztin werden. Dass Sabine Vygen Medizin studierte, verdankt die Dresdnerin Afrika. Dem Kontinent, auf dem sie als Abiturientin Arbeit fand und auf den sie jetzt, als 35-Jährige, zurückkehrt. In diesem Sommer arbeitete die Dresdnerin für sechs Monate in einem Krankenhaus in der Demokratischen Republik Kongo. Das Haus betreibt "Ärzte ohne Grenzen".

Sabine Vygen zeigt Bilder vom Frühjahr. Der Landeanflug, der erste Eindruck vom Krankenhaus, der Blick zum daneben liegenden Flüchtlingsdorf, die mit Stacheldraht gesicherte Unterkunft und die provisorische Intensivstation mit Netzen über den Betten. Manchmal hörte sie nachts Schüsse. Leicht waren die ersten Wochen nicht, sagt sie. Die Arbeit half über die Angst hinweg, auch weil sie nicht viel Zeit fürs Grübeln ließ.

Mit ihren zwei kongolesischen Kollegen betreute Sabine Vygen 120 kleine Patienten. Jeder zweite hatte Malaria, die anderen in ihrem Leben zu wenig gegessen oder sich bei der Geburt mit dem Wundstarrkrampf-Erreger angesteckt. Krankheiten, die in Europa fast ausgestorben sind.

Verlassen auf fünf Sinne

Sabine Vygen musste sich mit Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten vertraut machen. Und auch mit der Tatsache, dass es in Bunia keine Röntgengeräte oder Krankenakten gibt. "Man muss sich bei der Diagnose mehr auf seine fünf Sinne verlassen", sagt die Kinderärztin. Den Bauch abtasten, prüfen, ob sich ein Kind allein aufrichtet, mit den Eltern sprechen. Die wussten oft, was das Kind in der Vergangenheit hatte und wie es krank wurde. Viele Mütter haben mindestens ein Kind verloren. In dem afrikanischen Land erlebt jedes fünfte Kind seinen fünften Geburtstag nicht. Auch auf der Kinderstation in Bunia starben täglich Kinder. Sich damit wirklich auseinandersetzen, konnte Sabine Vygen nur selten. "Wenn ein Kind stirbt, sitzen da sofort wieder drei neue, die versorgt werden müssen", sagt die Kinderärztin. "Das ist sicher ein stückweit Verdrängung."

Es gab aber auch positive Momente. Wenn ein Kind nach tagelanger Bewusstlosigkeit wieder aufwachte zum Beispiel. "Da war so ein niedlicher kleiner Kerl, als der dann wieder in seinem Bett saß. Das war toll", sagt sie. Sabine Vygen möchte wieder nach Afrika. Im kommenden Herbst wird es vermutlich so weit sein. So lange arbeitet sie in Dresden als selbstständige Ärztin. Hier hat sie studiert und im Krankenhaus Neustadt ihren Facharzt gemacht. Hier hat sie Freunde.

Wie lange sie zwischen Europa und Afrika hin- und herfliegen will? Sabine Vygen weiß es noch nicht. "Ich möchte schon noch ein paar Einsätze machen", sagt sie. Sicher ziehe es sie aber irgendwann ganz nach Deutschland zurück. Schließlich gäbe es nur hier Schokolade. Und die hat sie in Afrika am meisten vermisst.