Beispielinfoletter

Newsletter der Medikamentenkampagne

Abonnement per Mail an medikamentenkampagne@aerzte-ohne-grenzen.de
Bitte weiterleiten *

* INHALTSVERZEICHNIS
1. Aktiv werden für bezahlbare Medikamente
2. Neue HIV-Zahlen veröffentlicht
3. Bericht zu Aids-Medikamentenpreisen veröffentlicht
4. Global Fund-Konferenz in Berlin
5. WHO-Arbeitsgruppe tagt zu öffentlichen Gesundheitsfragen,
Innovation und geistigem Eigentum
6. Ärzte ohne Grenzen startet Ernährungskampagne

Liebe Leserin, lieber Leser,

Kurz nach dem Welt-Aids-Tag erscheint die erste Ausgabe des Newsletters der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. Wie schön, dass Sie sich für unsere Arbeit interessieren. Die Kampagne setzt sich für den Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten in ärmeren Ländern ein. Jedes Jahr sterben Millionen Menschen an behandelbaren Infektionskrankheiten - weil sie entweder die vorhandenen Medikamente nicht bezahlen können, oder weil es gar keine wirksamen Medikamente gibt.

Ärzte ohne Grenzen hat die Kampagne aus der Erkenntnis heraus gestartet, dass medizinische Versorgung praktisch unmöglich ist, wenn keine Medikamente verfügbar sind. Wir wollen diesen Zustand nicht hinnehmen und arbeiten daran, diesen Missstand darzustellen und Druck auf wichtige Akteure auszuüben. Hierzu gehören die Pharmaindustrie und politische Entscheidungsträger in den Industrieländern, aber auch in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Auch Sie können auf das Problem, das viele Menschenleben bedroht, aufmerksam machen und einen Beitrag leisten. Neben Informationen rund um das Thema werden Sie in den Newslettern immer wieder Mitmach- und Aktionsmöglichkeiten finden. Wir fordern Sie auf, aktiv zu werden, sei es, indem Sie unseren Newsletter an Interessierte weiterleiten oder auf die Website ( http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/medikamentenkampagne ) aufmerksam machen. Sie können uns für Vorträge zum Thema einladen oder an direkten Aktionen teilnehmen. Zum G8-Gipfel beispielsweise haben 50 Aktivistinnen und Aktivisten eine Woche lang auf einem Segelschiff gelebt und mit Aktionen, Bannern und Flyern Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten gefordert.

(Das Video zur Aktion gibt es hier auf der Website) Jede Anregung, jede Idee ist willkommen. In regelmäßigen Treffen in verschiedenen Städten wollen wir uns über Strategien und Aktionsideen austauschen, und natürlich zusätzlich zu diesem Newsletter auch über aktuelle Entwicklungen informieren.

Gerade bei dieser ersten Ausgabe freuen wir uns sehr über Feedback!

Um den dreimonatlichen Newsletter zu abonnieren, schicken Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff "subscribe" an die E-Mail-Adresse: medikamentenkampagne@aerzte-ohne-grenzen.de, Sie werden dann in den Verteiler eingetragen. Bitte schicken Sie diesen Newsletter auch an interessierte Freunde und Bekannte, oder an Mailinglisten und Newsgroups, bei denen dieser Newsletter willkommen ist.

Beste Grüße aus Berlin,

Oliver Moldenhauer und Katrin Hünemörder, Medikamentenkampagne
+49 30 700 130 190
medikamentenkampagne@aerzte-ohne-grenzen.de

* NEUE HIV-ZAHLEN VON UNAIDS ERSCHIENEN

Die Zahlen der HIV-Infizierten weltweit wurden Ende November aufgrund genauerer Studien von UNAIDS zwar nach unten korrigiert, dennoch muss der Kampf gegen Aids verstärkt werden. Nur so gibt es Hoffnung, die Pandemie stoppen zu können: Mehr als 33 Millionen Menschen weltweit tragen das HI-Virus in sich. Allein im Jahr 2007 werden 2,1 Millionen Menschen an Aids sterben, 2,5 Millionen werden sich in diesem Jahr mit dem HI-Virus neu infiziert haben und jeden Tag kommen 6.800 hinzu. Immer noch haben weniger als ein Drittel der an Aids Erkrankten Zugang zu Behandlung und medizinischer Versorgung und es bleibt eine erschütternde Wahrheit: Nach wie vor ist Aids die häufigste Todesursache auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Medikamentenkampagne setzt sich weiter für die Preissenkung von antiretroviralen Medikamenten ein. Diese lebensverlängernde Behandlung muss für alle Menschen, die sie brauchen, zugänglich sein. Hohe Preise verhindern dies: Die Patienten können die Behandlung nicht bezahlen, Aids-Programme geraten in Finanzierungsschwierigkeiten. Die zunehmende Globalisierung des Patentrechts verschärft das Problem der Medikamentenpreise. Inzwischen ist allgemein anerkannt, dass das Patentsystem nicht dazu geeignet ist, das Problem fehlender Forschung und Entwicklung für vernachlässigte Krankheiten zu lösen. Die Kampagne unterstützt deshalb verschiedene Bemühungen, innovative Finanzierungskonzepte für Medikamentenforschung und -produktion zu entwickeln. (s.u. - IGWG-Prozess)

