Malta

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen 2010 im Überblick

Sprechstunde in einem Zentrum für Migranten und Asylsuchende.

Tausende Migranten und Asylbewerber leben in Internierungslagern oder offenen Camps auf Malta. Die Lebensbedingungen sind dort teilweise sehr schlecht, was sich negativ auf die Gesundheit der Insassen auswirkt. Im Jahr 2008 startete Ärzte ohne Grenzen ein medizinisches und psychologisches Projekt in den Internierungslagern, in die alle Neuankömmlinge geschickt werden. Die Gesundheitsversorgung hat sich in den vergangenen zwei Jahren etwas verbessert. Gleichwohl bleibt der Zugang für jene Migranten schwierig, die sich ohne Aufenthaltsgenehmigung im Land befinden. Besonders betroffen davon sind Menschen, deren Asylanträge abgelehnt wurden.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Von August 2008 bis Oktober 2010 betreute Ärzte ohne Grenzen medizinische Aktivitäten in den Internierungslagern in Safi, Lyster Barracks und Takandja. In den beiden Lagern Safi und Lyster Barracks führten die erbärmlichen Lebensbedingungen und der begrenzte Zugang zu medizinischer Hilfe dazu, dass sich der körperliche und seelische Zustand der Insassen verschlechterte. Viele Migranten haben traumatische Erfahrungen in Form von körperlicher und sexueller Gewalt in ihrer Heimat, auf der Reise nach Europa oder bei der Ankunft in Europa gemacht. Die schlechten Lebensbedingungen, die prekäre soziale Lage und der Perspektivmangel der Migranten verschärfen die Folgen des seelischen Traumas. Viele haben daher Probleme, die Erlebnisse zu verarbeiten. Im Jahr 2009 stellte Ärzte ohne Grenzen die Arbeit in den Internierungslagern zeitweilig ein, da die schlechten Bedingungen in den Camps die Wirkung der medizinischen Versorgung negativ beeinflussten. In Takandja nahmen die Mitarbeiter die Arbeit zwischen Juni 2009 und Oktober 2010 wieder auf, untersuchten alle Neuankömmlinge und führten Sprechstunden durch. Insgesamt hielten die Teams von 2008 bis 2010 mehr als 4.670 medizinische und 724 psychologische Konsultationen in den Internierungslagern. Zudem nahmen etwa 3.000 Personen an Fortbildungen zur Gesundheit oder Hygiene teil.
  • Bis Juni 2010 arbeitete Ärzte ohne Grenzen in einer Klinik in Hal Far, im Süden Maltas. Die Teams gaben zwischen August 2008 und Juni 2010 mehr als 2.150 medizinische und 727 psychologische Sprechstunden. Außerdem führten sie 165 Workshops zu diversen Themen durch. In Hal Far lebten Migranten und Asylbewerber, die von Internierungslagern in offene Camps verlegt wurden. Da sich ihre Anzahl ab der zweiten Jahreshälfte 2010 verringerte und sich die Gesundheitsversorgung verbesserte, stoppte Ärzte ohne Grenzen die Aktivitäten. Die Mitarbeiter bemühten sich daraufhin, ein stabiles Netzwerk aufzubauen, das langfristig psychologische Hilfe ermöglichen wird.
  • Kulturelle Mediatoren erleichtern die Kommunikation zwischen Patienten und Gesundheitspersonal, indem sie sprachliche und kulturelle Hürden überwinden. Ärzte ohne Grenzen setzte sich erfolgreich für kulturelle Mediatoren ein und unterstützte somit fast 7.700 Sprechstunden. Im Jahr 2010 stellten die nationalen Behörden fünf kulturelle Mediatoren ein, um die medizinische Versorgung in den Gesundheitszentren zu verbessern. Vier Stellen wurden zudem im Krankenhaus „Mater Die“ bewilligt, dem größten öffentlichen Krankenhaus. Geplant war auch eine Stelle im Hospital „Mount Carmel“.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 2008 in Malta aktiv.