Nur kleine Fortschritte für die Patienten

Weltgesundheitsversammlung 2012

Millionen Menschen weltweit leiden unter so genannten vernachlässigten Tropenkrankheiten, für die es keine angemessenen Medikamente und Diagnostika gibt. Die Pharmaindustrie interessiert sich kaum für diese Krankheiten, weil die Patienten allesamt arm sind und deshalb kein Geld zu verdienen ist. Deshalb unterstützt Ärzte ohne Grenzen den Vorschlag einer Expertengruppe, im Rahmen der Weltgesundheitsorganisation WHO eine internationale Forschungskonvention abzuschließen. Ein solches Abkommen würde Prioritäten für die Erforschung dieser Krankheiten festschreiben und eine Mindestfinanzierung verbindlich regeln. Außerdem soll gleich zu Beginn des Entwicklungsprozesses sichergestellt werden, dass die neuen Medikamente dann auch in ärmeren Ländern erschwinglich sind.

Bei der Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly, WHA) vom 21.-26. Mai in Genf hat sich Ärzte ohne Grenzen für eine internationale Forschungskonvention stark gemacht. Zahlreiche Entwicklungs- und Schwellenländer haben den Vorschlag unterstützt. Leider haben besonders die EU und die USA eine positive Entscheidung blockiert, auch Deutschland lehnt ein solches Abkommen aus formalen Gründen ab. Ärzte ohne Grenzen appelliert an das Bundesgesundheitsministerium, den Widerstand gegen dieses wegweisende Abkommen aufzugeben. Letztendlich haben sich die Staaten darauf geeinigt, eine Entscheidung zu vertagen. Gleichzeitig wurde aber ein formeller Prozess gestartet, um den Vorschlag weiter zu prüfen und zu diskutieren.

Philipp Frisch hat als Vertreter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen an der WHA teilgenommen. Hören Sie hier zwei Interviews, die er zu Beginn und am Ende der Versammlung gegeben hat:

Mit freundlicher Genehmigung des SWR und von Radio Bremen, 2012.