Medikamentenresistente Tuberkulose schreitet voran, während neue Arzneimittel ungetestet bleiben

Tuberkulose

Jährlich sterben etwa zwei Millionen Menschen an Tuberkulose (TB), weitere neun Millionen erkranken an der Infektionskrankheit. Trotz der steigenden Zahlen gibt es seit 1960 keine Fortschritte bei der Behandlung. Der am häufigsten verwendete Diagnosetest - die mikroskopische Untersuchung des Sputums - wurde 1882 entwickelt und spürt Tuberkulose nur in der Hälfte aller Fälle auf. Obwohl rund 900 Millionen US-Dollar jährlich für Forschung und Entwicklung erforderlich sind, werden weltweit nur 206 Millionen US-Dollar investiert. Für Menschen mit HIV/Aids sind die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten noch schlechter, obwohl sie eine leichte Beute für die Tuberkulose-Bakterien darstellen. Noch düsterer sind die Überlebenschancen für diejenigen, die sich mit multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) anstecken - mehr als 450.000 Menschen pro Jahr - oder multiresistente Tuberkulose aufgrund einer unvollständigen Behandlung entwickeln.

Die Wenigen, die gegen multiresistente TB behandelt werden können, müssen bis zu 24 Monate lang täglich einen Cocktail hochgiftiger und teurer Medikamente schlucken, die oft sehr starke Nebenwirkungen haben. In den Programmen von Ärzte ohne Grenzen in Armenien, Abchasien, Georgien, Kambodscha, Kenia, Thailand, Uganda und Usbekistan hielten, selbst unter besten Bedingungen, nur 55 Prozent der Patienten mit multiresistenter TB die Behandlung erfolgreich durch. Die übrigen Patienten starben, ihre Behandlung schlug nicht an oder die Patienten brachen die Therapie aufgrund der Nebenwirkungen ab.

Mediziner, die sich dem Kampf gegen Tuberkulose verschrieben haben, sind zunehmend frustriert - auch weil nicht alle neuen Medikamente an Patienten mit multiresistenter Tuberkulose getestet werden, obwohl diese sie am Dringendsten benötigen. Ein Artikel internationaler Experten, der kürzlich in der medizinischen Zeitschrift "PLoS Medicine" erschien, rief dazu auf, neue Medikamente an Patienten zu testen, deren Tuberkulose gegen die Standardbehandlung resistent ist. Dieser Ansatz könnte es erleichtern, die Wirksamkeit neuer Medikamente gegen TB-Bakterien zu ergründen und letztlich die Arzneimittelentwicklung voranzutreiben.