Südsudan

Wiederholte Angriffe auf medizinische Einrichtung von Ärzte ohne Grenzen behindern die humanitäre Hilfe

In Malakal, der Hauptstadt der Provinz Upper Nile, wurde am 16. Januar erneut Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen geplündert und Mitarbeiter bedroht. Die Organisation ist dadurch gezwungen, die Hilfe in der Stadt auszusetzen. Tausende Menschen haben nun noch größere Schwierigkeiten, dringend benötigte medizinische Versorgung zu erhalten. Erst wenige Tage zuvor waren Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen in Bentiu in der Nachbarprovinz Unity geplündert worden.

"Bewaffnete Männer  sind zweimal auf das Gelände von Ärzte ohne Grenzen in Malakal eingedrungen, wo sie geplündert und das Team körperlich bedroht haben", erklärt Arjan Hehenkamp, Geschäftsführer der Einsatzzentrale von Ärzte ohne Grenzen in Amsterdam. Ärzte ohne Grenzen verurteilt den Vorfall in Malakal im Bundesstaat Upper Nile auf das Schärfste.

20.000 Vertriebene ohne ausreichende medizinische Versorgung

"Diese Akte der Gewalt sind völlig inakzeptabel und gefährden die Einsätze von Ärzte ohne Grenzen ernsthaft" erklärt Hehenkamp. "Die Sicherheit der humanitären Helfer muss respektiert werden. Wir haben nun keine andere Wahl, als unsere Hilfsaktivitäten im Krankenhaus von Malakal vorübergehend einzustellen. Dies lässt Tausende Menschen ohne dringend benötigte chirurgische und allgemeinmedizinische Versorgung zurück, und das beunruhigt uns sehr."

Nach umfassenden Kämpfen und Plünderungen in der Stadt am Donnerstag kamen mehr als 80 Verwundete in das Krankenhaus in Malakal, zusätzlich fand sich eine große Anzahl von Menschen mit ihren Habseligkeiten im Krankenhausgelände ein, um dort Schutz zu suchen. Es gibt Berichte von hunderten Menschen, die aufgrund der zunehmenden Unsicherheit aus der Stadt geflohen sind.

Aufgrund intensiver Kämpfe in der Region hat sich die Anzahl der Vertriebenen, die in der Basis der Vereinten Nationen in Malakal Zuflucht gesucht haben, in den vergangenen Tagen auf etwa 20.000 verdoppelt. Die Gewalt hat die Teams von Ärzte ohne Grenzen davon abgehalten, diesen Vertriebenen medizinische Hilfe zu leisten. Eine dringend benötigte Impfkampagne, die für den 13. Januar geplant war, musste abgesagt werden.

Bisher 130 Verwundete versorgt

Nachdem am 13. Januar in Malakal heftige Kämpfe ausgebrochen waren, haben die Nothilfe-Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 130 Patienten mit Schusswunden in den Städten Malakal und Nasir behandelt. "Unsere Sorge ist, dass es viel mehr Verwundete gibt, die keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben", erklärt Raphale Gorgeu, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2002 in der Region Malakal. Vor dem Konflikt haben die Teams dort Menschen behandelt, die an der vernachlässigten Krankheit Kala Azar litten und Flüchtlingen Hilfe geleistet, die aus dem benachbarten  Sudan kamen. Nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten im Dezember hat Ärzte ohne Grenzen das Team in Malakal verstärkt und den Schwerpunkt auf chirurgische und post-operative Versorgung von Verletzten im Krankenhaus, sowie auf Basis-Gesundheitsversorgung für Vertriebene auf dem Gelände der Vereinten Nationen in der Stadt gelegt.

Ärzte ohne Grenzen ruft alle Konfliktparteien dazu auf, die Gesundheitseinrichtungen zu respektieren und Patienten den Zugang zu medizinischer Hilfe zu ermöglichen - unabhängig von ihrer Abstammung oder ethnischen Zugehörigkeit.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1983 im Südsudan und betreibt zurzeit Hilfsprogramme in neun der zehn Bundesstaaten des Landes. In den Hilfsprogrammen der Organisation im Südsudan sind derzeit 278 internationale und 2.980 südsudanesische Mitarbeiter beschäftigt.