Uganda

"Solche Überflutungen haben die Menschen hier seit vielen Jahren nicht erlebt" - Interview

Der Norden des Landes ist von den Überschwemmungen betroffen, wie hier in Lira.

Uganda, Kenia und Sudan gehören zu den Ländern, die von den starken Überflutungen in Afrika in diesem Jahr betroffen sind. Pete Buth betreut als Projektleiter im Amsterdamer Büro von Ärzte ohne Grenzen die Programme der Organisation in Uganda. In einem Interview berichtet er über die momentane Situation im Norden des Landes.

 

Welche Projekte hat Ärzte ohne Grenzen im Norden Ugandas?

Wir helfen im Norden von Uganda den Menschen, die seit mehr als 20 Jahren dem brutalen Konflikt zwischen der Lord's Resistance Army (LRA) und der ugandischen Regierungsarmee ausgesetzt sind. Sie haben schweres Leid erlebt, und große Bevölkerungsgruppen leben in Camps, weil sie vertrieben wurden. Wir leisten beispielsweise in Kitgum, in Gulu und im Distrikt Amuro medizinische Hilfe. Dazu gehören auch die HIV/Aids- und Tuberkulosebehandlung sowie psychosoziale Unterstützung. Weitere Programme gibt es im Nordwesten und Nordosten des Landes.

Wie ist die Situation dort normalerweise in der Regenzeit?

Dass es zu Überschwemmungen kommt, ist während der Regenzeit nicht ungewöhnlich. In diesem Jahr jedoch gab es ausgesprochen starke Regenfälle, und solche Überflutungen haben die Menschen hier seit vielen Jahren nicht erlebt. Die am meisten betroffenen Gebiete liegen in der Region Teso.

In der Regenzeit nehmen auch Erkältungskrankheiten, Malaria und Durchfall zu. Wir merken dabei auch in einigen Projektregionen, dass beispielweise die Mütter ihre Kinder nicht immer ins Gesundheitszentrum bringen. Das liegt unter anderem daran, dass die Bevölkerung während dieser Jahreszeit normalerweise damit beschäftigt ist, die Felder zu bestellen. Die Mütter haben wegen dieser Arbeit also oft keine Zeit, die Kinder zu uns zu bringen.

In diesem Jahr ist es zu Überflutungen großen Ausmaßes gekommen. Was sind jetzt die größten Bedürfnisse der Menschen?

In der Region Teso sind beispielsweise viele Felder und Straßen überschwemmt, und einige Bewohner mussten sich in höher gelegene Regionen begeben. Einige Brücken wurden beschädigt oder weggeschwemmt und teilweise sind Straßen nicht mehr passierbar. Medizinisch gesehen besteht die Gefahr, dass neben anderen Durchfallerkrankungen auch Cholera auftreten könnte, Malaria und Erkältungskrankheiten deutlich häufiger als sonst.

Die Menschen, die vor den Überschwemmungen flüchten mussten, brauchen jetzt vor allem Unterkünfte und sauberes Wasser.

Wie sieht es mit den längerfristigen Auswirkungen aus?

Im Distrikt Kitgum beispielsweise, eine der Regionen, die am stärksten vom Konflikt in Norduganda betroffen sind, konnten die Menschen viele Jahre lang ihre Felder nicht bestellen. In diesem Jahr haben sie das erstmals wieder gemacht, weil die Sicherheitslage es ihnen ermöglichte, die Camps zu verlassen. Die Überschwemmungen sind in Kitgum zwar nicht so schlimm wie in der Region Teso, dennoch macht es der anhaltende Regen jetzt schwer, das geerntete Getreide zu trocknen. Momentan ist es noch zu früh, um wirklich sagen zu können, wie viel der Ernte verloren gehen wird. In Kitgum war jedoch fast jeder viele Jahre von humanitärer Hilfe abhängig. Die wenigsten haben Reserven, die ihnen über Ernteausfälle hinweghelfen könnten. Das bedeutet, dass sie stärker von Hilfslieferungen abhängig sein werden als dies vor den starken Regenfällen abzusehen war.

Auch in anderen betroffenen Regionen könnte die Versorgung mit Nahrungsmitteln ein ernsthaftes Problem werden. Es wird zunehmend schwieriger, Nahrungsmittel in betroffene Regionen zu bringen, weil die Wege unpassierbar werden.

Wie hilft Ärzte ohne Grenzen als medizinische Organisation den Opfern der Überflutungen zurzeit?

In Uganda hat Ärzte ohne Grenzen eine Reihe von Gesundheitseinrichtungen mit Material zur Behandlung von Malaria und Cholera versorgt. Wir halten engen Kontakt zu den Behörden und sind darauf eingerichtet, bei Bedarf mehr medizinische und Nahrungsmittelhilfe zu leisten.

Auch im Sudan und in Kenia helfen Teams von Ärzte ohne Grenzen in Gemeinden, die von Überschwemmungen betroffen sind. So hilft beispielweise in Kenia ein Team in Lagern, die für Betroffene eingerichtet wurden. Die Mitarbeiter heben z.B. Latrinen aus, installieren Wasserhähne, Duschen und Wassertanks. Außerdem leisten sie natürlich medizinische Hilfe, überwachen die Gesundheitssituation und klären über Gesundheitsrisiken auf. In den betroffenen Regionen im Südsudan verteilen Mitarbeiter vor allem Hilfsmaterialien und kümmern sich um die Basisgesundheitsversorgung.