China

Erste Erkundungsphase nach dem Erbeben beendet

Das Erkundungsteam von Ärzte ohne Grenzen, das nach dem Erbeben der Stärke 6,9 vom 14. April die Autonome Tibetische Präfektur Yushu besucht hat, ist nach Peking zurückgekehrt. Bei dem Beben, das die abgelegene Stadt Jiegu im tibetanischen Hochland erschütterte, wurden nach offiziellen Angaben chinesischer Medien mindestens 2.187 Menschen getötet und 12.135 verletzt. Zehntausende Menschen in Jiegu und den umliegenden Dörfern haben ihre Behausungen verloren. Während der viertägigen Erkundung besuchte das Team Gesundheitseinrichtungen der Präfektur, des Bezirks und der Gemeinde und stellte massive Schäden fest.

"Die Gebäude sind nicht komplett zerstört, aber sie weisen so viele Risse auf, dass ich denke, alle Krankenhäuser und Kliniken, die wir gesehen haben, werden abgerissen und völlig neu wieder aufgebaut werden müssen", sagt Christian Ferrier, Koordinator des HIV-Projekts von Ärzte ohne Grenzen in Nanning im Süden Chinas.

Als das Team drei Tage nach dem Beben in Jiegu ankam, war ein groß angelegter Rettungseinsatz bereits im Gange."Die Reaktion erfolgte sofort, und viele Helfer kamen an. Ähnlich wie beim Erdbeben in Sichuan 2008 schickten viele chinesische Provinzen freiwillig und spontan medizinische Teams, Material, Medikamente und Nahrungsmittel", so Christian Ferrier.

"Im gesundheitlichen Bereich gibt es großen Bedarf"

Ein Großteil der Häuser in Jiegu, einer Stadt mit rund 100.000 Einwohnern, wurde beim Beben zerstört. "Wenn die Menschen in der Nähe ihrer Häuser bleiben können, stellen sie dort Zelte auf. Alle anderen sind auf eine Ebene gegangen, auf der jeden Sommer ein Pferdefestival stattfindet. Sogar die Bewohner der umliegenden Dörfer sind hierher gekommen, und die Bedingungen sind sehr schwierig", sagt Christian Ferrier.

Obwohl Nahrungsmittel und Unterkünfte für die Überlebenden derzeit kein Problem darstellen, gibt es im gesundheitlichen Bereich großen Bedarf. "Hygieneprobleme müssen berücksichtigt werden. In diesen großen Vertriebenenlagern gibt es kaum Abfallbeseitigung, und man braucht unbedingt mehr Latrinen. Im Moment gibt es noch keine ernsten Infektionen oder Durchfall, aber in den kommenden Wochen könnten solche Krankheiten auftreten. Das muss dringend angegangen werden", sagt der Chirurg Daiki Murakami, medizinischer Leiter des Erkundungsteams.

"Den Kindern würde eine Posttraum-Behandlung helfen"

"Den Kindern würde außerdem eine Posttrauma-Behandlung helfen. Ein Lehrer, dem ich in einer Schule begegnet bin, erzählte mir, dass sich einige Kinder seltsam verhalten, ganz anders als sonst. Manche fangen plötzlich an zu lachen, andere weinen plötzlich. Einige wirken depressiv, und viele schlafen nicht gut. Das hat wahrscheinlich alles mit dem Erdbeben zu tun", so Daiki Murakami weiter.

Ärzte ohne Grenzen wird in den kommenden Wochen mit den Behörden, dem chinesischen Roten Kreuz und weiteren Akteuren in Kontakt bleiben, um einen Vorschlag auszuarbeiten, wie bei der Bewältigung der Folgen des verheerenden Bebens geholfen werden kann.