Niger

Als "Arzt ohne Grenzen" in den Krisengebieten der Welt

Christoph Hasselbach

Essen. Christoph von Hasselbach arbeitet für "Ärzte ohne Grenzen". Zuletzt war Unfallchirurg aus Düsseldorf im Nigerdelta im Einsatz. "Ein menschlicher Härtetest", sagt der Unfallchirurg. Dem nächsten Job fiebert er dennoch schon wieder entgegen.

Zwei-Millionen-Slum

"Port Harcourt ist eine Zusammenballung von Wellblechhütten - ein Zwei-Millionen-Slum voller Müll, Gestank und Rauch. Die Verkehrsverhältnisse sind chaotisch, Hunderttausende von Leichtmotorrädern sind unterwegs", erzählt von Hasselbach. "Es ist die reine Hölle."

Gelegen in der riesigen Flusslandschaft des Nigerdeltas, wird die Stadt vor allem durch den seit Jahren schwelenden Kampf um die Öl-Ressourcen sowie Umweltkatastrophen geprägt. "Es gibt ein unübersichtliches Geflecht rivalisierender Gruppen, die Unruhe und Gewalt verbreiten", so von Hasselbach. "Schussverletzungen, sowie abgeschlagene Arme und Beine gehören zum Alltag."

Seit 1996 arbeitet die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" in Nigeria, seit 2005 gibt es das Traumazentrum im Teme-Hospital in Port Harcourt. Ziel ist, kostenlose medizinische und psychologische Hilfe anzubieten. "Die Menschen - allesamt Opfer von Unfällen und Gewalttaten - warten in langen Schlangen vor dem Krankenhaus", erzählt von Hasselbach. "Allerdings gibt es keine Krankenversicherung. Auch wer fast verblutet, muss erst bezahlen, bevor er versorgt wird."

 

"Man bekommt persönlich so viel zurück, wenn man hilft"

Im Team mit einem Chirurgen aus Chicago und einem Anästhesisten aus Stockholm führte von Hasselbach in den sechs Wochen seines Einsatzes rund 290 Operationen durch - operierte an sieben Tagen in der Woche durchweg rund zwölf bis 14 Stunden. "Das ist ein menschlicher Härtetest", resümiert von Hasselbach. "Aber die wunderbare Zusammenarbeit mit den nigerianischen Kollegen und die Mentalität der Menschen, die trotz ihres Elends so oft lachen, waren einzigartig."

Die Wurzeln für Christoph von Hasselbachs sozialem Engagement finden sich in seiner Kindheit. "Meine Mutter war Kriegerwitwe und musste drei Kinder durchbringen", erzählt der 67-Jährige. "Sie hatte es bestimmt nicht leicht, aber dennoch lud sie beispielsweise Leute aus dem Gefängnis ein, die mit uns Weihnachten feierten, kümmerte sich um Alleinstehende und Arme."

Als Student engagierte sich von Hasselbach für die Aktion "Sühnezeichen" in der Bretagne und in Belgien, in den 80er Jahren war er mit "Ärzte für die 3. Welt" in den Slums von Manila und half afghanischen Kriegsversehrten über das Friedensdorf Oberhausen. "Man bekommt persönlich so viel zurück, wenn man hilft", sagt von Hasselbach. "Natürlich ist meine Motivation auch auf den persönlichen Benefit gerichtet."

Ärzte ohne Grenzen ist kein Ziel für Gewalttäter

Seinem Einsatz für "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) ging ein sorgfältiges und intensives Bewerbungsverfahren voraus. Angst in den Brennpunkten der Welt zu arbeiten, hat der Unfallchirurg aus Düsseldorf nicht. "Warum soll ich nicht helfen, wenn ich kann", sagt von Hasselbach. "Zudem geht sonst die Spannung verloren." Außerdem habe er sich bei seinem Einsatz in Port Harcourt nicht persönlich bedroht gefühlt. "Natürlich hört man nachts Schusswechsel, aber MSF ist kein Ziel der Gewalt", so von Hasselbach.

Ehefrau Iskar begegnet dem Engagement ihres Mannes jedoch mit gemischten Gefühlen. "Wir waren halt noch nie länger als eine Woche voneinander getrennt", schmunzelt von Hasselbach. Und kaum zu Hause wartet er schon auf seinen nächsten Einsatz für MSF, der wohl im Frühjahr sein wird. Ein Wunschziel hat der engagierte Arzt allerdings nicht. "Ich gehe dahin, wo ich gebraucht werde."