Tschad

Bei Hirnhautentzündung ist eine vorbeugende Impfung entscheidend

Ein neuer Impfstoff schützt zehn Jahre lang gegen die gefährliche Hirnhautentzündung.

Im Dezember 2011 koordinierte die Krankenschwester Marja Scholten im Tschad eine Impfkampagne. Mit einem Team von 300 Mitarbeitern sorgte sie dafür, dass fast 110.000 Menschen gegen Hirnhautentzündung (Meningitis) geimpft wurden. Die Krankheit tritt besonders häufig im sogenannten "Meningitis-Gürtel" auf, einer Region, die in Afrika südlich der Sahara liegt und auch den Tschad einschließt. An ihr sterben jedes Jahr viele Menschen. Marja Scholten erzählt von den Herausforderungen diese vorbeugenden Impfung für so viele Menschen durchzuführen.

Einen Monat zuvor war ich bereits im Mandelia-Distrikt im Tschad gewesen. Damals hatte ich dabei geholfen, eine Cholera-Epidemie zu verhindern. Diesmal würden wir präventiv eine Impfkampagne gegen Meningitis A durchführen, und zwar mit dem neuen Impfstoff MenAfriVac, der einen weit längeren Schutz als andere Impfstoffe bietet - nämlich zehn anstelle von zwei oder drei Jahren. Zum ersten Mal waren wir in eine präventive Kampagne involviert. Gewöhnlich beginnen wir zu impfen, sobald eine Krankheit ausgebrochen ist, aber bei dieser Erkrankung ist die Prävention entscheidend. Das Training wurde unter Einbeziehung aller Leiter der Gesundheitszentren in der Region geplant.

Entlegene Orte sind nur mit dem Boot erreichbar

Der Distrikt Mandelia liegt eine Stunde entfernt von der Hauptstadt N'Djamena. Er ist in 18 Zonen aufgeteilt, von denen 16 ein Gesundheitszentrum besitzen, das umfassende medizinische Versorgung anbietet: Untersuchungen, Geburtshilfe und Impfungen. In den Gesundheitszentrum arbeiten jeweils eine Krankenschwester oder ein Krankenpfleger, unterstützt von einigen Assistenten, die die wichtigsten medizinischen Grundkenntnisse besitzen. Ich freute mich sehr, alle wiederzusehen, mit denen ich während des Cholera-Ausbruchs so eng zusammengearbeitet hatte. Ich bewundere diese Krankenschwestern und Krankenpfleger, die so hart arbeiten und für alle Gesundheitsprobleme ihrer Patienten zuständig sind. Sie alle waren sehr froh über das Training, das wir ihnen während des Cholera-Ausbruchs anbieten konnten. Nach der Regenzeit ist die Region aber sehr viel schwerer zu erreichen, und unsere erste Sorge war, wie wir den Impfstoff in die entlegenen Orte bekommen können. Ein großes Gebiet ist nur mit einer Piroge erreichbar, einer Art flachem Ruderboot. Zusammen mit dem Logistikteam unternahmen wir eine Erkundungsfahrt um herauszufinden, ob wir den Impfstoff per Boot über den Fluss transportieren können.

Trainings für rund 50 Krankenpfleger- und schwestern

Währenddessen war das medizinische Team damit beschäftigt, Trainings für die etwa 50 Krankenschwestern und Krankenpfleger vorzubereiten, die wir für die Impfkampagne brauchten. Die Vorbereitungen verliefen nach Plan - anders als die Zeitplanung für die Impfkampagne. Die Landrätin unterstützte uns zwar enorm, doch sie musste sich an die ministeriellen Regelungen halten. Das führte zu Verspätungen und Enttäuschungen. Zum Glück war drei Tage, bevor die Kampagne starten sollte, dann doch alles geregelt. Wir erhielten eine Ankündigung des Präsidenten, dass er die Kampagne offiziell am 11. Dezember eröffnen würde. Später besuchte der Gesundheitsminister die Impfkampagne, und wir schafften es sogar in die Acht-Uhr-Nachrichten.

Arbeiten von morgens um sechs bis abends um zehn Uhr

Als wir dann loslegen konnten, lief alles gut und wir machten täglich Anpassungen, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Wir arbeiteten elf Tage lang von morgens um sechs bis abends um zehn Uhr. In unserer freien Zeit besuchten wir so viele öffentliche Orte wie möglich. Gegen Ende der Kampagne gingen wir sogar von Tür zu Tür, um sicherzustellen, dass wirklich jeder geimpft worden war. Wir waren alle sehr motiviert, und es herrschte eine sehr gute Arbeitsatmosphäre.

Rund 300 Personen arbeiteten in der Kampagne, wir impften mehr als 108.500 Menschen im Alter von einem Jahr bis 30 Jahren. Damit haben wir 91 Prozent unserer Zielgruppe erreicht. Wir haben keinerlei Nebeneffekte bei den Impfungen beobachtet und konnten so am Ende auf eine erfolgreiche Kampagne zurückblicken.