Honduras

Tegucigalpa, Stadt des Rauchs - dem Denguefieber begegnen

Honduras: Tegucigalpa, Stadt des Rauchs - dem Denguefieber begegnen
Denguefieber ist endemisch in Zentralamerika. Es ist eine Infektionskrankheit, die Aedesmücken übertragen wird. Die Symptome gleichen denen der Grippe: Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit, Bauchschmerzen und Hautausschlag. Die schwerste Form, hämorrhagisches Denguefieber, verursacht Blutungen und kann zu einem irreversiblen Schock führen, in dessen Folge die Patienten sterben. Tegucigalpa, die Hauptstadt von Honduras, ist stark betroffen.

Im Vergleich zum Vorjahr haben die Fälle des normalen Denguefiebers in Honduras im Jahr 2010 erheblich zugenommen: Es gibt bislang 50.000 gemeldete Fälle. Der alarmierendste Aspekt dieses Ausbruchs ist die Verbreitung des hämorrhagischen Denguefiebers mit mehr als 1.500 gemeldeten Erkrankungen und 160 Todesfällen – das ist ein Anstieg um 1.850 Prozent im Vergleich zu 2009. „Ich kenne die frühere Form des Denguefiebers“, sagt Herminia Moncada, deren Sohn kürzlich mit der Krankheit in die Klinik eingeliefert wurde. „Aber diesmal ist es anders. Dieses Denguefieber tötet.“

Aufgrund der alarmierend hohen Zahl von Denguefieberfällen hat Ärzte ohne Grenzen in Tegucigalpa mit einem Notfalleinsatz begonnen. Dort wurden die meisten Fälle gemeldet, und die Organisation unterstützt die örtlichen Gesundheitsdienste. Schwerpunkte der Aktivitäten sind die medizinische Versorgung, die Kontrolle der Überträger und Aufklärungsmaßnahmen für die Bevölkerung. Dazu gehört auch, dass Teams in Häuser gehen und diese ausräuchern, um zu verhindern, dass die Moskitos sich fortpflanzen.

Da Krankenhäuser und Gesundheitszentren überbelegt sind, hat Ärzte ohne Grenzen eine Notaufnahme im San Felipe-Krankenhaus in den Außenbezirken von Tegucigalpa eingerichtet. Dort können Kinder unter 15 Jahren, die Symptome der Krankheit zeigen, behandelt werden.

Es gibt keine Impfung oder spezielle Medizin gegen das Virus, daher können die Teams von Ärzte ohne Grenzen lediglich die Symptome kontrollieren und deren Folgen behandeln. So bekommen die Kinder beispielsweise gegen die mit der Krankheit verbundene Austrocknung ausreichend Flüssigkeit. Sie brauchen viel Ruhe - und dann kann man nur darauf warten, dass sich ihr Zustand stabilisiert.

Ithian Asael Morgan ist fünf Monate alt und war acht Tage lang im Krankenhaus. Jetzt kann er entlassen werden. „Nur seine Mutter durfte jeden Tag bei ihm sein, da Ithian noch gestillt wird“, erzählt seine Großmutter.

Lucía Isammar Elvir ist fünf Jahre alt und hat die Krankheit ebenfalls überstanden – auch sie kann entlassen werden. Nach fünf Tagen im Krankenhaus wartet sie mit gepackter Tasche ungeduldig auf den Arzt und verlangt: „Ich will nach Hause, ich will malen und zeichnen.“

Anthony, der ebenfalls für einige Tage in San Felipe behandelt wurde, erlitt nach leichter Verbesserung einen Rückfall. „Ich mache mir Sorgen - es geht auf und ab. Wir können nur warten“, sagt sein Vater, Victor Manuel Amador, der nicht von Anthonys Seite weicht.

Selbst wenn sich die Behandlung einfach anhört, sie ist nicht unkompliziert: Es darf beispielsweise nicht zu viel Flüssigkeit verabreicht werden, da Denguefieber die Durchlässigkeit der Blutgefäße verändert und das Risiko besteht, dass Flüssigkeit in andere Körperregionen gelangt und Komplikationen wie Lungenödeme verursacht.

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen verbringen auch Zeit damit, den Eltern und Betreuern der Kinder beizubringen, wie sie die Flüssigkeit regelmäßig verabreichen. „Meiner Meinung nach liegt der Erfolg dieses Einsatzes darin, dass wir gut mit den Eltern zusammenarbeiten“, sagt die Ärztin Elisabeth Bragança. Die vierjährige Angelina weinte jedes Mal, wenn jemand aus dem medizinischen Team sich näherte. Nur ihre Mutter konnte ihr das notwendige Serum verabreichen. Aber nach zwei Tagen auf der Station sitzt Angelina in ihrem Bett, lächelt und zeichnet.

Über die medizinische Versorgung hinaus wirkt Ärzte ohne Grenzen dem Denguefieberausbruch entgegen, indem die Moskitos bekämpft werden, die die Krankheit verbreiten. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums gehen mobile Teams von Ärzte ohne Grenzen in der Siedlung Manchen, die zu den Außenbezirken von Tegucigalpa gehört, gegen die Erreger vor, wo die meisten Erkrankten gemeldet werden.

Die Moskitos, die das Virus tragen, brüten vor allem in stehenden Gewässern. Es ist sehr wichtig, dass die Menschen dies wissen und entsprechend mit Wasser umgehen. Teams von Ärzte ohne Grenzen gehen daher von Haus zu Haus und erläutern, wie man abgefülltes Wasser frei von Moskitolarven halten kann.

Die Gewohnheiten der Menschen zu ändern, ist eine Herausforderung, die nur gelingt, wenn man sie in den Kampf gegen das Denguefieber einbezieht. So gehen die Teams von Haus zu Haus und behandeln stehendes Wasser mit einer Chemikalie namens Abate, um Moskitolarven am Schlüpfen zu hindern. In 700 Haushalten haben die Mitarbeiter Abate bereits angewendet.

Auch wo sich Müll und Schutt mit kleinsten Mengen stehenden Wassers ansammeln, brüten Moskitos. Es ist oft nicht leicht, den meist sehr armen Familien einen entsprechenden Umgang mit Abfall zu vermitteln. So berichtet z.B. María Mercedes Suazo Bustillo, 89, dass sie, seit eines der Zimmer ihres Hauses eingestürzt ist, nicht fähig gewesen sei, den Schutt und die nutzlosen Möbel zu beseitigen. „Ich bin arm, und all dies wegzuwerfen kostet Geld. Deshalb bin ich dazu nicht in der Lage.“

Nach Vorgesprächen mit den Familien kommen die Teams dann auch in die Häuser zurück, um sie auszuräuchern. 400 Häuser wurden bereits nach diesem Verfahren behandelt und 4.000 weitere sollen im Kampf gegen das Denguefieber noch folgen.