Kenia

Prekäre Situation im Flüchtlingslager Dadaab könnte sich mit neuem Flüchtlingsstrom weiter zuspitzen

Flüchtlinge in Dagahaley packen ihre Habseligkeiten, um nach IFO2 zu ziehen - beide Camps gehören zum völlig überfüllten Lager Daadab.

Ärzte ohne Grenzen ist zutiefst beunruhigt über den kürzlich erfolgten öffentlichen Aufruf der kenianischen Behörden, wonach Tausende somalische Flüchtlinge die städtischen Gegenden verlassen und sich in abgelegene, bereits überfüllte Lager zurückziehen sollten.

Ärzte ohne Grenzen warnt, dass sich die ohnehin unsichere Lage mit einem potenziellen neuen Flüchtlingszustrom weiter verschlechtern könnte. In den Flüchtlingslagern von Dadaab, im nördlichen Kenia, steigt momentan aufgrund der Regenzeit das Risiko von Krankheiten und Epidemien für die bereits enorm geschwächte Bevölkerung weiter an.

"Die hier in Dadaab gebotenen Hilfsprogramme sind schon jetzt komplett überlastet und können den laufenden Bedarf nicht decken", erklärt Dr. Elena Velilla, Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Kenia. "Zudem ist die Sicherheitslage in den Lagern weiterhin ungewiss, so dass Ärzte ohne Grenzen im Falle eines weiteren Zustroms von Neuankömmlingen nicht in der Lage wäre, auf einen erneuten Notstand adäquat zu reagieren."

Immer mehr Kinder mit akuter Mangelernährung

Im Verlauf des vergangenen Monats hat sich mit 300 Kindern die Anzahl der Kinder verdoppelt, die mit akuter Mangelernährung im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen aufgenommen wurden. Aufgrund der schlechten Lebensbedingungen im Lager leiden die meisten von ihnen auch an akutem Durchfall oder schweren Atemweginfektionen.

"Seit den starken Regenfällen im Dezember, die zu Überschwemmungen in den Lagern geführt haben, verschlechtern sich die ohnehin bereits prekären Verhältnisse hinsichtlich Unterbringung und sanitärer Versorgung weiter. Dies hat dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung", erklärt Velilla.

Mit einem 200-Betten-Krankenhaus, das als Überweisungseinrichtung für mehrere Lager in Dadaab dient, ist Ärzte ohne Grenzen einer der zentralen Gesundheitsdienstleister. Die Organisation kämpft allerdings mit der Bewältigung der kontinuierlich wachsenden medizinischen und humanitären Bedürfnisse.

Vereinzelt Fälle von Cholera und Hepatitis E in den Lagern

Seit der Errichtung der Lager vor zwanzig Jahren wurde Dadaab immer wieder von Notständen wie Überschwemmungen, Ernährungskrisen und Epidemien geplagt. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) wurden im Jahr 2012 elf Ausbrüche von Epidemien verzeichnet. Auch heute werden aus den Lagern vereinzelt Fälle von Cholera und Hepatitis E gemeldet.

Angesichts der sich weiter verschlechternden Bedingungen fürchtet Ärzte ohne Grenzen die Konsequenzen des von den kenianischen Behörden ausgesprochenen Ausrufs auf die schon jetzt katastrophale medizinische und humanitäre Situation der Flüchtlinge in Dadaab.

Ärzte ohne Grenzen leitet ein Krankenhaus in Dagahaley, einem der fünf Flüchtlingslager von Dadaab. Monatlich führen Teams im Durchschnitt 14.000 ambulante medizinische Behandlungen durch und überweisen 1.000 Patienten direkt ins Krankenhaus. Zurzeit nehmen mehr als 400 akut mangelernährte Kinder am Ernährungsprogramm teil, von denen in dieser Woche 63 besonders schwerwiegende Fälle in die Intensivstation überwiesen wurden.

Vor mehr als einem Jahr, im Oktober 2011, wurden die beiden Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen, Montserrat Serra und Blanca Thiebaut, im Flüchtlingslager Dadaab entführt, während sie der somalischen Bevölkerung Nothilfe leisteten. Sie werden weiterhin gegen ihren Willen festgehalten. Während Ärzte ohne Grenzen bei akuten Krisen nach wie vor aktiv ist, wurden sämtliche Nicht-Notfall-Projekte bis zu ihrer Freilassung eingestellt.