Ärzte ohne Grenzen und Oxfam International veröffentlichen Bericht zu akuter Impfkrise in ärmeren Ländern

Report zu Impfkrise in ärmeren Ländern

Ärzte ohne Grenzen und Oxfam International warnen in einem gemeinsamen Bericht, dass der Zugang zu lebensrettenden Impfstoffen für Kinder in ärmeren Ländern durch hohe Preise behindert wird und in einer akuten Finanzierungskrise steckt. "Der Bericht ´Giving Development Countries the Best Shot' zeigt auf, warum es Jahre dauert, bis Kinder in ärmeren Ländern mit neuen Impfstoffen versorgt werden können. Die Erzeugnisse sind nur unzureichend an die Bedingungen und Bedürfnisse der Patienten in ärmeren Länder angepasst und oftmals viel zu teuer", sagt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. Die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI), die internationale Bemühungen zu Impfungen in ärmeren Ländern vorantreibt, steht aber vor einer akuten Finanzkrise. Ohne zusätzliche Finanzzusagen der Geberländer in Höhe von 2,4 Milliarden US-Dollar wird GAVI massive Kürzungen vornehmen müssen, die den Zugang zu Impfstoffen weiter reduzieren werden.

Impfstoffe nicht an Bedingungen strukturschwachen Regionen angepasst

Ein Beispiel für die Probleme ist die Einführung des Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffs (PCV). In reichen Ländern haben PCV's schwere Infektionen verhindert, beispielsweise Lungenentzündung und Meningitis. Gleichzeitig haben sie den multinationalen Pharmaunternehmen Milliardengewinne beschert. In ärmeren Ländern verzögert sich die Einführung allerdings erheblich, da die Impfstoffe noch nicht an die Bedingungen strukturschwacher Regionen angepasst worden sind. Kenia ist zurzeit das einzige GAVI-berechtigte Land, das die neuere Version des lebensrettenden Impfstoffes im Jahr 2010 zu den Kosten von 21 US-Dollar pro Kind erhalten wird. Dies ist ein unvertretbar hoher Preis, den die Geberländer und die ärmeren Länder tragen müssen.

"Die neusten Impfstoffe werden weiterhin von einer Handvoll multinationaler Pharmakonzerne produziert. Ihre Oligopolstellung ermöglicht es ihnen, hohe Preise zu verlangen", sagt Jörn Kalinski, Leiter des Bereiches Lobby und Campaigning bei Oxfam Deutschland. "Trotz der Verhandlungsmacht von GAVI ist der Preis für neue Impfstoffe zu hoch. Der Bericht zeigt neue Wege für die Entwicklung erschwinglicher Impfstoffe für Kinder."

Routineimpfungen müssen deutlich ausgebaut werden

Ärzte ohne Grenzen und Oxfam fordern in ihrem Bericht Änderungen im derzeitigen System. Es müssen neue Anreize geschaffen werden, damit Impfstoffe zu erschwinglichen Preisen hergestellt werden können. Zusätzlich fordern die Organisationen, dass Routineimpfungen deutlich ausgebaut werden müssen. Denn jedes Jahr sterben zwei Millionen Kinder, weil sie nicht mit bereits existierenden Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten immunisiert wurden.

Ein positives Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der amerikanischen Nichtregierungsorganisation PATH und dem Serum Institute in Indien, die zu einem Meningitis-Impfstoff führte, der nicht mehr als 0,50 US-Dollar kosten wird, wenn er Ende des Jahres auf den Markt kommt.

"Auch in den vergangenen Jahren mussten wir immer wieder massive Ausbrüche von Masern und Meningitis bekämpfen", sagt Oliver Moldenhauer. "Das liegt daran, dass immer mehr Kinder nicht gegen Masern geimpft werden und es immer noch keinen langfristig wirkenden Impfstoff gegen Meningitis gibt".