Haiti

Glückstädter hilft Erdbebenopfern - Jörn Marder baute im Auftrag von "Ärzte ohne Grenzen" Logistik in Haiti auf.

(Glückstadt/Haiti) "Wenn du weißt, dass der riesige Schutthaufen vor dir mal eine Schule gewesen sein soll, wo mehrere tausend Schüler drin waren, ist das sehr erschreckend. Ansonsten darf man das ganze Leid nicht so nah an sich heranlassen, das ist Selbstschutz", sagt Jörn Marder. Nach dem Erdbeben in Haiti flog der gebürtige Glückstädter mit "Ärzte ohne Grenzen" dorthin - er wollte helfen. Das Erdbeben mit einer Stärke von 7,0 hatte die haitianische Hauptstadt am 12. Januar verwüstet.

Jörn Marder ist Inhaber einer Firma für Veranstaltungstechnik. Er ist hauptsächlich in den Bereichen Projekt- und Montageleitung sowie Kalkulation tätig. Sein Organisationstalent nutzt er für den guten Zweck: Auf Haiti arbeitete er zunächst als Logistiker in einem Team von fast 1.000 Leuten. Das Projekt von Ärzte ohne Grenzen aus Belgien, das er begleitete, hatte die chirurgische Versorgung von Schwerverletzten übernommen. "Hauptsächlich waren Chirurgen, Anästhesisten, Psychologen, Krankenschwestern und Logistiker dabei", sagt der 49-Jährige. Logistiker sorgen hauptsächlich für die richtige Organisation, so dass die Mediziner arbeitsfähig sind.

Zu Jörn Marders Aufgaben gehörte es zum Beispiel, Medikamente, Lebensmittel, Sicherheit und Räumlichkeiten zu organisieren und koordinieren. Auch Schlafplätze für die Helfer mussten gefunden werden. Marder musste ein unbeschädigtes Haus finden oder eines bewohnbar machen und gegebenenfalls Verträge schließen. "Anfangs wohnten wir mit etwa 100 Personen in zwei Häusern. In den Zimmern waren bis zu zehn Personen untergebracht, manche schliefen auf dem Dach oder der Terrasse", erzählt Jörn Marder.

Später wurde das Projekt in mehrere kleinere Projekte unterteilt. "Es wäre sonst aus allen Nähten geplatzt." Marder betreute daraufhin das Krankenhausprojekt Choscal. Auch dort musste er - gemeinsam mit einem anderen Logistiker - für die Infrastruktur sorgen. "Alle Projekte waren zwar im ersten Moment reine Nothilfe, sollten aber so angelegt werden, dass sie auch in Langzeit-Einsätze umgewandelt werden konnten", erklärt Marder. Nachdem er seine Position an einen Logistiker abgegeben hatte, der länger in Haiti bleibt, wechselte Jörn Marder zu einem anderen Projekt.

"Hier wurde ein so genanntes semi-temporäres Post OP Hospital gebaut." Innerhalb von zehn Tagen sollte aus einem alten Lagerhaus also ein Krankenhaus mit zwei Operationssälen und ausreichend Platz für 300 Patienten werden. Denn: Teilweise müssen die Schwerstverletzten bis zu sechs Monate versorgt werden, auch Lagerräume und sanitäre Anlagen wurden ausgebaut. "Zusätzlich wurde für die Angehörigen eine Art Dorf gebaut - eine abgeschlossene Zeltstadt - wo Küche, Wäscherei und Wasserversorgung geboten wurde."

Das Projekt wurde mit neun Logistikern, etwa 350 haitianischen Handwerkern und viel Geld realisiert. Jörn Marder flog vier Wochen später zurück nach Deutschland. Seit 2003 arbeitet der Wahl-Berliner, sofern es der eigene Beruf erlaubt, für Ärzte ohne Grenzen. Auch in Pakistan oder im Kongo hat er schon geholfen.