Burkina Faso

Ärzte ohne Grenzen im Kampf gegen schwere Masernepidemie

Jedes Jahr sterben weltweit mehr als eine Million Kinder an Masern - die meisten von ihnen in ärmeren Ländern.

Burkina Faso steht im Moment der größten Masernepidemie der letzten Jahrzehnte gegenüber. Das Gesundheitsministerium spricht von 45.000 erkrankten Patienten seit Beginn des Jahres, von denen 300 gestorben sind. Die meisten unter ihnen waren Kinder unter fünf Jahren. 2.600 neue Patienten werden noch immer jede Woche im ganzen Land registriert, obwohl das Hoch der Epidemie bereits überschritten ist.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit März in fünf staatlichen Gesundheitszentren in der Landeshauptstadt Ouagadougou medizinische Hilfe. Seit Anfang Mai behandeln die Teams in drei weiteren Distrikten im Osten des Landes Patienten, die an Masern erkrankt sind. Die Organisation unterstützt darüber hinaus Gesundheitszentren des Gesundheitsministeriums mit Medikamenten.

„Wir behandeln in unseren Gesundheitszentren jede Woche nahezu 850 neue Patienten“, sagte Francois Giddey, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Burkina Faso. „In anderen Gesundheitseinrichtungen ist die Masernbehandlung nicht immer kostenlos. Für viele Menschen bedeutet es, dass sie keinen Zugang zu angemessener Behandlung haben. Wir sind in großer Sorge, dass viele Menschen gar nicht erst zu den Gesundheitszentren kommen - aus Angst, sie müssten für die Behandlung bezahlen.

Schätzungen besagen, dass ungefähr zehn Prozent der Maserninfizierten sterben, wenn sie nicht behandelt werden. Jedes Jahr sterben weltweit mehr als 200.000 Menschen an Masern, die meisten von ihnen sind Kinder in den einkommensschwachen Ländern. Masern ist eine bekannte Krankheit für die es einen effektiven Impfstoff gibt.

„Wären die Menschen bereits vor zwei Monaten geimpft worden, hätte man viele Tote vermeiden können“, erklärte Francois Giddey.

Ärzte ohne Grenzen hat aufgrund der schnell ansteigenden Zahl der Masernfälle im März ein Nothilfeteam mobilisiert. Die Mitarbeiter waren vorbereitet, in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium in fünf Distrikten von Ouagadougou Impfungen durchzuführen. Die betroffene Bevölkerung wird in der Region auf 1,4 Millionen Menschen geschätzt. Der Vorschlag von Ärzte ohne Grenzen wurde allerdings abgelehnt. Trotz der bekannten Masernfälle hat es bis heute keine Impfkampagne gegeben.

„Nach vielen Diskussionen der Behörden mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Geldgebern, wurde die Impfkampagne nun für Anfang Juni angekündigt. Es ist egal, wer die Impfkampagne durchführt. Hauptsache ist, dass sie so schnell wie möglich beginnt“, so Giddy.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1995 in Burkina Faso. Derzeit führt die Organisation Ernährungs- und HIV/Aids-Programme durch. 5.000 HIV/Aids Patienten werden in Ouagadougou behandelt. 4.000 von ihnen bekommen antiretrovirale Medikamente. Die im Jahr 2005 gestarteten medizinischen und psychologischen Programme für Straßenkinder wurden vor kurzen an eine lokale Organisation übergeben.