Demokratische Republik Kongo

"Ohne Impfung sterben viele" - Heidi Lehnen hat in Afrika bei Aktionen gegen die Masern mitgewirkt

Die Kinder winken stolz mit ihren Impfkarten.

Die 31-jährige Frau ist stolz darauf, dass ihr Team von "Ärzte ohne Gernzen" trotz schwieriger Umstände im Kongo in 175 Dörfern 79 000 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und 15 Jahren hat impfen können. Von Jochen Barte.

Rissenthal. Die afrikanischen Kinder auf dem Erinnerungsphoto schwenken stolz ihre Impfpässe und lachen die "Musungu" an. Die weiße Frau in der Mitte der Kindertraube strahlt, etwas erschöpft, aber glücklich. Heidi Lehnen, Krankenschwester und Sozialpädagogin aus Rissenthal, fühlt sich sichtlich wohl inmitten der Kinderschar. "Geburten werden in Afrika selten dokumentiert, daher ist der Impfpass in vielen Fällen das einzige Dokument, das die Existenz eines Menschen belegt", erklärt sie. Die 31-jährige war gerade drei Monate lang für "Ärzte ohne Grenzen" in der Demokratischen Republik Kongo, um bei einer Impfaktion gegen Masern zu helfen - ihr zweiter Einsatz in diesem Jahr. Davor war sie in Nigeria und hat dort bei einer Impfkampagne mitgewirkt, ebenfalls drei Monate lang.

Heidi Lehnens Photos dokumentieren eindrucksvoll den Erfolg, aber auch die Schwierigkeiten, die vor Ort zu bewältigen waren: Da mussten Flüsse mittels Brücken überquert werden, die so fragil wirken, dass sie aus einem Indiana-Jones-Film stammen könnten. Pfade verlieren sich im Nichts. Straßen sind nicht erkennbar, wo man hinblickt nur sandige, steinige Pfade und Vegetation, dann plötzlich ein Dorf. Lehnen: "Im Kongo gibt es fast keine Infrastruktur, Wege sind für Fahrräder, nicht für Landcruiser, ausgelegt. Hat man ein Dorf gefunden, muss man sich zum nächsten durchfragen." Auf eines ist Heidi Lehnen ob der schwierigen Umstände stolz: "Dennoch haben wir im Kongo in 175 Dörfern 79 000 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und 15 Jahren impfen können." Das sind nach einer stichprobenartigen Befragung der Bevölkerung gut 90 Prozent der dort lebenden Kinder. Sie betont, dass Impfaktionen unerlässlich seien. "Masern gehören neben Malaria und Unterernährung zu den Hauptursachen der Kindersterblichkeit in Afrika." Anders als in Europa gebe es dort, selbst wenn eine medizinische Versorgung vorhanden sei, keine Medikamente. "Wenn nicht geimpft wird, sterben viele Kinder an Masern."

Mitte 2007 hatte sie sich bei der Organisation beworben, im Frühjahr 2008 stand ihr erster Einsatz an. Lehnen: "Ich musste im April ganz kurzfristig nach Nigeria aufbrechen". Dieser kurze Vorlauf sei der hohen Flexibilität von "Ärzte ohne Grenzen" geschuldet, die Organisation versuche direkt beim Auftreten von Krisen vor Ort zu helfen. "Im Grunde war der Ablauf der beiden Aktionen ähnlich. Im Kongo haben wir in einem Zelt, einem alten Krankenhaus und einer Missionsstation gewohnt. "Unser Team bestand aus Krankenschwestern, Pflegern, Fahrern und Logistikern. Insgesamt hatten wir fünf Impfgruppen, die im Land unterwegs waren. Ich bin jeden Morgen früh mit einem Team von unserem Quartier aus rausgefahren und habe die Impfungen der Kinder in den Dörfern begleitet." Teilweise habe sie die Impfungen vorbereitet, teilweise selbst geimpft. Abends seien die Daten registriert und die Materialien für den nächsten Tag zusammengestellt worden. Die Einsätze hat sie in guter Erinnerung. Die Dorfbewohner hätten sie sofort ins Herz geschlossen. Zwar hätten viele Kinder noch nie in ihrem Leben eine weiße Frau - eine "Musungu" - gesehen und seien deshalb anfangs etwas furchtsam gewesen. Doch habe sie ihnen die Angst durch einfühlsamen Umgang schnell genommen. Sie zeigt ein Bild, auf dem sie den kleinen Jean-Claude auf dem Arm hält. "Er war unterernährt und wurde in einem Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen wieder aufgepäppelt. Eigentlich waren wir zum Impfen da, aber wir haben auch während der Kampagne Oberarmmessungen zur Feststellung von Unterernährung durchgeführt", ergänzt sie. "Insgesamt waren die Aufenthalte in Afrika für mich eine lohnende Erfahrung", resümiert Heidi Lehnen. "Ich werde auf jeden Fall an weiteren Projekten von "Ärzte ohne Grenzen" teilnehmen. Allerdings muss ich im Moment erst mal meine Batterien wieder aufladen, das war alles schon enorm stressig."