Lesotho

Humanitäre Hilfe ist ihr wichtiger als Karriere - Tesperin Dr. Manuela Rehr engagiert sich für HIV-Projekt in Lesotho

Manuela Rehr

off Tespe. Die Entscheidung fällt im zweiten Untergeschoss der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Manuela Rehr steht im Hochsicherheitslabor, sie steckt mitten in der Promotion, forscht zu HIV. Als Mikrobiologin mit Doktortitel könnte sie Karriere machen, nach einigen Jahren an der Hochschule einen gut bezahlten Posten in einem Forschungslabor anstreben. Doch irgendwann bei ihrer Arbeit in dem modernen Kellerlabor entscheidet sich die Tesperin für einen anderen Weg - sie promoviert und steht dennoch wenig später als Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen in einem kleinen Labor mit Wassertank im afrikanischen Lesotho. Zehn Monate hat die schlanke Mikrobiologin mit dem kurzen blonden Haar und den großen blauen Augen in dem kleinen Dorf Morija verbracht, 40 Kilometer von der Hauptstadt Maseru entfernt. Dort hat sie an der Verbesserung der HIV- und Tuberkulose-Tests gearbeitet. An jenem Tag im Labor der Züricher Hochschule hat sie sich entschieden, einem Gefühl zu folgen, das sie unterschwellig schon viele Jahre lang begleitete - "in meinem Leben etwas Relevantes zu tun." Inzwischen ist die 30-Jährige zurück in Tespe. "Das Wiedersehen mit Familie und Freunden war schön", sagt sie.

Dennoch ist der Frau die Heimkehr schwer gefallen. "Viel schwerer als das Einleben in Lesotho." Dr. Manuela Rehr hat sich wohlgefühlt in dem afrikanischen Königreich, "ich würde sogar sagen zuhause". Mit zwei Krankenschwestern aus Südafrika und Simbabwe lebte sie

in einem kleinen Haus mit Garten, es gab Strom, "hin und wieder auch fließend Wasser". Die Arbeit machte der Mikrobiologin Spaß. "Man hat sofort gesehen, wofür man etwas tut." Rund 29 Prozent der Bevölkerung sind mit dem HI-Virus infiziert. "Das ist nach Botswana und Swasiland die dritthöchste Rate weltweit", erklärt Dr. Manuela Rehr. Gemeinsam mit dem Ärzte-Team war sie auch in abgelegenen Gegenden unterwegs, besichtigte die Arbeit der kleinen Gesundheitszentren. Sie erlebte, wie Patienten die Diagnose "HIV positiv" erhielten, sah Reaktionen, die von tiefer Verzweiflung bis zu gefasster Sachlichkeit reichten. Angst, sich selbst zu infizieren, hatte die 30-Jährige nicht, vertraute stets auf die umfassenden Sicherheitsmaßnahmen. Den Schrecken verloren hat das Virus für sie dennoch nicht. "Die Folgen sind und bleiben dieselben, egal wie intensiv man sich damit auseinandersetzt." Zu Ende bringen konnte Dr. Manuela Rehr ihre Arbeit in dem Labor in Morija nicht. "Das ist ein umfassendes Forschungsprojekt, das nun andere weiterführen", erklärt sie. "Trotzdem ein schönes Gefühl, einen Teil geleistet zu haben." Die 30-Jährige versteht sich nicht als besserer Mensch, nicht als etwas Besonderes. "Ich will mit meiner Arbeit einfach etwas bewirken und dabei nah an der Realität sein." In Lesotho hat die Mikrobiologin gefunden, wonach sie sich gesehnt hatte. "Die Arbeit dicht am Menschen hat mich zufrieden gemacht." Ende April fliegt sie wieder nach Afrika - zu ihrem nächsten Einsatz für Ärzte ohne Grenzen in Kenia. Den klassischen Karriereweg kann sich die Tesperin für sich nicht vorstellen. Dr. Manuela Rehr hat sich für ihr Gefühl entschieden - zumindest vorerst. "Eine Entscheidung, die ich keine Sekunde lang bereut habe."