Pakistan

Ärzte ohne Grenzen stellt täglich 540.000 Liter Trinkwasser bereit - Bisher mehr als 16.500 Patienten versorgt

Ärzte ohne Grenzen weitet die Verteilung von Trinkwasser in verschiedenen betroffenen Regionen weiter aus.

Mehr als vier Wochen nach Beginn des Hilfseinsatzes für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan baut Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in den betroffenen Gebieten weiter aus. Gleichzeitig weiten die Teams ihren Aktionsradius auf die Orte aus, in denen Tausende Menschen von den Fluten eingeschlossen sind.

Ärzte ohne Grenzen weitet die Verteilung von sauberem Wasser in den größten Städten und abgelegenen Dörfern der Distrikte Charssada, Swat, Nowshera, Lower Dir und Dargai in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa aus, um dem Ausbruch von Erkrankungen durch verunreinigtes Wasser so gering wie möglich zu halten.

Ärzte ohne Grenzen stellt täglich mehr als 540.000 Liter sauberes Wasser mittels Lastwagen, Tanks, Wasserhähnen und Haus zu Haus Verteilungen im ganzen Land bereit. Die Hilfsorganisation verteilt auch Kanister an Familien, die keine Wasserbehälter haben. Zudem hilft Ärzte ohne Grenzen den lokalen Behörden bei den Aufräumarbeiten und der Instandsetzung von verunreinigten Brunnen.

"Es ist beunruhigend, dass einige Familien begonnen haben, ihre Trinkwasserquellen wieder zu benutzen. Denn das verunreinigte Wasser kann zu Erkrankungen führen. Wir werden weiterhin sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen, bis wir sicher sind, dass das Wasser gut genug für den täglichen Gebrauch ist", erklärt Muhammad Shakeel, Mitarbeiter des Wasser- und Sanitärteams von Ärzte ohne Grenzen in Nowshera.

Lebensnotwendige Gesundheitsaufklärung

Während ihrer Hilfsgüterverteilungen klären Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen die Menschen über die Gesundheitsrisiken und die Nutzung von Wasserreinigungstabletten auf. Die Hilfspakete enthalten 20 Reinigungstabletten, die sauberes Wasser für eine siebenköpfige Familie für einen Zeitraum von zwei Wochen sicherstellen.

In Dera Murad Jamali, in der Provinz Belutschistan, beobachtete Ärzte ohne Grenzen neben den mangelhaften hygienischen Bedingungen eine Zunahme der Mangelernährung. Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit mehr als 300 schwer mangelernährte Kinder unter fünf Jahren in ihrem Notfall-Ernährungsprogramm und integriert das Thema Ernährung in die Gesundheitsaufklärung.

Seit Anfang August hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 16.500 Konsultationen in verschiedenen Regionen Pakistans durchgeführt - die Hälfte davon mit vierzehn mobilen Kliniken in Dera Murad Jamali, Khabula, Sobhatpur, Malakand, Swat, Lower Dir, Charsadda, Sukkur und Peshawar.

Aufgrund der zunehmenden Patientenzahlen mit akuten Durchfallserkrankungen hat Ärzte ohne Grenzen sechs spezielle Behandlungszentren in Swat, Lower Dir, Malakand, Hangu, Kot Addu und Dera Murad Jamali eingerichtet. Außerdem wurden das Personal und die logistischen Kapazitäten zur Behandlung von Krankheiten wie Cholera massiv aufgestockt.

Im Distrikt Swat in der Region Khyber Pakhtunkhwa wurde eine Isolierstation mit 20 Betten im Krankenhaus von Mingora eingerichtet. In Dera Murad Jamali haben Teams von Ärzte ohne Grenzen ein 20-Betten Behandlungszentrum eingerichtet, um dem massiven Zustrom von Patienten aus den benachbarten, noch immer überfluteten Distrikten gerecht zu werden. In Kot Addu, Punjab, hat Ärzte ohne Grenzen ein bestehendes Behandlungszentrum mit 30 Betten um 70 weitere aufgestockt.

In den vergangenen Wochen haben die Einsatzteams etwa 1.600 Fälle akuter Durchfallerkrankungen behandelt.

Hilfsgüterverteilungen werden fortgesetzt

Unter der drohenden Gefahr neuer Fluten setzt Ärzte ohne Grenzen die Verteilung von Gütern des täglichen Bedarfs fort, um einen minimalen Lebensstandard zu garantieren und der Ausbreitung von Krankheiten vorzubeugen. In Belutschistan und Khyber Pakhtunkhwa haben die Teams bereits 14.675 Pakete mit Hilfsgütern und mehr als 4.800 Zelte an Betroffene verteilt. Typische Hilfsgüter sind Eimer, Seifen, Zahnbürsten, Kanister, Hygieneartikel, Handtücher, Kochutensilien, Plastikplanen, Zelte, Matratzen sowie Tabletten zur Wasserreinigung. Für die kommenden Tage sind weitere Verteilungen geplant.

In Belutschistan und dem nördlichen Sindh hat der steigende Pegelstand des Flusses Indus 90 Prozent der Menschen in Gegenden wie Usta Muhammad, Dera Allar Yar und Ganakha dazu gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Im Süden von Kashmor und Sindh mussten Familien auf Hügel oder kleine Erhebungen fliehen - etwa auf Bahngleise oder Straßendämme.

In Sukkur im nördlichen Sindh hat Ärzte ohne Grenzen mit der Verteilung von Hilfsgütern begonnen und drei neue mobile Kliniken gestartet. Die mobilen Teams begegnen dabei immer wieder Gruppen von bis zu Tausend Menschen mit dringenden medizinischen Bedürfnissen; unter ihnen sind vor allem Kinder. Ärzte ohne Grenzen unterstützt eine Kinderstation mit 30 Betten für Kinder unter fünf Jahren in Sukkur.

Erkundungen werden fortgesetzt

Im südlichen Sindh hat Ärzte ohne Grenzen in Hyderabad einen neuen Stützpunkt eingerichtet, um die Hilfe in der Region zu koordinieren. Erkundungsteams setzen ihre Arbeit in Khyber Pakhtunkhwa, Punjab, Sindh und Balutschistan fort.

Derzeit sind mehr als 110 internationale Mitarbeiter gemeinsam mit 1.200 pakistanischen Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen in Pakistan im Einsatz.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1988 medizinische Hilfe für die lokale Bevölkerung und afghanische Flüchtlinge in Pakistan. Ärzte ohne Grenzen nimmt für die Arbeit in Pakistan keine öffentlichen Gelder an und finanziert die Hilfsprogramme nur aus privaten Spenden.