Haiti

Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten nach Hurrikans verstärkt Hilfe in Gonaïves

Rund zwei Wochen nachdem Haiti von Hurrikan "Gustav", Wirbelsturm "Hanna" und Hurrikan "Ike" getroffen wurde, haben viele Menschen in der zerstörten Stadt Gonaïves noch immer keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, sauberem Wasser und Nahrungsmitteln. Zwar sind die Überschwemmungen größtenteils zurückgegangen, einige Teile der Stadt im Norden Haitis bleiben jedoch unzugänglich. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen unterstützt seit dem 4. September das Rabouteau Gesundheitszentrum in Gonaïves. Bisher wurden dort mehr als Tausend Konsultationen durchgeführt.

Das Team im Rabouteau Gesundheitszentrum hat bisher rund 250 Verwundete versorgt und 20 chirurgische Eingriffe vorgenommen. Immer mehr Patienten kommen mit Krankheiten wie Durchfall, Atemwegsinfektionen oder Hauterkrankungen, die von den Überschwemmungen verursacht oder begünstigt wurden. Seit dem 14. September leisten die Mitarbeiter außerdem mit mobilen Kliniken Hilfe. Etwa 20 Gesundheitszentren in Gonaïves sind wegen unpassierbarer Straßen nach wie vor nicht zu erreichen.

Am 15. September war ein Team mit drei Krankenschwestern und einem Arzt in der Universität von Gonaïves, in der rund 100 Familien mit Kindern seit zwei Wochen ohne sauberes Trinkwasser und medizinische Hilfe leben. Sie untersuchten 36 Erkrankte, von denen die meisten an Fieber, Durchfall oder Atemwegsinfektionen litten. Wo Menschen unter diesen Bedingungen eng beieinander leben, besteht ein erhöhtes Krankheitsrisiko.

23 Tonnen Hilfsgüter eingeflogen

Derzeit arbeiten 20 internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Gonaïves, darunter acht Mediziner und neun Logistiker. Bisher hat Ärzte ohne Grenzen 23 Tonnen Hilfsgüter vor Ort gebracht. Darunter sind medizinische ebenso wie Wasser- und Sanitärmaterialien sowie Medikamente. Weitere Mitarbeiter sind auf dem Weg in die Stadt, und es ist geplant, die mobilen Kliniken auszubauen und ein Gesundheitszentrum für kompliziertere chirurgische Eingriffe aufzubauen.

In den vergangenen Tagen haben die Teams außerdem an neun Orten Wasserverteilungssysteme eingerichtet. Damit können sie täglich mehr als 100.000 Liter Trinkwasser bereitstellen. Die Mitarbeiter arbeiten daran, noch mehr sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen verfügbar zu machen.

Erkundungen in schwer zugänglichen Gegenden

Im schwer erreichbaren Norden Haitis hat Ärzte ohne Grenzen mehrere Erkundungstouren durchgeführt und Gesundheitszentren und Arzneiausgaben in Anse Rouge, Bombardopolis, Mole Saint Nicolas, Jean Rabel und Tortue Island mit Medikamenten versorgt. Im Inneren des Landes haben sich die Mitarbeiter in Saint Marc, Desdunes, Dessalines und L'Ester ein Bild von der Lage gemacht. Weitere Erkundungstouren im Norden, Zentrum und Süden Haitis sind geplant.

Parallel zum akuten Nothilfeeinsatz wegen der Überschwemmungen laufen die bestehenden Projekte von Ärzte ohne Grenzen in der Hauptstadt Port au Prince weiter. Die Mitarbeiter stellen hier im La Trinité Trauma Center allgemeinmedizinische und chirurgische Hilfe bereit, betreiben im Jude Anne Krankenhaus eine Notaufnahme für Geburtshilfe und arbeiten mit mobilen Teams im Armenviertel Martissant.