Stellungnahme von Dr. Craig Spencer nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus

Dr. Craig Spencer war für Ärzte ohne Grenzen in Guinea im Ebola-Einsatz. Er ist der bislang einzige Mitarbeiter unserer Organisation, der nach seiner Rückkehr an Ebola erkrankte und sich in strikter Befolgung der Richtlinien sofort meldete, als er die ersten Symptome bemerkte. Er wurde sofort im Bellevue Hospital in New York isoliert und behandelt. Er konnte am 11. November gesund entlassen werden. Lesen Sie hier seine Stellungnahme.

Mein Name ist Craig Spencer. Ich bin Arzt und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen. Ich bin stolz, einer von mehr als 3.300 Helfern von Ärzte ohne Grenzen zu sein, die gegen den Ebola-Ausbruch in Westafrika kämpfen.

Ich möchte zunächst kurz innehalten und dem medizinischen Team hier im HHC Bellevue Hospital Center danken: Ihre großartige Pflege und Unterstützung haben es mir ermöglicht, dieses Virus zu überleben. Seit ich am 23. Oktober eingeliefert wurde, erlebte ich die medizinischer Behandlung, Unterstützung und Zuspruch vom gesamten medizinischen und administrativen Team auf außergewöhnlichem Niveau. Ich möchte mich speziell bei Dr. Laura Evans bedanken, die meine Behandlung von Anfang an geleitet hat und jeden Tag bei mir war. Heute bin ich gesund und nicht länger ansteckend.

Meine Heilung von Ebola zeigt, dass die Protokolle für Gesundheitspersonal, das aus Westafrika zurückkehrt, effektiv waren. Ich bin ein lebendes Beispiel dafür, wie diese Protokolle funktionieren - und dafür, dass rechtzeitige Erkennung und Isolation wichtig sind, um Ebola zu überleben und eine Übertragung auf andere zu verhindern.
Mein Fall hat internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Man sollte aber nicht vergessen, dass meine Erkrankung 13.000 gemeldeten Fällen in Westafrika gegenübersteht - dem Zentrum dieses Ausbruchs, wo Familien auseinandergerissen und Gemeinschaften zerstört werden.

Das ist der Grund, warum ich freiwillig für Ärzte ohne Grenzen in Guinea im Einsatz war. Ich habe mehr als fünf Wochen in einem Ebola-Behandlungszentrum in Guéckédou gearbeitet, dem Epizentrum des Ausbruchs.

Während dieser Zeit weinte ich, wenn ich Kinder im Arm hielt, die nicht stark genug waren, um die Infektion zu überleben. Und ich erlebte unfassbare Freude, wenn Patienten gesund wurden und mich nach ihrer Entlassung als Bruder in ihre Familien einluden. Nach meiner Diagnose riefen mich viele dieser Patienten auf meinem privaten Telefon an, um mir gute Besserung zu wünschen und zu fragen, ob sie irgendetwas für mich tun könnten. Am meisten beeindruckt aber haben mich meine guineischen Kollegen, die von Anfang an an vorderster Front gegen die Epidemie gekämpft und Freunde und Angehörige sterben gesehen haben, aber dennoch mit so viel Mitgefühl und Würde weiter kämpfen, um ihre Gemeinschaften zu retten. Sie sind die Helden, über die wir nicht sprechen.

Bitte helfen Sie mir dabei, unsere Aufmerksamkeit zurück nach Westafrika zu lenken und sicher zu stellen, dass medizinisches Personal und andere Helfer nach ihrer Heimkehr nicht stigmatisiert  und bedroht werden. Freiwillige Helfer müssen dabei unterstützt werden, diesen Ausbruch an seinem Ursprung zu bekämpfen.

Ich bin unbeschreiblich dankbar für die große Ermutigung und Unterstützung, die ich während der vergangenen Wochen von meiner Familie, von vielen Freunden und Freundinnen sowie von mir völlig unbekannten Personen erhalten habe. Außerdem danke ich meiner Heimatinstitution, dem Medical Center der Columbia University, besonders dem Vorstand der Notfallmedizin, Dr. Joseph Underwood, für die beispiellose Unterstützung, die ich vom Moment meiner Entscheidung für diesen Einsatz bis nach meiner Diagnose erhalten habe.

Und ich möchte auch Ärzte ohne Grenzen öffentlich meine tiefe Dankbarkeit aussprechen. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie gut die Organisation in dieser schwierigen Zeit alles für mich und meine Familie geregelt hat.

Zu guter Letzt möchte ich auch den Medien im Voraus dafür danken, mein Recht und das Recht meiner Familie auf Privatsphäre zu respektieren. Ich werde nach diesem Statement keine öffentlichen Kommentare mehr abgeben und bitte Sie, Ihre Aufmerksamkeit dorthin zu richten, wo sie am dringendsten gebraucht wird: Auf den Ursprungsort des Ebola-Ausbruchs in Westafrika.

Danke.