Zentralafrikanische Republik

Die Gewalt nimmt kein Ende – Ärzte ohne Grenzen veröffentlicht Bericht

Eines unserer Teams behandelt einen verletzten Mann im Camp Mpoko am Flughafen von Bangui.

Seit mehr als einem Jahr steht die Zentralafrikanische Republik unter dem Eindruck von Massakern, Folter und Vertreibungen. Am Wochenende hat Ärzte ohne Grenzen erneut 28 Menschen behandelt, die bei Kämpfen im Norden der Hauptstadt Bangui verletzt worden waren. Unter ihnen waren 16 Frauen und vier Kinder (im Alter vom Kleinkind bis zu 15 Jahren). Die meisten Wunden entstanden durch Kugeln und Granatsplitter.

Vor gut einem Jahr - am 24. März 2013 - wurde die Hauptstadt Bangui durch Séléka-Rebellen eingenommen. Die politische und militärische Krise, die sich in der Folge entwickelt hat, hat massive und tragische Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung. „Was derzeit in der Zentralafrikanischen Republik passiert, ist absolut schockierend. Wir sind es gewohnt, in gewalttätigen Situationen zu arbeiten; doch dieses Ausmaß der Gewalt haben sogar unsere erfahrensten Mitarbeiter nur selten erlebt“, sagte Marie-Noëlle Rodrigue, Leiterin der Einsätze von Ärzte ohne Grenzen und gerade zurückgekehrt aus der Zentralafrikanischen Republik.

Bericht legt Zeugnis über vergangene zwölf Monate ab

In einem Bericht fasst Ärzte ohne Grenzen die Gräueltaten zusammen, die die Nothilfeteams miterlebt haben. In dem Bericht mit dem Titel „CAR: A year of continuing violence against civilians“ legen Mitarbeiter und Patienten Zeugnis über die Ereignisse der vergangenen zwölf Monate ab, die dazu geführt haben, dass Hunderttausende fliehen mussten. Gleichzeitig prangert Ärzte ohne Grenzen darin die unzureichende internationale Reaktion auf die humanitäre Krise an.

„Schon vor dem Staatsstreich war die gesundheitliche Situation sehr schlecht, doch in den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Lage noch weiter verschlimmert. Wir wissen, dass diese Krise noch einige Zeit anhalten wird. Dennoch sind weiterhin nicht genügend Helfer vor Ort, um den Bedürfnissen gerecht zu werden“, kritisierte Rodrigue. Ärzte ohne Grenzen wird die Aktivitäten noch weiter aufstocken. Die Zentralafrikanische Republik gehört derzeit zu den bedeutendsten Einsatzgebieten der Organisation.

Seit der Eskalation der Gewalt im vergangenen Dezember hat Ärzte ohne Grenzen etwa 4.000 Verletzte behandelt. Mehr als 2.200 Mitarbeiter arbeiten in den sechzehn Hilfsprogrammen, die die Organisation in der gesamten Zentralafrikanischen Republik betreibt. Ärzte ohne Grenzen hat auch Nothilfeteams in den Tschad, nach Kamerun und in die Demokratischen Republik Kongo entsandt, um die knapp 300.000 zentralafrikanischen Flüchtlinge zu versorgen.