Nigeria

Mitarbeiterporträt Anike Schirmer, Krankenschwester

Die Krankenschwester Anike Schirmer spricht mit einer jungen Patientin.

Alter:

35 Jahre

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Beraterin für Qualitätssicherung in einer ambulanten Einrichtung

Ausbildung:

Studium Public Health (B.A.)

Gesundheits- und Krankenpflegerin

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2012/2013 war ich für acht Monate als Outreach Nurse in Nigeria

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

"Der Duft der Farben" von Preethi Nair, "Belishs Garten" von Lilian Noetzel und einiges von meinem Lieblingsautor Haruki Murakami.

Musik, die ich gehört habe:

Durch die unterschiedlichsten Nationalitäten im Projekt hatten wir eine wunderbar große Auswahl an Musik. Meine persönlichen Favoriten während des Einsatzes waren: James Morrison, P- Square, John Legend und Nneka.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Das Projekt, in dem ich war, hat sich auf die medizinische Behandlung von Kleinkindern mit Bleivergiftung spezialisiert. In der Region wird Gold geschürft, welches sich in bleihaltigem Erz befindet. Durch den Goldgewinnungsprozess werden Bleipartikel freigesetzt und besonders von Kleinkindern in lebensbedrohlichem Maße vom Körper aufgenommen. Die Dörfer sind schlichtweg vergiftet und medizinische Interventionen können erst nach kompletter Dekontaminierung durch eine Spezialfirma stattfinden.

Ich war für sieben Dörfer verantwortlich, in denen von Ärzte ohne Grenzen ambulante Kliniken eingerichtet wurden. Je nachdem in welche Klinik ich gefahren bin, sah mein Berufsalltag anders aus. Gerade in der Regenzeit war es eine große Herausforderung per Auto und/oder per Boot zu den Kliniken zu gelangen. Manchmal mussten wir sogar zurückkehren, weil es unmöglich war die Dörfer zu erreichen.

Am Morgen sind wir mit einem ca. 10-köpfigem Team von nationalen Gesundheitshelfern und -erziehern, Ärzten und Labor- Assistenten in eine der Kliniken gefahren und haben nach Aufbau des Equipments sofort mit der Versorgung der Patienten begonnen. Die Behandlung von Bleivergiftungen ist komplex und kann Jahre dauern. Den Kindern musste sehr oft Blut abgenommen werden, um dann entsprechend der Werte die Medikamente anzupassen. Die Erhebung von epidemiologischen Daten zum Therapieverlauf hatte einen großen Stellenwert im Projekt. Auch die regelmäßige körperliche Untersuchung der Kinder war nötig, um organische Schäden durch das Blei frühzeitig zu erkennen. Parallel zu der Blutabnahme und Medikamentenausgabe, wurden die Eltern über Präventionsmahnahmen (z.B. "Sicheres Goldschürfen" und Malariaschutz) informiert. Je nach Klinik konnten wir täglich zwischen 40 und 180 Patienten versorgen. Die schweren Fälle mussten wir zum Stabilisieren auf unsere Krankenstation in der Stadt überweisen. Neben der Bleivergiftung haben wir die kleinen Patienten auch gegen Malaria, Mangelernährung, Durchfälle und Atemwegsinfektionen behandelt.

Nach dem Kliniktag habe ich meist den nächsten Tag mit den Kollegen geplant, Medikamentenbestellungen gemacht, Berichte geschrieben, Fortbildungen geplant und den Tag mit einem Besuch auf der Krankenstation beendet.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Die Freizeitmöglichkeiten waren sehr eingeschränkt und meistens habe ich mit meiner Familie und Freunden telefoniert oder Filme angesehen. Samstagabends haben wir oft mit dem ganzen Team gegrillt und getanzt.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Am meisten habe ich die positive und fröhliche Grundeinstellung der nationalen Mitarbeiter geschätzt.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Gemüse und das Zusammensein mit den Liebsten gerade an Tagen wie Geburtstag oder Weihnachten.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Nach einer kurzen Pause möchte ich wieder in ein Projekt gehen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Am schönsten waren die teils langen Heimfahrten von den Kliniken mit dem Team. Besonders an Tagen, an denen wir viele Patienten behandeln konnten, waren wir alle erschöpft aber glücklich.