Sudan

Heftige Kämpfe im Süden des Landes haben zu Hunderten Toten und Tausenden Vertriebenen geführt

Ärzte ohne Grenzen versorgt Verletzte nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen verschiedener Stämme im Südsudan.

Seit Februar 2009 haben die Stammeskämpfe in den Regionen Jonglei, Upper Nile und den Lakes und Warrap Staaten im Südsudan stark zugenommen. Ärzte ohne Grenzen behandelt Hunderte Verletzte. Auch in anderen Regionen leisten die Mitarbeiter Hilfe.

Im Mai gab es einen Angriff auf das Dorf Torkej im Staat Upper Nile. Ärzte ohne Grenzen hat ein Krankenhaus in der nahe gelegenen Stadt Nasir, in dem die verletzten Menschen behandelt wurden. Insgesamt kamen 57 Verletzte aus Torkej in das Krankenhaus. Viele Patienten hatten Schusswunden, die chirurgisch behandelt werden mussten. Die Mehrheit der Patienten waren Frauen und Kinder.

In den Landkreisen Pibor und Akobe im Staat Jonglei kam es im März und April zu zwei weiteren brutalen Kämpfen. Mehr als 15.000 Menschen sind vor der Gewalt in die Stadt Akobe südlich von Nasir nahe der äthiopischen Grenzen geflohen. Ärzte ohne Grenzen hat ein Team nach Akobe geschickt, um die Mitarbeiter im Krankenhaus zu unterstützen und Medikamente, Mosquitonetze, Nahrung und Decken zur Verfügung zu stellen.

In Lekwongole im Landkreis Pibor auf der anderen Seite des Staates Jonglei hat ein anderes Team von Ärzte ohne Grenzen nach schweren Kämpfen Verletzte in das Krankenhaus in der Stadt Pibor evakuiert. Die Mitarbeiter haben mehr als 40 Patienten mit Schusswunden behandelt, die unter Schock standen. 22 weitere Patienten mit sehr schweren Verletzungen wurden für Notoperationen in die Städte Juba und Boma geflogen.

Dörfer an der Grenze zu Kongo angegriffen

Angriffe der ugandischen Rebellengruppe Lord's Resistance Army (LRA) nahe der kongolesischen Grenze und auch in Kongo selbst haben Ende 2008 dazu geführt, dass Tausende Sudanesen aus ihrer Heimat fliehen mussten und kongolesische Flüchtlinge im Sudan Zuflucht gesucht haben. Ärzte ohne Grenzen hat daraufhin zwei Gesundheitszentren in den Orten Gangura und Sakura im Staat Western Equatorial nahe der kongolesischen Grenze errichtet.

Nach weiteren Flüchtlingsströmen im Januar 2009 hat Ärzte ohne Grenzen entschieden, im Staat Western Equitorial einen Nothilfeeinsatz zu starten. Mobile Teams unterstützen in den Orten Ezo, Naandi und Makpunda Gesundheitszentren. Sie bieten psychologische Hilfe und ein Ernährungsprogramm an und bilden Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums aus. Außerdem haben sie medizinisches und logistisches Material dorthin geliefert.

Die Organisation hat im Februar auch im benachbarten im Gebiet Lasu im Staat Central Equatorial nahe der kongolesischen Grenze begonnen, kongolesische Flüchtlinge zu unterstützen. Mitarbeiter haben Unterkünfte, Duschen und Latrinen gebaut und Brunnen repariert. Im März hat Ärzte ohne Grenzen zusätzlich einen Gesundheitsposten und eine Apotheke eingerichtet. Gesundheitsaufklärer wurden eingestellt, um die Flüchtlinge über Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria und Durchfall zu informieren. Mehr als 1.600 Kinder wurden gegen Masern geimpft.

Medizinische Hilfe auf allen Ebenen

Die Aktivitäten gehen auch in anderen Teilen des Sudan/Darfur weiter. Ärzte ohne Grenzen ist in vielen Regionen oft die einzige internationale Organisation, die medizinische Unterstützung leistet. In der Stadt Aweil im Staat Bahr-el-Ghazal unterstützen die Mitarbeiter ein Krankenhaus. Der Schwerpunkt liegt auf der Mutter- und Kind-Versorgung. In der umkämpften Stadt Abyei im Staat Warrap hat Ärzte ohne Grenzen ein Krankenhaus und mobile Teams, die ein Ernährungsprogramm durchführen. Seit Beginn des Jahres wird in der Region um Abyei darüber hinaus Schwangerschaftsvorsorge und Geburtshilfe angeboten.

Weitere Mitarbeiter leisten in den Städten Pieri, Lankien und Pibor im Staat Jonglei; in der Stadt Nasir im Staat Upper Nile und in der Stadt Leer im Staat Unity umfassende medizinische Hilfe. Die Teams haben im Jahr 2008 mehr als 360.000 ambulante und 8.300 stationäre Patienten und nahezu 20.000 Schwangere behandelt und mehr als 1.000 Operationen durchgeführt. 492 Patienten haben im Jahr 2008 Medikamente gegen Tuberkulose bekommen, 25.500 Malariapatienten wurden verzeichnet. Bereits in den ersten vier Monaten im Jahr 2009 hat Ärzte ohne Grenzen 14.000 Malariapatienten behandelt. Darüber hinaus hat Ärzte ohne Grenzen auf Masern-, Cholera- und Malaria-Epidemien reagiert. Alleine im Februar hat Ärzte ohne Grenzen in der Region Kapoeta im Staat Eastern Equatoria z. B. mehr als 65.000 Menschen gegen Meningitis geimpft.