Sierra Leone

Mitarbeiterporträt Dr. Martin Frank, Gynäkologe

Sein zweiter Einsatz für Ärzte ohne Grenzen führte den Gynäkologen Martin Frank nach Sierra Leone.

Alter:

53 Jahre

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Asklepios Klinik Altona in Hamburg

Ausbildung:

Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Diplom-Pädagoge, Diplom in "Tropical Medicine and Public Health"

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

  • 2012 für zwei Monate in Indien (Nagaland)
  • 2012 für 1,5 Monate in Sierra Leone

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

"The Glass Palace" von Amitav Ghosh

Musik, die ich gehört habe:

"Within My Walls" (The Idan Raichel Project), "Snowfall On The Sahara" (Natalie Cole), "Gravity At Last" (Ayo), "Down The Way" (Angus and Julia Stone) und viele andere

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Arbeiten, essen, schlafen, arbeiten, essen, schlafen, … Im Ernst, der Einsatz in Sierra Leone war anstrengend und intensiv, aber auch sehr schön. Nach der morgendlichen Visite bei den 20-30 Patientinnen unserer Frauenklinik war ich hauptsächlich im Kreißsaal und im OP im Einsatz. Da wir in einem sogenannten Referral Center arbeiteten, bekamen wir ausschließlich gynäkologische und geburtshilfliche Notfälle eingeliefert. Wir versorgten vor allem schwangere Frauen nach langen erfolglosen Geburtsverläufen von außerhalb, mit verschleppten Querlagen, mit Uterusrupturen, mit lebensbedrohlichen Blutungen und schwersten Infektionen sowie mit schwangerschaftsbedingten Krampfanfällen. An manchen Tagen führte ich neben zahlreichen kleineren operativen Eingriffen nicht selten bis zu sieben Kaiserschnitte durch.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Wir hatten aufgrund der angespannten politischen Situation zur Zeit der Wahlen in Sierra Leone, aus Sicherheitsgründen während meiner sechs Wochen leider fast immer Ausgehsperre. Aber ich spielte auch sehr gerne mit unserem Hausäffchen Chico (er liebte es, mich zu "lausen" und ich fütterte ihn großzügig mit Bananen), schrieb Tagebuch, las ein bisschen und genoss das gemeinsame abendliche Essen und die spannenden und entspannenden Gespräche in unserer 6-köpfigen internationalen Projektmitarbeiter-WG.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die Arbeit im Team mit Hebammen und Schwestern.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Italienisches Essen

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich werde auf jeden Fall regelmäßig weiter in Projekten von Ärzte ohne Grenzen arbeiten.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Das Lächeln einer jungen Patientin, die eigentlich schon verblutet war, die wir aber gerade noch retten konnten.