Äthiopien

Der Doktor war wieder im Ausland - Norbert Puhan ist jedes Jahr für "Ärzte ohne Grenzen" unterwegs

Hakenfelde. Wenn andere Urlaub machen, beginnt für den Spandauer Internisten Dr. Norbert Puhan (59) die Zeit seiner "zweiten ärztlichen Tätigkeit". Für "Ärzte ohne Grenzen" ist der Hakenfelder sechs Wochen im Jahr unterwegs, um denen zu helfen, die keine ärztliche Unterstützung haben.

Seine Auslandseinsätze für die Organisation können Puhans Patienten im Wartezimmer seiner Praxis am Hohenzollernring 95 verfolgen. Von jedem Auslandseinsatz bringt Puhan zahlreiche Fotos mit. Die eindrucksvollsten Aufnahmen hängen im Wartezimmer seiner Praxis. Sie erzählen von unendlichem Leid, dem Puhan begegnet. Und sie strahlen ein wenig Hoffnung aus, wenn unter dem Foto vermerkt ist, dass "diesem Patienten geholfen werden konnte". Noch hängen in der Praxis Fotos vom Einsatz 2007 im Südsudan. Bald werden sie ausgetauscht und erzählen vom diesjährigen Einsatz in Äthiopien. Dort war der Spandauer Facharzt für Innere Medizin dieses Jahr, um "Ärzte ohne Grenzen" beim Kampf gegen die tückische Krankheit "Kala Azar" zu unterstützen. Von ihr sind jährlich etwa 500 000 Menschen in 88 Ländern der Erde, vor allem in Bangladesh, Brasilien, Indien, Nepal, im Sudan und Äthiopien betroffen.

"Kala Azar", auch als Leishmaniose bekannt, wird durch den Stich der Schmetterlingsmücke oder von Mensch zu Mensch übertragen. Der Erreger greift das Immunsystem an. Die Patienten zeigen Müdigkeit, hohes Fieber, starken Gewichtsverlust, Gelenkschmerzen und haben oft eine vergrößerte Milz. Unbehandelt verlaufen über 90 Prozent der Infektionen tödlich, behandelt liegt die Sterberate je nach Zeitpunkt des Behandlungsbeginns bei bis zu 15 Prozent. Besonders im Zusammenhang mit HIV wird "Kala Azar" zum Besorgnis erregenden Problem: Während die Krankheit bei sonst gesunden Menschen nur in zehn Prozent der Fälle symptomatisch wird, bricht die Erkrankung bei HIV-Infizierten in 100 Prozent der Fälle aus, da das Immunsystem geschwächt ist. Zudem beschleunigt "Kala Azar" bei HIV-Positiven auch den Ausbruch von AIDS.

Dr. Puhans Kampf gegen diese Krankheit in Äthiopien ist bereits der 15. Einsatz für "Ärzte ohne Grenzen". "Auf diese Organisation wurde ich 1994 durch einen Bericht in den Tagesthemen aufmerksam", erinnert er sich. Seitdem sei er in Ruanda, Afghanistan, Indonesien, in der Zentralafrikanischen Republik, in Guinea, in Äthiopien, im Kongo und in Südsudan im Einsatz gewesen.

Während seiner Abwesenheit vertritt ihn ein Kollege in der Spandauer Praxis. "Meine Patienten haben sich daran gewöhnt, dass ihr Doktor mal wieder unterwegs ist", sagt Puhan. Und inzwischen seien sie sogar ein wenig stolz darauf, erzählen zu können, was ihr Doktor dort mache. "Wenn ich die Fotos in meinem Wartezimmer aufhänge, kann ich wenigstens einigen Menschen weitergeben, welch unendliches Leid es auf dieser Welt gibt und wie viel Hilfe notwendig ist", so Puhan.

Spandauer Volksblatt - Spandauer Zeitung vom 10.09.2008