* BERICHT ZUR PREISENTWICKLUNG ANTIRETROVIRALER MEDIKAMENTE ERSCHIENEN

Ärzte ohne Grenzen veröffentlichte im Juli dieses Jahres die 10. Auflage von "untangling the web", ein Bericht zur Preisentwicklung von antiretroviralen Medikamenten zur HIV-Behandlung. Die Kosten für Medikamente der bisher verwendeten ersten Therapielinie sind drastisch gefallen. Im Jahr 2000 lag der Preis noch bei 10.000 US$ pro Jahr und Patient, heute kostet die Therapie aufgrund von Wettbewerb zwischen Generikaherstellern nur noch 99 US$ pro Jahr und Patient. Hauptproduzent dieser Nachahmerpräparate ist Indien. Allerdings empfielt die WHO nun ein verbessertes Medikament für die Erstbehandlung. Eine Tenofovir-basierte Therapie hat deutlich weniger Nebenwirkungen als der bisherige Standard, kostet jedoch aufgrund der unklaren Patentsituation noch das fünffache. Damit ist Tenofovir für Patienten in Entwicklungsländern kaum zu bezahlen.

Noch größer ist das Problem bei Medikamenten der zweiten Behandlungslinie, die Patienten dann erhalten, wenn sie Resistenzen gegenüber den Anfangspräparaten entwickelt haben. Die generische Massen-Produktion dieser neueren Medikamente kommt nicht richtig in Gang, da in Indien über entsprechende Patentanträge der großen Pharmafirmen noch nicht entschieden ist. Generischer Wettbewerb findet damit nicht statt, die Preise bleiben hoch. In ein paar Jahren werden viele Menschen auf diese Medikamente angewiesen sein. Damit diese Menschen dann weiterhin behandelt werden können, muss der Preis für Medikamente der zweiten Behandlungslinie stark fallen.

Für die nächsten Monate steht in Indien die Entscheidung über Patente für Tenofovir und verschiedene Medikamente der zweiten Behandlungslinie an. - Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Einsprüche indischer Bürgerrechts- und Patientengruppen, die gegen die Patentanträge protestierten.

Mehr Infos zu Patentrechtsstreitigkeiten und Hintergrundinfos zur indischen Generikaproduktion finden Sie auf unserer Website

 

* GLOBAL FUND STOCKT MITTEL AUF FÜR DEN KAMPF GEGEN HIV/AIDS,TUBERKULOSE UND MALARIA

Problem zu hoher Medikamentenpreise wird kaum berücksichtigt

Auf der zweiten Geldgeberkonferenz für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria versprach die deutsche Regierung Ende September in Berlin 600 Millionen Euro, die in den kommenden drei Jahren für den Kampf gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria verwendet werden können. Insgesamt wurden für den Zeitraum 2008 bis 2010 von den Geberländern fast 10 Milliarden Dollar zugesagt. Das liegt weit hinter den Forderungen des deutschen Aktionsbündnisses gegen Aids, bei dem Ärzte ohne Grenzen Mitglied ist. Um die drei Krankheiten effektiv bekämpfen zu können, sind den Berechnungen zufolge 18 Milliarden Dollar für die nächsten drei Jahre notwendig. Dennoch ist es ein Teilerfolg, dass die deutsche Regierung eine Erhöhung der Mittel ankündigt.

Ärzte ohne Grenzen machte im Rahmen eines Zivilgesellschaftsforums des Aktionsbündnisses gegen Aids auf das Problem der zu hohen Medikamentenpreise für die zweite Behandlungslinie von HIV-Medikamenten aufmerksam.

