Demokratische Republik Kongo

"Leere Dörfer umgeben uns" - Tausende fliehen vor Kämpfen in der Provinz Katanga

Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Mai-Mai-Milizen in der ostkongolesischen Provinz Katanga halten an: Sie zwingen Tausende, ihre Häuser zu verlassen und sich in Todesangst zu verstecken. Etwa 500 Menschen hatten vorübergehend Zuflucht auf dem Gelände des Krankenhauses von Ärzte ohne Grenzen in Shamwana gesucht. Rund um Shamwana verstecken sich zudem Tausende weit ab der Durchgangsstraßen auf den Feldern. "Leere Dörfer umgeben uns", erzählt der Arzt Dr. Thomas Mollet: "Die Menschen haben furchtbare Angst".

Auf der Flucht sucht die Bevölkerung aus Angst keine medizinische Hilfe: "Im Krankenhaus von Shamwana sehen wir einen Rückgang der Patientenzahlen", so Dr. Mollet. Doch die medizinischen Folgen sind oft schwerwiegend, wenn die Menschen den Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung verlieren. Kleine Kinder und schwangere Frauen sind besonders gefährdet: Wenn sie krank werden oder wenn es bei einer Geburt zu Komplikationen kommt, dann brauchen sie schnell medizinische Hilfe.

"Wir sehen Patienten, die erst in einem sehr späten Stadium ihrer Erkrankung ankommen", so Dr. Mollet. "Oft befinden sie sich schon in einem lebensbedrohlichen Zustand und müssen sofort in die Notfallversorgung". Vergangene Woche starb zum Beispiel ein Kind an schwerer Malaria, weil es zu spät in das Krankenhaus kam.

Die Patientin hatte zu viel Angst

Die Teams behandelten auch eine schwangere Frau, die seit Tagen in den Wehen lag - aber zu viel Angst vor der Reise hatte: "Sie kam aus einem kleinen Dorf namens Kilenge", erzählt die Ärztin Dr. Susanna Ericsson, die zurzeit für Ärzte ohne Grenzen in Shamwana arbeitet und bei der Behandlung dabei war. "Der nächste Gesundheitsposten ist rund 25 Kilometer von Kilenge entfernt - aber dort arbeitet schon seit Langem niemand mehr: wegen der andauernden Kämpfe und weil es in dieser Region ohnehin nicht ausreichend medizinisches Personal oder Medikamente gibt", so Dr. Ericsson.

Die Patientin hatte zu Hause Unterleibsschmerzen bekommen und machte sich Sorgen, weil ihre Schwangerschaft weit fortgeschritten war. Sie suchte die Hilfe einer traditionellen Geburtshelferin und eines Heilers - doch nach vier Tagen war ihr Baby noch immer nicht geboren. Die Familie war sehr besorgt und brach schließlich nach Shamwana auf, um die Patientin in das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen zu bringen.

Sie brauchten 48 Stunden zu Fuß, um das Krankenhaus zu erreichen

"Die Familie transportierte die junge Frau auf einem Fahrrad", erzählt Dr. Ericsson. "Zehn Männer und vier Frauen kamen zum Schutz mit, denn die Straßen gelten als unsicher und die Familie hatte Angst vor Überfällen". Das Team von Ärzte ohne Grenzen brachte die Patientin sofort in die Notfallchirurgie. Ein schwerer Infekt hatte sich in ihrem Körper ausgebreitet; ihr Baby war bereits gestorben. "Ohne unsere Notfalloperation hätte auch die Frau sicher nicht überlebt", so Ericsson.

Die Kämpfe schränken die Hilfe rund um Shamwana ein

Die Kämpfe schränken auch die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in der Region rund um Shamwana ein: Einige unserer kongolesischen Mitarbeiter mussten ihre Posten verlassen und fliehen. Die Gesundheitszentren von Ärzte ohne Grenzen in Monga und Kishale wurden geplündert, Sonnenkollektoren von dem Dach gestohlen. Das Team ist bemüht, die verbleibenden Gesundheitsposten in der Gegend mit Medikamenten auszustatten, damit diese weiterarbeiten können.

Ärzte ohne Grenzen betreibt seit Mai 2006 das Referenzkrankenhaus in der Stadt Shamwana und bietet der Bevölkerung dort und in den Regionen Kiambi, Mitwaba und Kilwa kostenlose Gesundheitsversorgung. Die Teams behandeln Malaria, Tuberkulose, HIV/Aids sowie Mangelernährung und bieten Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe an ebenso wie Notfallchirurgie und psychologische Betreuung.