Burkina Faso

"In unserem Dorf sterben die Kinder nicht mehr" - Hilfe gegen Mangelernährung

Burkina Faso: "In unserem Dorf sterben die Kinder nicht mehr" - Hilfe gegen Mangelernährung
Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt. 70 Prozent der Bevölkerung muss mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Die große Mehrheit der Burkiner lebt von Landwirtschaft. Doch wechselhafte klimatische Bedingungen mit Dürre oder Regenfluten führen oft zu schlechten Ernten.
Immer wieder kommt es daher zu Nahrungsmittelknappheit, und vor allem Kinder sind gefährdet, an Mangelernährung zu erkranken.
In den Provinzen Passoré and Loroum, die in einer teilweise wüstenhaften Region im Norden des Landes liegen, betreibt Ärzte ohne Genzen seit September 2007 ein Ernährungsprogramm. In 17 ambulanten Zentren führen die Teams bei Kindern unter fünf Jahren Screenings zum Ernährungsstatus durch. Mittels eines speziellen Bandes wird der Oberarmumfang gemessen.
Liegt er unter 120 mm, werden die Kinder in das Programm aufgenommen. Auch Kinder, die durch Wassereinlagerungen bedingte Ödeme haben, werden behandelt.
Als der kleine Abdul in das Ernährungszentrum von Ärzte ohne Grenzen gebracht wurde, schwebte er zwischen Leben und Tod. Vier Wochen blieb das schwer mangelernährte Kind in Intensivpflege, gefolgt von fünf Wochen in ambulanter Betreuung. Seine Mutter ist überglücklich, dass sich ihr Sohn erholt hat: „Endlich sterben in unserem Dorf die Kinder nicht mehr“.
Stationäre Intensivpflege wie Abdul benötigen nur zehn Prozent der Kinder. Die Überweisung in das dafür eingerichtete Ernährungszentrum in der Provinzhauptstadt Yako erfolgt nur dann, wenn beispielsweise Komplikationen wie Anämie oder Dehydrierung auftreten.
90 Prozent der Kinder können ambulant versorgt werden: „Durch die ambulante Vorgehensweise können wir sehr viele Kinder behandeln. Gleichzeitig erlaubt das den Müttern, zu Hause ihre Aufgaben weiterzuführen und sich auch um ihre anderen Kinder zu kümmern.
Mit Plumpynut (eine therapeutische Fertignahrung, die Nährstoffe, Vitamine und Mineralien enthält, Anm. d. Red.) können sie ihr Kind ganz einfach aufpäppeln“, erzählt die Krankenschwester Balki Harouna.
„Es sind die Mütter, die ihre Kinder ins ambulante Zentrum bringen und sich zu Hause um sie kümmern. Daher ist es ganz wichtig, gerade ihnen verständlich zu machen, wie wichtig diese Behandlung ist“, erklärt Balki Harouna.
„Wir müssen sie auch immer wieder darin bestärken, dass sie wirklich einmal pro Woche mit dem Kind zu uns kommen.“
Denn selbst das ambulante Programm birgt noch Hürden. In einem Dorf erzählt beispielsweise eine 21-jährige Mutter: „Während elf Wochen habe ich meine Tochter wöchentlich zum Zentrum gebracht. Dann bekam ich eine Gastritis und konnte die 30 Kilometer mit dem Fahrrad hin und zurück nicht mehr schaffen.“
Die Temperaturen klettern hier während des Tages auf über 50 Grad Celsius und man braucht zweieinhalb Stunden für eine Strecke.
Auch Toni Roméo, ein Krankenpfleger, weiß um die Situation der Mütter: “Die Mütter verstehen sehr gut, wie wichtig die Behandlung ist. Aber für manche sind es lange Strecken, sie laufen 15 Kilometer oder fahren mit dem Rad bis zu 50 Kilometern.
Manchmal halten sie Familienangelegenheiten oder Krankheiten davon ab, mit dem Kind zur Behandlung zu kommen.“
Toni Roméo erzählt, dass die Bevölkerung momentan noch Nahrungsreserven habe. „Doch die Menschen sagen einem auch, dass davon in den kommenden Monaten nichts mehr übrig sein wird“, so der Krankenpfleger.
“Wir werden Nahrungsmittel kaufen müssen, wenn unsere Hirse aufgebraucht ist. Aber wir haben kein Geld. Das Leben ist hart hier“, klagt ein Mann aus einem Dorf in der Nähe von Bokin.
Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben seit September 2007 bereits 13.600 Kinder in den Ernährungsprogrammen betreut.

Juli 2008