Sri Lanka

250.000 Zivilisten inmitten schwerer Kämpfe gefangen

Ärzte ohne Grenzen ist sehr besorgt über die Sicherheit von schätzungsweise 250.000 Menschen, die sich inmitten der Kampfhandlungen im Distrikt Vanni befinden und dort festsitzen. Während der vergangenen Tage wurden Berichten zufolge bei der Zurückdrängung der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) durch eine Militäroffensive der sri-lankischen Armee Hunderte Menschen verletzt oder getötet. Ärzte ohne Grenzen fordert von den Konfliktparteien Zugang zu der Region, um der Zivilbevölkerung Hilfe leisten zu können, und bereitet sich in der angrenzenden Region Vavuniya auf einen Ansturm von Vertriebenen vor.

Ärzte ohne Grenzen hat Berichte aus Vanni erhalten, deren Aussagen zufolge die Situation der Zivilbevölkerung dort dramatisch ist. Krankenhäuser versuchen mit dem Ansturm an Verletzten so gut wie möglich fertig zu werden, doch gibt es Engpässe bei Medikamenten und Personal. Rettungswägen haben Schwierigkeiten, sich zwischen den Frontlinien zu bewegen, um Verwundete zu evakuieren. Ärzte ohne Grenzen steht mit medizinischem Personal und Hilfsgütern bereit, darf das Gebiet jedoch seit September 2008, als die Regierung alle Nichtregierungsorganisationen sowie die Vereinten Nationen der Region verwies, nicht betreten. Dies gilt trotz wiederholter Anfragen durch Personal des sri-lankischen Gesundheitsministeriums in Vanni.

Obwohl rund 2.000 Menschen in den vergangenen Wochen aus Vanni in Richtung der relativ sicheren Region Vavuniya fliehen konnten, bleibt der Großteil der Bevölkerung in der Konfliktregion gefangen. Es ist dringend notwendig, dass beide Konfliktparteien das Recht der Zivilbevölkerung respektieren, sich in Sicherheit zu bringen.

In Vavuniya ist Ärzte ohne Grenzen mit mobilen Kliniken auf einen größeren Ansturm von Vertriebenen vorbereitet. Ein Chirurg wird bald vor Ort eintreffen, um das Krankenhaus von Vavuniya zu unterstützen.

Derzeit leistet Ärzte ohne Grenzen in Vavuniya psychologische Hilfe, unterstützt das Labor des Krankenhauses und betreibt in der Region außerdem ein ambulantes Ernährungsprogramm. Zudem arbeitet die Organisation im Krankenhaus von Point Pedro auf der Halbinsel Jaffna, an der nördlichen Spitze Sri Lankas. Die Mitarbeiter dort leisten allgemeinmedizinische, chirurgische, gynäkologische und geburtshilfliche Unterstützung und führen Trainings für Mitarbeiter des Krankenhauses durch.