Griechenland

Migranten auf der Insel Lesbos werden schlecht versorgt

Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisiert, dass die Lebensbedingungen für Migranten in einem Lager auf der griechischen Insel Lesbos (Mytilini) inakzeptabel sind und die Menschen nicht angemessen medizinisch versorgt werden. Seit Anfang Juni 2008 betreut die Organisation dort ein Projekt, um den Menschen medizinische, psychosoziale und humanitäre Hilfe zukommen zu lassen.

Die Situation wird dadurch erschwert, dass die Behörden es nicht schaffen, die Infrastruktur auch nur minimal zu verbessern. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben zudem Schwierigkeiten, Zugang zu den Patienten zu erhalten und angemessene humanitäre Hilfe zu leisten. Das Lager, das offiziellen Angaben zufolge für rund 400 Personen angelegt ist, beherbergt zurzeit etwa 800 Menschen.

Für die Diagnose, die nachfolgende Therapie und möglicherweise die Überweisung an Spezialisten ist es wichtig, Menschen in Not medizinisch zu untersuchen. Da die Lebensbedingungen sich zunehmend verschlechtern, ruft Ärzte ohne Grenzen alle beteiligten Behörden auf, sofort aktiv zu werden.

Eine Latrine für hundert Menschen

"Die Migranten leben in Räumen, in denen das Wasser steht. Sie verfügen über zu wenige Duschen, und es gibt nur eine funktionierende Latrine für hundert Menschen. Das Lager ist in den letzten zwei Monaten zudem nicht ausreichend gesäubert worden und die Insassen dürfen ihre Räume nur selten verlassen. Die Angestellten des Internierungslagers sind nicht autorisiert, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Die Regeln sehen vor, dass die Migranten in ihren Abteilungen eingeschlossen bleiben, ohne dass sie für ihre persönliche Hygiene sorgen oder sich vor ansteckenden Krankheiten schützen können", erklärt Yiorgos Karayiannis, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland.

Ärzte ohne Grenzen leistet Basisgesundheitsversorgung und psychosoziale Unterstützung für die Migranten. Bislang haben die Mitarbeiter etwa 550 Menschen auf Lesbos medizinisch versorgt. Gleichzeitig haben sie Hygieneartikel verteilt, Latrinen und Duschen gebaut. Allerdings haben sie keinen ungehinderten Zugang zu den Patienten, um diejenigen zu versorgen, die Hilfe benötigen.

Ärzte ohne Grenzen fordert die Behörden auf, umgehend die Aufnahmebedingungen für Migranten in Übereinstimmung mit internationalen Konventionen zu verbessern und ihnen Zugang zum nationalen Gesundheitssystem zu ermöglichen. Der freie Zugang zu hilfebedürftigen Menschen ist zudem unerlässlich für eine unabhängige medizinische, humanitäre Hilfe.

Hilfe auch direkt an der Anlegestelle

Seit vergangener Woche ist ein Team aus Ärzten und Psychologen auch täglich an der Anlegestelle präsent, an der die Migranten per Boot ankommen. Ein anderes Team besucht regelmäßig das Aufnahmezentrum für unbegleitete Minderjährige in Ayassos. Ärzte ohne Grenzen arbeitet in Griechenland zudem im Transitlager für Migranten in der Stadt Patras. Auch dort bieten die Teams Basisgesundheitsversorgung und psychosoziale Hilfe an. Sie erkunden darüber hinaus, ob es möglich ist, auch in den Internierungslagern in den Regionen Evros und Rhodopi Hilfe zu leisten.

Ähnliche Projekte von Ärzte ohne Grenzen für Migranten laufen auch in Spanien und Italien sowie in Asien und Afrika.