Demokratische Republik Kongo

Kämpfe dauern an - Ärzte ohne Grenzen verstärkt Hilfe für Vertriebene und Flüchtlinge

Während die Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen in Nordkivu weitergehen, verstärkt Ärzte ohne Grenzen die Hilfe für die durch den Konflikt Vertriebenen und die Lokalbevölkerung. Der wieder aufgeflammte Konflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat die ohnehin großen medizinischen Nöte weiter verschärft. Zehntausende sind auf der Flucht und leben in Lagern ohne ausreichende Nahrungsversorgung, oder sie finden Aufnahme in Familien, deren Vorräte nicht einmal für deren eigene Bedürfnisse reichen. Zudem halten sich tausende Flüchtlinge im Nachbarland Uganda auf, wo Ärzte ohne Grenzen ihnen hilft.

Viele Menschen in Nordkivu sind ausschließlich auf Nahrungsmittelverteilungen von Hilfsorganisationen angewiesen und die Unterernährung bei Kindern ist mittlerweile besorgniserregend hoch. Aus Sicherheitsgründen können sich die Teams von Ärzte ohne Grenzen nur schwer bewegen, immer wieder müssen die Mitarbeiter zeitweise evakuiert werden. Es kam darüber hinaus zu Plünderungen von Gesundheitszentren und mobilen Kliniken.

Ärzte ohne Grenzen verteilt weiterhin Medikamente und medizinische Materialien, kümmert sich um unterernährte Kinder und versorgt die Opfer der gewaltsamen Kämpfe. So wurde am 10. November eine Ortschaft im Masisi Distrikt angegriffen. Dort unterstützt Ärzte ohne Grenzen ein Gesundheitszentrum und eine Klinik. Sieben Zivilisten wurden getötet und sechs verwundet. Am 13. November kam es in der Umgebung des Lagers Mugunga nahe der Stadt Goma zu Kämpfen, vor denen die Bewohner des Lagers fliehen mussten. Als sie zurückkehrten, fanden sie ihre Notunterkünfte systematisch geplündert, es fehlten auch ihre Plastikplanen, ihr einziger Schutz gegen Regen und Wind.

Aktivitäten in Nordkivu im Überblick (Auszug):

Ärzte ohne Grenzen arbeitet momentan in den Distrikten von Rutshuru, Masisi, Lubero, Walikale und Goma, mit 425 nationalen und 45 internationalen Mitarbeitern. Die Organisation arbeitet seit 1981 in der Demokratischen Republik Kongo.

Rutshuru: Ein Team leistet im 200-Betten Referenzkrankenhaus von Rutshuru Gesundheitsversorgung und führt Operationen durch. Das Team kümmert sich insbesondere um die Versorgung der Opfer von sexueller Gewalt. Für Tausende von Vertriebenen, die weiterhin auf der Flucht sind, haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen im September drei verlassene Gesundheitszentren wiedereröffnet und leisten mit mobilen Kliniken medizinische Basisversorgung. Nach einem Ausbruch von Masern im Rutshuru Distrikt startete ein Team Mitte November eine Impfkampagne, die jedoch wegen der anhaltenden Gewalt kurzfristig ausgesetzt werden musste.

Masisi: Als Reaktion auf die Ausbrüche von Gewalt und Vertreibungen, eröffnete Ärzte ohne Grenzen Ende August ein neues Projekt in Masisi, 80 km westlich von Goma. Anfänglich leistete das Team chirurgische Notversorgung für Verwundete. Das Team verbesserte die Kapazität der Klinik und kümmerte sich um sanitäre Anlagen und die Verbesserung der Wasserversorgung.

Im Oktober startete Ärzte ohne Grenzen ein Ernährungsprogramm, da zehn Prozent der Kinder unter fünf Jahren in Masisi unterernährt sind.

Seit dem Start der Aktivitäten in Mweso im Februar 2007 mussten die Teams ihre Aktivitäten mehrfach stoppen, da die Sicherheitslage zu angespannt war. Soweit es die Sicherheitslage erlaubt, versorgen Teams unterernährte Kinder über mobile Kliniken, leisten medizinische Basisversorgung und verteilen Medikamente und Material in der Umgebung von Mweso und Kitchanga. Ärzte ohne Grenzen unterstützt auch eine kongolesische Organisation bei der medizinischen Versorgung und Beratung von Opfern sexueller Gewalt.

Goma: Rund 45.000 Menschen sollen in Vertriebenenlagern in der Umgebung von Goma leben. Einige Tausende Vertriebene fanden Zuflucht bei Familien. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium behandelt und kontrolliert Ärzte ohne Grenzen Patienten mit Cholera. Es gab einen Anstieg von Fällen der Infektionskrankheit in diesem Jahr, da die Menschen in den Vertriebenenlagern sehr beengt und unter schlechten hygienischen Bedingungen leben. Im September wurde ein Cholera-Behandlungszentrum zwischen den vier größten Vertriebenenlagern eröffnet, bis heute wurden 1.100 Menschen behandelt.

Nyakabanda (Uganda): Im Oktober startete ein Team ein neues Projekt im Flüchtlingslager von Nyakabanda in Uganda. Dort leistet ein Team medizinische Nothilfe für etwa 13.000 Menschen, die vor den gewaltsamen Kämpfen aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo geflüchtet sind. Ärzte ohne Grenzen ist die einzige medizinische Nothilfeorganisation vor Ort. In erster Linie behandeln die Teams Durchfall- und Atemwegserkrankungen und unterstützten die lokalen Gesundheitsbehörden dabei, 5030 Kinder gegen Masern und Polio zu impfen.