Südsudan

Mitarbeiterporträt Sabrina Othman, Ärztin

Die Ärztin Sabrina Othman bei einem kleinen "Sonntagsspaziergang" durch das Flüchtlingslager.

Alter:

31

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Assistenzärztin in der Gynäkologie und Geburtshilfe, Havelland Kliniken, Rathenow

Ausbildung:

Medizinstudium in Bonn; Seminar für Public Health und Tropenmedizin sowie Labordiagnostik, Difäm, Tübingen

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2012 für sechs Monate im Südsudan

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Die Clinical Guidelines von Ärzte ohne Grenzen

Musik, die ich gehört habe:

Amy Winehouse

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Am Anfang unglaublich wechselvoll. Es waren zu diesem Zeitpunkt mehr als 20.000 Flüchtlinge unterwegs. Wir haben sie medizinisch auf ihrem Weg betreut und dafür temporäre Kliniken aufgebaut, wo sie von uns behandelt werden konnten. Patienten, die stationär aufgenommen werden mussten, wurden zum nächsten großen Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen transportiert.

Als diese Flüchtlinge am Zielort ankamen, habe ich in einem anderen Flüchtlingslager mit ca. 30.000 Flüchtlingen gearbeitet, die ca. sechs bis neun Monate davor angekommen waren. Hier war die Sterblichkeitsrate so hoch, dass wir beschlossen haben, drei "Outreach Kliniken" aufzubauen - kleine ambulante Behandlungsstandorte über das Camp verteilt, sodass wir die Flüchtlinge noch besser erreichen konnten.

Langsam waren wir mitten in der Regensaison, und man merkte mit dem Regen und Schlamm, wie schlecht die Lebensbedingung waren, sodass beschlossen wurde, 15.000 Flüchtlinge aus diesem Lager umzusiedeln. In dem für diese Menschen neu errichteten Lager haben wir ein komplett neues Zeltkrankenhaus aufgebaut. Dort war am Anfang kein Tag wie der andere. Wir haben so viel gearbeitet, dass wir bald die ersten Patienten aufnehmen konnten.

Medizinisch hatte ich neben der Geburtshilfe meistens mit Durchfallerkrankungen, Atemwegsinfekten, Malaria, Mangelernährung, Verbrennungen oder Wundversorgung zu tun. Dazu gab es noch einen Hepatitis-E-Ausbruch, was eine besondere Herausforderung war. Ein paar Brucellose-Fälle (Mittelmeerfieber), Meningitis und auch einen insulinpflichtigen Diabetes-Patienten.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Viel Freizeit gab es leider nicht, aber wenn doch, dann habe ich einfach mit dem Team gegrillt, Musik gehört oder auch mal Serien geschaut. Die letzten Wochen wurde es etwas ruhiger und unsere Logistiker bauten einen Volleyballplatz. Das war super! Wir versuchten, zwei Mal in der Woche zum Markt zum Kaffee- oder Teetrinken mit dem ganzen Team zu gehen. Und es gab gelegentliche Partys - egal wie müde man war, das war ein Muss.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Mein Team

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Man hat so viel gearbeitet und war so vom Projekt in Anspruch genommen, dass man tatsächlich nicht mal Zeit hatte, Sachen zu vermissen, außer vielleicht beim Essen: alles, was frisch ist - Salat, Obst und Gemüse.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Auf beruflicher Ebene: mich für den Facharzt in Gynäkologie und Geburtshilfe weiterbilden, und definitiv mich weiter für Ärzte ohne Grenzen engagieren.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Die Menschen, mit denen ich gearbeitete habe und die lieben Flüchtlinge und ihre Freundlichkeit und Frohheit. Medizinisch: Ich wurde von der Hebamme gerufen, weil ein Kind gerade geboren wurde und regungslos war. Ich reanimierte für ca. 15 Minuten, bis es stabile gute Herzaktion zeigte und selbstständig geatmet hat. Für zwei Tage musste das Baby mit der Nasensonde am Sauerstoff bleiben. Zehn Tage musste es noch wegen einer schweren Infektion stationär behandelt werden. Während dieser Zeit hat sich das Kind trotzdem sehr gut entwickelt, und ich konnte Mutter und Kind wohlauf entlassen. Medizinisch war das nichts besonders, aber ich erfuhr dann, dass die Mutter davor schon drei Kinder geboren hatte und alle jeweils entweder tot waren oder kurz nach der Geburt gestorben waren. Für mich persönlich hat sich mein Einsatz allein für diese Mutter gelohnt.