Forschungsergebnisse von Ärzte ohne Grenzen belegen bemerkenswerte Vorteile neuer Therapieansätze

Welt-Aids-Konferenz

Ärzte ohne Grenzen präsentierte auf der Internationalen Aids-Konferenz in Wien Forschungsergebnisse aus seinen Projekten, die zeigen, dass ein früher Therapiebeginn und verbesserte Medikamente der ersten Behandlungslinie die Sterblichkeitsraten signifikant senken und die Einhaltung des Therapieplans vereinfachen.

Mitarbeiter der Organisation haben beispielsweise in Lesotho, wo die Regierung neue Behandlungsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) übernommen hat, eine zweijährige Studie mit 1128 Patienten durchgeführt. Das Ergebnis: Patienten, die bereits bei einem CD4-Wert von weniger als 350 mit der Therapie begannen, hatten ein 70 Prozent geringeres Risiko zu sterben, eine 40 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit die Behandlung nicht abzubrechen und eine mehr als 60 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit stationär aufgenommen werden zu müssen als Patienten, bei denen die Therapie erst später - d.h. bei einem CD4-Wert unter 200 - begonnen wurde.

"Die Menschen zu behandeln bevor sie sehr krank sind ist besser für die Patienten, für die Gemeinschaft und belastet auch das Gesundheitssystem weniger", sagt Helen Bygrave, Ärztin der Organisation in Lesotho.

Medikamente sind noch zu teuer

Eine entsprechende Ausweitung der Therapien ist aber durch unzureichende finanzielle Ressourcen und hohe Medikamentenpreise gefährdet. Die Kosten für die von der WHO empfohlenen Medikamente der ersten Behandlungslinie und die zunehmend benötigten Medikamente der zweiten Linie sinken nur langsam, und der Patentschutz schränkt den Generika-Wettbewerb bei neueren Medikamenten ein.

"Die Preispolitik der Pharmafirmen wurde auf dieser Konferenz nicht in Frage gestellt. Der Vorsitzende einer großen Stiftung hat sogar erklärt, dass die Medikamentenpreise bereits tief genug seien", sagt Tido von Schön-Angerer, Vorsitzender der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Damit möglichst viele Patienten ihre Therapie früh beginnen können, müssen die Medikamentenpreise jedoch wesentlich stärker reduziert, die Therapien vereinfacht und mehr Ressourcen bereitgestellt werden."