Simbabwe

Abwasserprobleme führen zu Cholera-Ausbruch

In Chitungwiza, Simbabwe, reagiert Ärzte ohne Grenzen derzeit auf einen Cholera-Ausbruch. Anfang September waren die ersten Fälle bekannt geworden. Mittlerweile ist die Zahl der täglich neu aufgenommenen Patienten in den Behandlungszentren von bis zu zehn auf unter fünf gesunken.

Die Stadt Chitungwiza entstand in den achtziger Jahren als Sammelbecken für Menschen, die in der Hauptstadt Harare keinen Lebensraum fanden. Heute zählt sie rund 1,1 Millionen Einwohner. Aus Geldmangel kann Chitungwiza seine öffentlichen Leistungen nicht aufrecht erhalten: Seit Ende 2007 haben die Bewohner beispielsweise häufig kein fließendes Wasser. Die Folgen sind ein Mangel an sauberem Trinkwasser und die Verstopfung von Abwasserrohren, wodurch diese brechen. Chitungwiza ist nur eines der Beispiele für die Verschlechterung der Infrastruktur in Simbabwe in den vergangenen fünf Jahren.

Da die Wasserversorgung in den letzten drei Monate immer wieder unterbrochen wurde, waren die Bewohner mancher Bezirke gezwungen, Brunnen zu graben. Zudem mussten viele ihre Notdurft auf den umliegenden Feldern verrichten, da die Toilettenspülungen nicht funktionierten und der Bau alternativer Einrichtungen, wie etwa Latrinen, untersagt ist. Die Kombination aus verschmutzten Brunnen und gebrochenen Abwasserrohren bietet der Cholera einen fast idealen Brutplatz.

Die Krankheit wird durch Trinkwasser übertragen und die Erreger entwickeln sich in unhygienischer Umgebung. In den ländlichen Gebieten Simbabwes ist Cholera während der Regenzeiten zwischen November und März endemisch. Erwartungsgemäß wird der bevorstehende Regen die Situation daher weiter verschlechtern: Er wird die stehenden Abwässer in die ungeschützten Brunnen spülen.

Bis zu 5.000 Menschen könnten sich anstecken

Die ersten Cholerafälle gab es im Krankenhaus von Chitungwiza Anfang September. Seither sind laut Gesundheitsministerium neun Menschen an der schweren Durchfallerkrankung gestorben. Der Großteil der Erkrankten kommt aus ein und derselben Straße der Stadt. In ihr stehen etwa 100 Häuser mit jeweils mindestens drei Familien. Das bedeutet, dass zwischen 2.000 und 5.000 Menschen in Gefahr sind, sich mit der Infektionskrankheit anzustecken.

Das Gesundheitsministerium hat gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen zwei Cholerabehandlungszentren aufgebaut. Eines ist im Chitungwiza Krankenhaus untergebracht, das andere befindet sich näher an der betroffenen Gemeinde. Gleichzeitig wurde mit der Versorgung der Bewohner mit sauberem Trinkwasser begonnen.

Schlechte hygienische Bedingungen führen häufig zu Durchfällen

Täglich kommen rund 200 Menschen mit Verdacht auf Cholera in die Zentren. Hohe HIV/Aids-Raten und die generell schlechten hygienischen Bedingungen führen bei vielen Bewohnern zu Durchfällen. Aufgenommen wurden zunächst acht bis zehn Cholerapatienten pro Tag. Inzwischen ist die Zahl auf unter fünf gesunken. Mobile Teams von Ärzte ohne Grenzen kümmern sich außerdem darum, die betroffene Gemeinde auf die Krankheit aufmerksam zu machen und die Epidemie einzudämmen.

Die Teams suchen aktiv nach Erkrankten und arbeiten dabei eng mit den zuständigen Behörden zusammen. So nehmen sie etwa an Beerdigungen teil und verfolgen Verbindungen zu bereits bekannten Fällen. Für das Eindämmen der Ansteckungsrate sind zudem Desinfektionsteams sehr wichtig. Sie desinfizieren die Haushalte und Küchenutensilien der Erkrankten mit Chlor, um die Ansteckungsgefahr für die Familienmitglieder zu reduzieren.

Das städtische Abwasserproblem muss gelöst werden

Bevor die Regenzeit im November anfängt, muss nun der Zugang zu ausreichend sauberem Trinkwasser und eine Lösung des städtischen Abwasserproblems gefunden werden. Ärzte ohne Grenzen sucht gemeinsam mit den Behörden und anderen Akteuren nach mittel- und langfristigen Lösungen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 2000 in Simbabwe und kümmerte sich dort zunächst um den Nahrungsmittelmangel. Als Reaktion auf die HIV/Aids-Krise hat die Organisation in den vergangenen Jahre in den Orten Epworth, Gweru, Bulawayo, Tsholotsho, Buhera und Beitbridge Projekte mit HIV-Fokus gestartet. Die Projekte sind in die Gesundheitsstrukturen Simbabwes integriert und bieten mehr als 40.000 HIV positiven Patienten medizinische Versorgung. Etwa 22.000 der Patienten erhalten eine antiretrovirale Therapie (ARV). Die Teams von Ärzte ohne Grenzen behandeln zudem Tuberkulose und Mangelernährung und reagieren auf Notsituationen, wie die Cholera-Ausbrüche in den Jahren 2006 und 2008 und einem Ausbruch von Durchfall im Jahr 2007. Zuletzt reagierten die Teams im Frühjahr 2008 auf einen Cholera-Ausbruch in Mashonaland im Nordosten der Hauptstadt Harare.