Somalia

Ärzte ohne Grenzen versorgt Verletzte nach Kämpfen in Mogadischu

Mit der zunehmenden Gewalt in Somalias Hauptstadt Mogadischu ist die Anzahl der Zivilisten, die seit vergangenem Freitag mit Verletzungen in ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen aufgenommen wurden, stark angestiegen. Das Krankenhaus liegt in Daynile an den Ausläufern von Mogadischu. Von den 65 Patienten, die seit Freitag in die Notaufnahme aufgenommen wurden, litten 53 an schweren kriegsbedingten Verletzungen, darunter Schusswunden und Verletzungen durch Explosionen von Mörsergranaten. Patienten mit Unterleibs-, Brust- und Kopfwunden benötigten sofortige chirurgische Eingriffe.

Unter den Verwundeten waren 13 Frauen und 12 Kinder unter 16 Jahren. Der Anstieg der Aufnahmen in das Krankenhaus steht in Zusammenhang mit zunehmenden Kämpfen in dicht besiedelten Wohngebieten Mogadischus. Im Juli und August war die Zahl der Aufnahmen in Daynile relativ zurück gegangen.

Die Mitarbeiter haben im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Daynile seit Anfang 2008 mehr als 3.700 Menschen behandelt, die an traumatischen Verletzungen litten. Mehr als die Hälfte davon waren Frauen und Kinder unter 14 Jahren. Rund 50 Prozent der Patienten wurden wegen kriegsbedingter Wunden behandelt.

Klink aufgrund von Sicherheitsrisiken geschlossen

Erst Anfang September war Ärzte ohne Grenzen infolge zunehmender Gewalt gezwungen worden, die medizinischen Aktivitäten in einer anderen Klinik in Mogadischu zu beenden. Die Auseinandersetzungen hatten zu untragbaren Sicherheitsrisiken für Patienten und Mitarbeiter geführt. In der Klinik in der Wardigley/Hodan Region wurden Kinder unter zwölf Jahren und schwangere Frauen versorgt. Die Schließung folgte auf eine Verschlechterung der Sicherungslage in der Umgebung der Klinik. Ärzte ohne Grenzen unterhält jedoch weitere Programme in und um Mogadischu sowie in Zentral- und Süd-Somalia.

"Trotz enormer medizinischer Bedürfnisse: Der Anstieg der Gewalt in der Region hat zu einem untragbaren Risiko für unsere Patienten und unsere Mitarbeiter geführt", sagte
Marcel Langenbach, Leiter des Nothilfe-Teams von Ärzte ohne Grenzen in Amsterdam.
"Die Kämpfe um die Klinik herum haben deutlich zugenommen. Mehrere Mörser sind in der Nähe der Klinik eingeschlagen. Kürzlich ist sogar eine Panzerabwehrrakete in das Dachgeschoss unseres Gebäudes eingedrungen, ist aber glücklicherweise nicht explodiert", berichtete Marcel Langenbach weiter.

Großer Bedarf nach medizinischer Hilfe

Vor der Schließung hatten die Mitarbeiter am Tag durchschnittlich 300 ambulante Konsultationen durchgeführt und auf einer regelmäßigen Basis etwa 35 stationäre Patienten versorgt. Von Januar bis Juni 2008 führte Ärzte ohne Grenzen 33.206 ambulante Konsultationen durch, hauptsächlich bei Patienten mit Atem- und Harnwegsinfekten und akutem Durchfall. Mehr als 4.000 Frauen erhielten pränatale Vorsorge und 637 Menschen wurden in die stationäre Abteilung überwiesen. Die Zahlen sprechen für sich selbst und der Bedarf der Menschen nach Hilfe ist deutlich. Jedoch ist es unmöglich, unter den derzeitigen Umständen weiter zu arbeiten.

Trotz der Schließung bietet Ärzte ohne Grenzen weiterhin grundlegende Gesundheitshilfe für die somalische Bevölkerung in Mogadischu und im Zentrum und Süden Somalias an. Weiterhin versucht die Organisation trotz der steigenden Unsicherheit neue Wege zu finden, die Menschen Somalias mit der dringend benötigten medizinischen Hilfe zu versorgen. Um das zu erreichen, ist es zwingend notwendig, dass alle Parteien die Neutralität und Unabhängigkeit von Ärzte ohne Grenzen respektieren.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit mehr als 17 Jahren in Somalia. Derzeit leitet die Organisation 11 Projekte in neun Regionen im Süden und Zentrum Somalias.