Ergebnisse des Civil Society Forums des Aktionsbündnisses gegen Aids: http://www.aids-kampagne.de

* WHO-ARBEITSGRUPPE SUCHT LÖSUNGEN FÜR ENTWICKLUNG VON NEUEN MEDIZINISCHEN PRODUKTEN

Zwei Millionen Menschen sterben jährlich an Tuberkulose. Hauptsächlich geschieht das in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und in Afrika, dort tritt Tuberkulose häufig als opportunistische Infektion bei HIV/Aids auf. Dass Tuberkulose heute noch so ein gravierendes Problem in vielen Teilen der Erde ist liegt daran, dass sowohl Diagnose- als auch Therapiemöglichkeiten völlig unzureichend sind. Die Therapie dauert zwischen sechs und acht Monaten, die zur Verfügung stehenden Medikamente sind Jahrzehnte alt. Die Behandlung ist eine enorme Belastung für die Patienten, sie dürfen nicht mit ihren Kindern spielen oder ihre Lebenspartner berühren. Häufig entwickeln Patienten, ähnlich wie bei HIV-Medikamenten, Resistenzen gegen die Therapie. Für diese so genannte MDR-TB (multi-drug-resistant tuberculosis) sind bis zu 24 Monate Behandlung notwendig, die häufig mit starken Nebenwirkungen einher geht.

Tuberkulose ist eine Armutskrankheit, ihre Übertragung wird gefördert durch schlechte hygienische Bedingungen. Es gibt keinen Anreiz für Pharmafirmen, einen neuen Wirkstoff gegen Tuberkulose zu entwickeln, da die Patienten das Medikament höchstwahrscheinlich gar nicht bezahlen könnten.

Ärzte ohne Grenzen ist der Meinung, dass viel zu wenig Forschung für Diagnostik und Behandlung geschieht und stößt auf offene Ohren der Weltgesundheitsorganisation.

Die WHO hat erkannt, dass gerade für Krankheiten, die häufig arme Menschen betreffen oder nicht so häufig vorkommen, neue Mechanismen notwendig sind, um Forschung und Entwicklung zu stimulieren. Sie setzte eine Arbeitsgruppe aus Regierungsvertretern zahlreicher Länder ein. Deren Aufgabe ist es, einen Aktionsplan zu entwickeln, der sicherstellen soll, dass neue medizinische Produkte entwickelt werden und die existierenden bezahlt werden können.

Die Arbeitsgruppe (IGWG) tagte im November in Genf und wird sich wieder Anfang 2008 treffen. Ein wichtiges Ergebnis ist das klare Bekenntnis zum TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation, in dem Mechanismen für Zwangslizenzen zur Produktion von Medikamenten zum Schutze der öffentlichen Gesundheit geregelt sind.

Mehr Infos zu Tuberkulose und IGWG finden Sie auf unserer Website.

* Ärzte ohne Grenzen STARTET ERNÄHRUNGSKAMPAGNE

Derzeit leiden 20 Millionen Kinder unter 5 Jahren weltweit an schwerer akuter Mangelernährung - Fünf Millionen Kinder sterben jährlich an dessen Folgen. Grund genug für Ärzte ohne Grenzen, dieses Problem als medizinischen Notfall zu behandeln und eine breite Ernährungskampagne zu starten. Mit einer therapeutischen Fertignahrung, basierend auf Erdnuss-Milchpaste mit zugeführten Mineralien und notwendigen Nährstoffen kann das Problem angegangen werden. Die Fertignahrung ist speziell für kleine Kinder geeignet; denn sie ist leichter zu dosieren und muss nicht extra zubereitet werden, kann dementsprechend sofort angewendet werden. Zudem enthält sie alle notwendigen Nährstoffe, was ein großer Vorteil gegenüber den herkömmlichen Nahrungsmittelhilfen ist. Die Erfolge, die Ärzte ohne Grenzen mit therapeutischer Fertignahrung in den Projekten erzielt hat, sind großartig. Vorteil der Behandlung ist, dass sie ambulant erfolgen kann, wenn es keine Komplikationen bei den Kindern gibt.

Das Welternährungsprogramm (WFP) und andere Organisationen haben bereits anerkannt, dass therapeutische Fertignahrung wesentlich besser zur Behandlung schwer mangelernährter Kinder geeignet ist als herkömmliche Produkte. Diese Erkenntnisse müssen nun allerdings in entsprechende Programme umgesetzt werden. Um die am meisten betroffenen Kinder mit therapeutischer Nahrung zu erreichen, sind weltweit Gelder in Höhe von 750 Millionen Euro nötig. Weiterhin fordert Ärzte ohne Grenzen, dass mehr Forschung für neue Produkte betrieben wird, damit die Fertignahrung noch besser an verschiedene Patientengruppen angepasst werden kann.

Die Auftaktpressemitteilung der Ernährungskampagne (mit weiteren Links) finden Sie auf unserer Website.

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Ärzte ohne Grenzen e.V.
Kampagne für den Zugang zu Lebenswichtigen Medikamenten
Am Köllnischen Park 1,
10179 Berlin
medikamentenkampagne@aerzte-ohne-grenzen.de
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/medikamentenkampagne
http://www.accessmed-msf.org

Zum Austragen aus diesem Newsletter bitte auf
http://listen.aerzte-ohne-grenzen.de/mailman/listinfo/access-info