Somalia: Die humanitäre Krise spitzt sich zu

Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008

In Mogadischu warten Menschen auf die Ausgabe von Nahrungsmitteln.

Im Jahr 2008 erlebten die ohnehin schon um ihr Überleben kämpfenden Somalier einige der schwersten Gewaltausbrüche seit über einem Jahrzehnt. Insbesondere im Zentrum und im Süden des Landes haben sich die Lebensumstände noch einmal verschlechtert. Jede zehnte Frau stirbt im Wochenbett, mehr als jedes fünfte Kind vor seinem fünften Lebensjahr. Die ohnehin dramatische Mangelernährung der Kinder hat sich durch explodierende Lebensmittelpreise und eine anhaltende Dürre im Land noch verschlimmert.

Bei heftigen Gefechten in einem der dichtest besiedelten Viertel der Hauptstadt Mogadischu sind viele Zivilisten verletzt und Tausende aus ihren Häusern vertrieben worden. Ärzte ohne Grenzen behandelte von Januar bis Ende November fast 2.300 Menschen, die durch Mörsergranaten und Kugeln verwundet wurden.

Insgesamt sind seit Ausbruch der Kämpfe zwischen Truppen der Übergangsregierung und verschiedenen bewaffneten Gruppen im Dezember 2006 nach Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) etwa eine Million Somalier auf der Flucht. Auf der Straße von Mogadischu nach Afgooye leben mehr als 250.000 Vertriebene unter erschreckenden Bedingungen. Seit Januar hat Ärzte ohne Grenzen hier mehr als 9.500 mangelernährte Kinder versorgt. Die Bevölkerung ist weitestgehend auf Lebensmittellieferungen angewiesen. Die Hilfen geraten jedoch immer wieder ins Stocken.

Andere gehen extreme Risiken ein, um außer Landes zu gelangen, hauptsächlich nach Kenia. Laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk leben derzeit 200.000 Flüchtlinge in drei kenianischen Lagern. Kürzlich sind 35.000 weitere dort angekommen. Unter lebensgefährlichen Umständen versuchen wieder andere den Golf von Aden mit Booten in den Jemen zu überqueren. Im Jahr 2008 haben nach UN-Angaben 43.500 Menschen diese gefährliche Reise gewagt. Im Süd-Jemen versorgte Ärzte ohne Grenzen seit Anfang 2008 mehr als 8.000 ankommende Bootsflüchtlinge.

Für Hilfsorganisationen ist es in Somalia inzwischen fast unmöglich zu arbeiten. Gezielter Angriffe auf Mitarbeiter haben stark zugenommen, bis hin zu Mord und Entführungen. Anfang 2008 wurden drei Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in der Hafenstadt Kismayo bei einem Anschlag getötet. Alle internationalen Mitarbeiter mussten das Land verlassen. Die Projekte laufen dank der großen Unterstützung durch die somalischen Kollegen größtenteils weiter. Das Projekt in Kismayo, ein Gesundheits- und Ernährungsprogramm in Bossasso und die Aktivitäten in einem Krankenhaus in Mogadischu wurden aus Sicherheitsgründen eingestellt.