Südsudan

Vergessene Krisen - Südsudan

Ein Krankenpfleger von Ärzte ohne Grenzen in einer improvisierten Klinik in der Region Pibor/Südsudan, in der es Mitte des Jahres zu Kämpfen zwischen rivalisierenden ethnischen Gruppen kam, bei denen mehrere Hundert Menschen verletzt wurden.

Der Südsudan ist die jüngste Republik der Welt und nach vielen Jahren des Krieges im Aufbruch in eine neue Zukunft. Doch auch zweieinhalb Jahre nach ihrer Unabhängigkeit vom Nordsudan ist die Lage im Land instabil und die Situation der Menschen extrem schwierig. Mehr als zwei Jahrzehnte Bürgerkrieg haben die Infra- und Verwaltungsstruktur, aber auch das Bildungs- und Gesundheitssystem völlig zerstört. Es gibt kaum funktionierende Strukturen, und die Menschen kommen nicht zur Ruhe. Gewalt, Vertreibung, Krankheit und Mangelversorgung bestimmen heute noch immer den Alltag vieler der rund zehn Millionen Südsudanesen. Die Mütter- und Kindersterblichkeitsraten sind so hoch wie sonst kaum auf der Welt.

Mitte des Jahres 2013 flammten in der Region Pibor erneut Kämpfe zwischen rivalisierenden ethnischen Gruppen auf. 120.000 Menschen flüchten aus ihren Dörfern, Hunderte werden verletzt, wie viele sterben weiß niemand. Und im Norden des Landes leben seit vergangenem Juni mehr als 100.000 Sudanesen unter notdürftigen Bedingungen in Flüchtlingslagern, ohne in ihre Heimat zurückkehren zu können. In den Lagern gibt es kaum Wasser, wenig Nahrung und keine Perspektive. Im Herbst 2013 kommen mehrere Tausend neue sudanesische Flüchtlinge hinzu.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 30 Jahren im Südsudan und betreibt über das gesamte Land verteilt Kliniken und Gesundheitsposten. Die Teams reagieren immer wieder auf akute Krankheitsausbrüche und Massenvertreibungen. Sie behandeln Tropenkrankheiten wie Kala-Azar, Malaria und Schlafkrankheit, aber auch Meningitis, Masern, HIV und Tuberkulose. Tausende Kinder werden wegen Mangelernährung in Ernährungsprogrammen versorgt. Vielerorts leisten die Mitarbeiter Basisgesundheits- und Mutter-Kind-Versorgung. Die Arbeit im Südsudan zählt im Jahr 2013, wie in den Vorjahren, zu den umfassendsten und größten Einsätzen von Ärzte ohne Grenzen weltweit.

Sabine Dorn, Krankenschwester im Flüchtlingslager Doro:

„Den Menschen fehlt es an so vielem - neben dem Mangel an Hygiene, sauberem Wasser, Essen und Medikamenten gibt es viel zu wenig Schulen und andere Bildungseinrichtungen. Die Zukunft der Menschen ist so ungewiss, und es erstaunt mich immer wieder, mit welcher Würde und positiver Lebenseinstellung die Flüchtlinge ihre unglaublich schwierige Lebenssituation meistern. In unserer Klinik und in den Gesundheitsposten behandeln wir jede Woche hunderte von Patienten, vor allem Kinder, und viele Frauen bringen in unserer Einrichtung ihre Kinder zur Welt. Viele dieser Menschen würden nicht überleben, wenn es unsere Klinik hier nicht gäbe.“

Zahlen:

  • Von 100.000 Schwangeren sterben 2.045 bei der Geburt ihres Kindes. Das ist die höchste Müttersterblichkeitsrate weltweit. (UN)
  • 120.000 Menschen sind Mitte des Jahres nach Gewaltausbrüchen in der Region Pibor auf der Flucht.
  • 2,5 Millionen Liter Trinkwasser stellt Ärzte ohne Grenzen im November 2013 wöchentlich für die Flüchtlinge bereit.
  • Zum Jahresende führen die Teams von Ärzte ohne Grenzen wöchentlich 5.500 Konsultationen in den Flüchtlingslagern durch.

 

Vergessene Krisen 2013