Simbabwe

"Wir reagieren auch jetzt schon auf medizinische Notfälle jenseits der HIV/Aids-Versorgung" - Hilfe angesichts der Gesundheitskrise

Die Ärztin Maria Overbeck betreut als medizinische Beraterin vom Berliner Büro aus Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Simbabwe. Im engen Kontakt mit den Mitarbeitern vor Ort und während ihrer Besuche im Land erlebt sie die äußerst problematische Lebenssituation der Menschen dort. Die Bevölkerung leidet unter der wirtschaftlichen Notlage - der hohen Arbeitslosigkeit, der Inflation und Nahrungsmittelproblemen. Berichten zufolge verließen in den vergangenen Jahren drei der zwölf Millionen Simbabwer ihr Land. Im Interview berichtet Maria Overbeck, wie es ist, unter solch schwierigen Bedingungen Hilfe zu leisten.

Welche Projekte betreust du in Simbabwe?

Vom Berliner Büro aus betreuen wir zwei Projekte in Simbabwe: Eines in der Provinz Midland in Gweru im Landesinneren und ein weiteres in Epworth in einem Vorort der Hauptstadt Harare. In beiden Programmen ist unsere Hauptaktivität die Behandlung von HIV/Aids-Patienten. Ungefähr 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind mit dem HI-Virus infiziert. Die Möglichkeit von staatlicher Seite oder anderen Organisationen Hilfe zu bekommen, ist immer noch sehr stark eingeschränkt.

Wer kommt in eure Programme?

Es gibt bei einer HIV-Infektion verschiedene Stufen der Erkrankung: Teils kommen Menschen zu uns, um sich testen zu lassen, weil sie über ihren Status Bescheid wissen wollen. Vielfach genügt es, diese Patienten mit prophylaktischen Medikamenten unter Beobachtung zu halten, weil sie noch nicht so schwer erkrankt sind, dass sie schon stark unter opportunistischen Infektionen leiden oder eine lebensverlängernde antiretrovirale Therapie erhalten müssten.

Andererseits gibt es Menschen, die schon so schwer erkrankt in unser Gesundheitszentrum kommen, dass wir zügig mit einer antiretroviralen Behandlung beginnen müssen.

Angesichts der Situation im Land - mit welchen logistischen Problemen sind die Projekte konfrontiert?

Es ist außerordentlich schwierig, alles was man für solche Programme braucht, im Land zu besorgen. Die Versorgungslage in Simbabwe ist generell sehr angespannt. Viele Menschen haben große Schwierigkeiten, ihr tägliches Essen zu organisieren. Zwischenzeitlich war es auch nicht leicht, Diesel-Treibstoff für unsere Fahrzeuge zu besorgen. Gleichzeitig wurde es für unsere simbabwischen Mitarbeiter sehr anstrengend, ihre Fahrten zur Arbeit zu organisieren. Mittlerweile geht das wieder besser, aber der Weg zur Arbeit kostet sie einen großen Teil ihres Lohns.

Wie organisiert die Bevölkerung ihr Überleben?

Man kann beobachten, dass viele Menschen nicht mehr nur mit ihrer Kernfamilie zusammenleben, sondern dass Verwandte vom Land zu ihnen ziehen. Es ist immer mindestens einer in den Familien damit beschäftigt, Nahrungsmittel zu besorgen - das ist wirklich ein Vollzeitjob.

In Epworth sieht man beispielsweise, dass viele hinter dem Haus einen kleinen Garten oder ein Stück Feld haben und dort das Nötigste anbauen. Zum Teil verkaufen sie das dann auch. In diesen Vorort von Harare sind auch sehr viele Menschen aus anderen Landesteilen gekommen. Sie erhoffen sich, in der Nähe zur Stadt ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Wird Ärzte ohne Grenzen angesichts des immensen Bedarfs die Hilfe weiter ausweiten müssen?

Es gibt auch einige andere Organisationen, die medizinische Hilfe anbieten, zum Beispiel speziell für Kinder - aber es ist bei weitem noch nicht genug. Wir werden diskutieren, inwieweit es uns möglich ist, noch mehr zu machen. Wir reagieren auch jetzt schon auf medizinische Notfälle außerhalb der HIV/Aids-Versorgung, wie z.B. auf Choleraausbrüche und Unterernährung.