Somalia

Gewalt in Kismayo bedroht die Versorgung mangelernährter Kinder

In der umkämpften somalischen Hafenstadt Kismayo haben sämtliche schwer mangelernährte Kinder mit ihren Eltern das dortige Hilfsprojekt von Ärzte ohne Grenzen verlassen. Die Eltern sind aus Angst vor den anhaltenden Kämpfen mit ihren Kindern aus der Stadt geflohen. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind sehr besorgt um die auf Wunsch der Eltern entlassenen Kinder. Der bewaffnete Konflikt hat die ohnehin sehr eingeschränkten medizinischen Aktivitäten fast vollständig zum Erliegen gebracht.

Das Ernährungszentrum wurde 2011 während der dramatischen Hungersnot in Somalia eröffnet, um die stark geschwächten Kinder stationär behandeln zu können. "Seitdem reagierte das Team von Ärzte ohne Grenzen auch auf Masernausbrüche und Durchfallerkrankungen - klare Anzeichen dafür, dass die medizinische Grundversorgung sehr unzureichend ist", sagt der Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen David Querol.

In den vergangenen Wochen wurde die ohnehin eingeschränkte Gesundheitsversorgung wegen der Bedrohung durch die bewaffneten Konflikte zunehmend beeinträchtigt und die Anzahl der Patienten wurde stetig weniger. Um die Versorgung der schwer mangelernährten Kinder dennoch zu ermöglichen, wurde den Eltern erklärt, wie sie ihre Kinder zu Hause behandeln können.

Auch die ambulante Versorgung der Menschen ist kaum mehr möglich

Aufgrund der Unterbrechungen der Aktivitäten verbleiben außerdem mehr als 650 Kinder, die ambulant versorgt wurden, in einer ähnlich unsicheren Situation. Trotz der Erfolge bei der Versorgung mit therapeutischer Fertignahrung, bleiben die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen besorgt über das Schicksal der Kinder.

"In Kismayo gibt es kaum medizinische Versorgungseinrichtungen für die Bevölkerung und wir befürchten, dass eine Ausweitung der Gewalt die Versorgung weiter einschränkt." David Querol sagt außerdem: "Zum Beispiel sind wir nicht mehr in der Lage, Patienten in das nahegelegene Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Marere zu überweisen."

Die medizinische Versorgung muss weiterhin gewährleistet sein

Aufgrund dessen ruft Ärzte ohne Grenzen die Konfliktparteien dazu auf, die zwar schwachen, aber existierenden Strukturen der medizinischen Versorgung zu respektieren und den Mitarbeitern dieser Einrichtungen zu ermöglichen, der betroffenen Bevölkerung zu helfen. Ärzte ohne Grenzen erinnert zudem alle Parteien an ihre Verpflichtung den Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewähren.

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen orientieren sich allein an den medizinischen Bedürfnissen der Patienten. Die Organisation arbeitet neutral gegenüber den Konfliktparteien und versorgt Patienten unabhängig von ihrer ethnischen und Clan-Zugehörigkeit, Religion oder politischen Meinung.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 in Somalia. Im letzten Jahr wurden 22 Projekte in verschiedenen Regionen des Landes und in Lagern für somalische Flüchtlinge in Kenia und Äthiopien unterhalten. 2011 behandelte Ärzte ohne Grenzen insgesamt 108.000 mangelernährte Patienten, davon mehr als 78.000 Patienten wegen schwerer Mangelernährung. Außerdem wurden mehr als 7.200 Masern-Patienten behandelt und 255.000 Menschen wurden gegen Masern geimpft. In der gleichen Zeit begleitete Ärzte ohne Grenzen 6.000 Geburten und führte mehr als 537.000 medizinische Untersuchungen durch.