Haiti

Sechs Monate nach dem schweren Erdbeben - Ärzte ohne Grenzen veröffentlicht Bericht zur Katastrophenhilfe

Dadadou Camp wurde auf dem ehemaligen Sportplatz von Delmas errichtet. So wie hier leben in vielen Teilen von Port-au-Prince Menschen in provisorischen Zeltunterkünften.

Sechs Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti am 12. Januar 2010 beschreibt ein gerade veröffentlichter Bericht die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen während des größten Katastropheneinsatzes in der Geschichte der Organisation. Das Papier "Katastrophenhilfe nach dem Erdbeben in Haiti: Hürden, Entscheidungen, Handlungen und Finanzen" versucht den Umfang und die Bandbreite der medizinischen und materiellen Hilfe zu beschreiben, die von den Teams in Haiti geleistet wurde, thematisiert jedoch auch die beträchtlichen Herausforderungen und Dilemmata für die Organisation. Es räumt ein, dass die Hilfsmaßnahmen viele Leben retten konnten, gleichzeitig jedoch noch immer viele Haitianer große Not leiden.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit mehr als 19 Jahren in Haiti und bot in dieser Zeit ein breites Spektrum an medizinischer Hilfe an. Die Angebote reichten von Geburtshilfe über Physiotherapie bis hin zu psychosozialen Programmen. Durch ihre langjährige Präsenz im Land war der Organisation bekannt, dass ein Großteil der Bevölkerung keinen Zugang zum Gesundheitssystem hatte. In vielen medizinischen Fachrichtungen herrschte ein Mangel an qualifiziertem Personal, von der Physiotherapie bis zur Psychotherapie. Auf die medizinischen Konsequenzen einer solch verhängnisvollen Naturkatastrophe wie das Erdbeben war das Land denkbar schlecht vorbereitet.

Das Beben zerstörte 60 Prozent der medizinischen Einrichtungen. 10 Prozent des Personals wurden entweder getötet oder verließen das Land. Ärzte ohne Grenzen war gezwungen, Einrichtungen in andere Gebäude zu verlegen, Container-Krankenhäuser zu bauen, in Notunterkünften zu arbeiten und ein aufblasbares Krankenhaus zu errichten. Im Zeitraum zwischen dem 12. Januar und dem 31. Mai behandelten Teams der Organisation mehr als 173.000 Patienten. Heute unterhalten rund 3.000 nationale und internationale Mitarbeiter 19 medizinische Einrichtungen und stellen an verschiedenen Standorten mehr als 1000 Krankenhausbetten bereit.

Ärzte ohne Grenzen war überwältigt von der weltweiten Großzügigkeit der Menschen, die die Arbeit in Haiti mit Geldspenden unterstützten. Bis Ende Mai erhielt die Organisation Spenden in Höhe von 91 Millionen Euro allein für die Katastrophenhilfe. Über die Hälfte dieses Betrages - etwa 53 Millionen Euro - wurden bereits in den ersten fünf Monaten nach dem Erdbeben eingesetzt. Bis Ende 2010 plant die Organisation, rund 89 Millionen Euro für die Direkthilfe für die Erdbebenopfer auszugeben.

Anhaltendes internationales Engagement nötig

Sechs Monate nach dem Beben hat sich die medizinische Versorgung für einen Großteil der Bevölkerung wesentlich verbessert. Einige der ärmeren Menschen, die vor dem Unglück keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hatten, werden nun versorgt. Damit das so bleibt, ist jedoch anhaltendes internationales Engagement nötig, und die Frage ist, wie die Qualität der Hilfe garantiert werden kann. Da der Wiederaufbau nur sehr langsam vorankommt und die Regenzeit die Lage erschwert, werden dringend Notunterkünfte gebraucht. Zwar ist die ärmere Bevölkerung Haitis einen sehr niedrigen Lebensstandard gewöhnt, dennoch nehmen Frustration und Wut wegen der sich kaum verbessernden Lebensbedingungen seit dem Erdbeben zu.

Dokumente: Sechs Monate nach dem Erdbeben in Haiti