Guinea

Ebola-Epidemie weitet sich aus

Bis Ende der Woche sollen unsere Teams auf 60 Mitarbeiter aufgestockt sein, die Erfahrung bei der Bekämpfung von hämorrhagischem Fieber haben.

Die Ebola-Epidemie in Guinea hat die Hauptstadt Conakry erreicht. Acht Fälle sind dort bestätigt. Die Krankheit ist inzwischen in mehreren Städten des Landes aufgetreten. Eine solche Verbreitung hat Ärzte ohne Grenzen bisher noch nicht erlebt.

„Ärzte ohne Grenzen war bei fast allen Ebola-Epidemien der vergangenen Jahre im Einsatz, aber diese waren jeweils örtlich sehr begrenzt und betrafen eher abgelegene Orte. Dass die jetzigen Fälle so weit über das Land verstreut sind, erschwert die Bemühungen, die Epidemie einzudämmen“, sagte Mariano Lugli, Koordinator des Ärzte ohne Grenzen-Projektes in Conakry. Bevor Ebola die Hauptstadt erreicht hatte, waren Fälle in Guéckédou, Macenta, Kissidougou und Nzérékoré im Süden des Landes aufgetreten.

Die Organisation verstärkt ihre Teams weiter

Mitarbeiter arbeiten in Conakry und dem Südosten des Landes. Bis Ende der Woche sollen etwa 60 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen vor Ort sein, die Erfahrung bei der Bekämpfung von hämorrhagischem Fieber haben. Unter anderem handelt es sich um Ärzte, Pflegepersonal, Epidemiologen, Anthropologen sowie Spezialisten für Wasser und Sanitärversorgung. Außerdem wurden bereits mehr als 40 Tonnen Ausrüstung per Flugzeug nach Guinea geschickt.

Ärzte ohne Grenzen ist bereits seit rund zwei Wochen im Südosten Guineas tätig und hat in Guéckédou und Macenta Isolierstationen errichtet. Im Donka-Krankenhaus in Conakry haben die guineischen Gesundheitsbehörden, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Ärzte ohne Grenzen die Station verstärkt, auf der die Ebola-Kranken isoliert werden. Das wird in den kommenden Tagen auf weitere Einrichtungen  ausgeweitet. Die Teams sind außerdem auf der Suche nach einem geeigneten Ort, um eine neue Station einzurichten. Gleichzeitig ist Ärzte ohne Grenzen weiter damit beschäftigt, Menschen ausfindig zu machen, die Kontakt mit Ebola-Patienten hatten. Die Suche nach solchen Personen sowie, falls nötig, deren Isolierung, ist die einzige Möglichkeit, um die Übertragungskette des Virus zu durchbrechen. Denn es gibt weder eine Impfung noch eine spezielle Therapie gegen Ebola.

„ Neun von zehn Infizierten sterben“

 „In Guinea haben wir es mit dem ‚Zaïre-Stamm’ des Ebola-Virus zu tun. Dabei handelt es sich um den aggressivsten und tödlichsten: Neun von zehn Infizierten sterben“, sagte Michel Van Herp, Epidemiologe von Ärzte ohne Grenzen, der sich gegenwärtig in Guéckédou aufhält. „Um die Epidemie eindämmen zu können, ist es wichtig, die ganze Übertragungskette zurückzuverfolgen. Sämtliche Personen, die Kontakt mit Verdachtsfällen hatten, müssen überwacht und isoliert werden, sobald sie erste Zeichen einer Infektion aufweisen. Die guineischen Behörden und die WHO müssen den medizinischen Einrichtungen dabei helfen, Hygienemaßnahmen umzusetzen.“

Bislang haben die Gesundheitsbehörden des Landes 122 Verdachts- sowie 78 Todesfälle registriert.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 2001 in Guinea tätig und führt dort Projekte zur Bekämpfung von HIV/Aids sowie gegen Malaria durch.