Kenia

Eine Tablette bei Sonnenaufgang und eine bei Sonnenuntergang - Behandlung von HIV-positiven Kindern

Pamela und Charles mit dem zweijährigen Pascal. Alle drei sind HIV-positiv.

Wenn die Sonne aufgeht in Homa Bay, in der Provinz Nyanza im westlichen Kenia, zieht Pamela ihren zwei Jahre alten Sohn Pascal an und macht ihn fertig für den Tag. Um sieben Uhr setzt sie sich mit ihrem Mann Charles hin und alle - Vater, Mutter und Sohn - nehmen ihre Morgendosis antiretroviraler Medikamente ein. Alle drei sind HIV-positiv und müssen für den Rest ihres Lebens jeden Morgen und jeden Abend eine Tablette nehmen. Sobald Pascal die mit heller Farbe überzogene Tablette in der Hand seines Vaters sieht, nimmt er sie sich und steckt sie in den Mund. Mit ein bisschen Wasser lässt sie sich leicht schlucken. Das Ganze dauert ein paar Minuten. So einfach war es allerdings nicht immer.

Alles, was mit HIV/Aids zu tun hat, ist Stigmatisierung ausgesetzt

Ein für Kinder geeignetes antiretrovirales Medikament mit fester Wirkstoffkombination (FDC) - eine Tablette, in der alle drei notwendigen Wirkstoffe stecken - ist nämlich erst seit letztem Jahr auf dem Markt. Pascal nimmt sie erst seit ein paar Monaten. Vorher musste er bis zu fünf verschiedene Sirupe einnehmen, die die Wirkstoffe enthielten, die er jeden Morgen und Abend braucht. Es war nicht leicht, ihn dazu zu bringen, erinnert sich Pamela: "Es war ein regelrechter Kampf, Pascal dazu zu bewegen, die Sirupe jeden Tag einzunehmen. Er mochte den Geschmack nicht. Manchmal mussten wir ihn festhalten und ihn dazu zwingen, sie zu schlucken."

Es war außerdem ein Problem für Pamela, alle von Pascal benötigten Sirupflaschen nach Hause zu tragen und dort zu lagern, denn zu Fuß braucht sie 40 Minuten bis zum Krankenhaus, in dem Ärzte ohne Grenzen die HIV-Behandlung anbietet. Die Flaschen sind ziemlich schwer; doch statt öffentliche Transportmittel zu nehmen, zog sie es vor, zu laufen und die Flaschen im Anschluss an den monatlichen Termin nach Hause zu tragen. In diesem Teil von Kenia ist nämlich immer noch alles, was mit HIV/Aids zu tun hat, starker Stigmatisierung ausgesetzt. Deshalb meiden viele Patienten öffentliche Verkehrsmittel, wenn sie die Flaschen bei sich haben, denn diese lassen erkennen, dass entweder sie selbst oder ihre Kinder infiziert sind. Andere wiederum können sich die etwa 50 Cent für die Fahrt nicht leisten. Pamela hat nur ein Kind, für sie war die Strecke mit den Flaschen noch leicht zu bewältigen, doch für Patienten, die mehr Kinder haben und ebenfalls weit entfernt vom Krankenhaus wohnen, war es eine große Belastung

 

Wenn die Sonne aufgeht in Homa Bay, in der Provinz Nyanza im westlichen Kenia, zieht Pamela ihren zwei Jahre alten Sohn Pascal an und macht ihn fertig für den Tag. Um sieben Uhr setzt sie sich mit ihrem Mann Charles hin und alle - Vater, Mutter und Sohn - nehmen ihre Morgendosis antiretroviraler Medikamente ein. Alle drei sind HIV-positiv und müssen für den Rest ihres Lebens jeden Morgen und jeden Abend eine Tablette nehmen. Sobald Pascal die mit heller Farbe überzogene Tablette in der Hand seines Vaters sieht, nimmt er sie sich und steckt sie in den Mund. Mit ein bisschen Wasser lässt sie sich leicht schlucken. Das Ganze dauert ein paar Minuten. So einfach war es allerdings nicht immer.

 

Eine falsche Dosierung zu geben, kann schwerwiegende Folgen habe

Sicherzustellen, dass die Medikamente immer richtig dosiert werden, war ein weiteres großes Problem, denn die Sirupe wurden mit verschieden großen Spritzen oder Messbechern geliefert. Da mochte eine halbe Spritze von dem einen Sirup 50 ml entsprechen - bei einem anderen entsprach sie vielleicht nur 25 ml. "Wir hatten viele verschiedene Flaschen", erzählt Pamela, "und von jeder mussten wir Pascal eine andere Menge verabreichen. Manchmal hab ich da was verwechselt und ich bin mir nicht sicher, ob ich ihm immer die richtige Menge gegeben habe."

Kindern die Medikamente in falscher Dosierung zu geben, kann schwerwiegende Folgen haben. Doch da es bisher nur wenige für Kinder geeignete Medikamente mit fester Wirkstoffkombination in Tablettenform gibt, setzen die meisten Regierungen noch Sirupe ein, denn diese bieten mehr Spielraum bei der Kombination der einzelnen Wirkstoffe. Pamelas Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Schwierigkeiten, die das Einnehmen der Sirupe mit sich bringt, dazu führen können, dass Kinder nicht die richtigen Dosierungen bekommen und damit ihre Medikamente falsch einnehmen.

Je einfacher die Einnahme, desto besser die Ergebnisse

Die Erfahrungen von Ärzte ohne Grenzen bei der Behandlung von HIV-Patienten zeigen: Je einfacher die Einnahme der Medikamente, desto besser die Ergebnisse.

Helena Huerga, medizinische Koordinatorin bei Ärzte ohne Grenzen in Kenia, sagt dazu: "Bei den kinderärztlichen Medikamenten mit fester Wirkstoffkombination wissen unsere Patienten einfach, dass sie eine Tablette einnehmen müssen, wenn die Sonne aufgeht, und eine, wenn die Sonne untergeht. In Homa Bay behandeln wir zurzeit mehr als 1.000 HIV-infizierte Kinder, und wir sehen den großen Unterschied, den dieses Arzneimittel ausmacht. Wenn wir die Zahl der HIV-bedingten Todesfälle bei Kindern wirklich senken wollen, müssen die existierenden Medikamente mit fester Wirkstoffkombination noch viel stärkere Verbreitung finden. Und es müssen noch mehr einfach einzunehmende Medikamente für Kinder entwickelt werden."

Von den 22 derzeit erhältlichen antiretroviralen Medikamenten haben acht keine Zulassung für den kinderärztlichen Gebrauch, und neun sind nicht in für Kinder geeigneter Zusammensetzung erhältlich. Mehr Forschung ist nötig, um kinderfreundliche antiretrovirale Medikamente zu entwickeln. Diese Forschung sollte sich nicht nur auf bestmögliche Qualität konzentrieren, sondern auch darauf achten, dass Kinder die Medikamente problemlos einnehmen können.