Haiti

Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr, um Erdbebenopfer zu versorgen

Im Choscal Krankenhaus wird seit Freitag morgen rund um die Uhr operiert.

In den chirurgischen Einrichtungen, die Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince eingerichtet hat, arbeiten die Mitarbeiter rund um die Uhr, um die immense Zahl der durch das Erdbeben verwundeten Menschen zu behandeln. Die Priorität liegt auf den schweren Fällen - das Team hat bereits Kaiserschnitte und Amputationen durchgeführt. Erfahrene Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sagen, dass sie noch nie so viele schwere Verletzungen auf einmal gesehen haben.

Im Choscol-Krankenhaus, in das Ärzte ohne Grenzen umgezogen ist, da die ursprünglichen Einrichtungen zerstört wurden, wird seit dem frühen Freitag durchgehend im Operationssaal gearbeitet. Auf dem Gelände des zerstörten Trinité Krankenhauses behandeln die Mitarbeiter Patienten unter Zeltplanen und in einem improvisierten Operationssaal. Im Distrikt Carrefour, der schwer vom Erdbeben getroffen wurde, hat Ärzte ohne Grenzen ebenfalls angefangen in einem Krankenhaus mit zwei Operationssälen zu arbeiten.

Hans van Dillen, einer der Landeskoordinatoren von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince sagt, dass die Menschen sofort darauf reagiert haben. "Als die Menschen gesehen haben, dass wir damit begonnen haben, in Carrefour zu arbeiten, bildeten sich am Eingang Schlangen. Patienten wurden in Schubkarren gebracht oder von Menschen auf dem Rücken hergetragen. Es gibt in der Gegend andere Krankenhäuser, aber die sind bereits mit verletzten Menschen überfüllt, und die Anzahl haitianischer Mitarbeiter und der Vorrat an medizinischem Material sind begrenzt."

70 zusätzliche Mitarbeiter sind eingetroffen

Es ist weiterhin problematisch, zusätzliche Gebäude zu finden, in denen Ärzte ohne Grenzen arbeiten kann. Zudem ist es immer noch schwierig, weitere Mitarbeiter und mehr Material ins Land zu bekommen. Das größte Problem ist der Engpass am Flughafen. Viele Frachtflugzeuge mussten umkehren. Die fehlende Landegenehmigung hat dazu geführt, dass das Frachtflugzeug mit dem aufblasbaren Krankenhaus bereits 24 Stunden Verspätung hat.

Ärzte ohne Grenzen hat es geschafft, mehr als 70 zusätzliche internationale Mitarbeiter nach Port-au-Prince zu holen, die meisten sind über die Dominikanische Republik angereist. Durch sie bekommen die 30 internationalen Mitarbeiter, die seit dem Erdbeben durchgearbeitet haben, allmählich etwas Entlastung.

Mobile Hilfe und psychologische Unterstützung

Die Teams machen sich wegen des Mangels an Nahrungsmitteln und Wasser große Sorgen, da er zu Spannungen in der Stadt führt. Bislang gibt es nur wenig Anzeichen dafür, dass einer Verteilung von Hilfsgütern stattfindet. Die Berichte über Plünderungen, die aber nicht von Gewalt begleitet sind, nehmen zu.

Ärzte ohne Grenzen weitet die Aktivitäten schnell aus, und als nächstes werden Gebiete der Stadt erkundet, in denen große Not befürchtet wird. Die Mitarbeiter hoffen, in Kürze weitere medizinischen Aktivitäten starten zu können, um die großen Bedürfnisse zu lindern. Mobile Teams sollen in solchen Regionen mit der Arbeit beginnen, in denen es keine funktionierenden Gesundheitseinrichtungen gibt. Außerdem soll psychologische Hilfe für die traumatisierten Menschen angeboten werden.

Die Organisation versucht noch immer, haitianische Mitarbeiter ausfindig zu machen, von denen bislang keine Nachricht vorliegt, und macht sich große Sorgen über deren Wohlbefinden. Es ist inzwischen leider auch klar, dass einige der haitianischen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen die Katastrophe nicht überlebt haben.