Demokratische Republik Kongo

"Uns erwartet nur der Tod" - die Gewalt im Osten nimmt kein Ende

Trotz der Friedensverhandlungen, die im Januar 2008 stattfanden, nimmt die Gewalt in Nordkivu kein Ende. Die Situation in der im Osten der D.R. Kongo gelegenen Region ist äußerst instabil. Immer wieder wird Ärzte ohne Grenzen Zeuge gewaltsamer Auseinandersetzungen, die zu erneuten Vertreibungen führen.

Mehr als zwei Monate nach der Friedenskonferenz in Goma im Januar 2008, an der viele, wenn auch nicht alle bewaffneten Konfliktgruppen teilnahmen, geht das Morden, Vergewaltigen und Verstümmeln weiter. Die große Mehrheit der Bevölkerung der Provinz Nordkivu im Osten der D.R. Kongo lebt in tiefster Not. Die Gefahr, getötet, beraubt oder vergewaltigt zu werden ist für die Menschen allgegenwärtig. Humanitäre Hilfe erreicht die Menschen nur unzureichend, sie leiden an Krankheiten und Hunger.

"Gewalt, Vertreibung, Masern, Cholera, Unterernährung: Diese fünf Worte beschreiben die tägliche Lebensrealität vieler Kongolesen in Nordkivu", sagt Colette Gadenne, Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen in Goma. So behandelten beispielsweise die zwei von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Kliniken in Kitchanga und Masisi im Januar 2008 täglich zwei bis zehn neue Vergewaltigungsopfer. Für die Frauen Nordkivus ist die Ausübung ganz alltäglicher Aktivitäten gefährlich. Vergewaltigungen sind dabei nicht die einzige Gefahr, der sie ausgesetzt sind.

Opfer von Vergewaltigungen kämpfen täglich ums Überleben

"Sie waren uniformiert. Sie nahmen meinen Mann mit. Dann brachten sie mich in den Wald, weil ich ihnen kein Geld gab. Einer von ihnen vergewaltigte mich. Die anderen plünderten meine Vorräte", erzählt Espérance.

Viele Frauen werden verstoßen, sobald bekannt wird, dass sie vergewaltigt wurden, häufig werden sie von ihren Familien verjagt. Viele junge Frauen können deshalb nicht mehr heiraten. Opfer von Vergewaltigungen sind einem täglichen Kampf ums Überleben ausgesetzt.

Die Menschen sind anfällig für Malaria, Unterernährung, Cholera und Masern

Wegen der konstanten Unsicherheit fliehen immer wieder Teile der Bevölkerung - dies stellt im Osten der D.R. Kongo seit 15 Jahren eine wiederkehrende Realität dar. Unter den neu Vertriebenen, aber auch unter den Ortsansässigen, von denen viele zu einem früheren Zeitpunkt vertrieben wurden, sind die nicht erfüllten Grundbedürfnisse enorm. Ärzte ohne Grenzen hilft Menschen, die zu wenig oder keine Nahrung, Unterkünfte, Wasser oder sanitäre Einrichtungen haben. Durch das Leben unter derart widrigen Umständen sind die Menschen höchst anfällig für Malaria, Unterernährung, Cholera und Masern. In einigen Dörfern, zum Beispiel auf der Achse Kashuga - Kalembe - Mpeti, wurden in den vergangenen zwei Monaten 80 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren von Ärzte ohne Grenzen gegen Malaria behandelt. Die dort in provisorischen Unterkünften im Busch lebenden Vertriebenen haben nichts, um sich vor Moskitos zu schützen. Dörfer und Camps, in denen Vertriebene Unterkunft suchen, wachsen spontan, weisen aber die notwendige Infrastruktur nicht auf.

"Ich wurde während des Krieges geboren, und er dauert noch immer an, was bedeutet, dass wir hier kein Recht auf ein echtes Leben haben. Uns erwartet nur der Tod", sagt Leonard, ein 18-jähriger junger Mann, der in den Busch geflüchtet ist und an Malaria leidet.

Derzeit leistet Ärzte ohne Grenzen kostenlose Gesundheitsversorgung in Gesundheitszentren und Krankenhäusern in Kitchanga, Mweso, Masisi, Nyanzale und Rutshuru. Die Hilfe umfasst auch die spezielle medizinische Behandlung von Opfern sexueller Gewalt und notfallchirurgische Eingriffe. Zudem betreibt Ärzte ohne Grenzen Ernährungsprogramme, Cholera-Behandlungszentren und mobile Kliniken.