Myanmar

"Der Kulturschock vor dem Joghurtregal" - Unterernährte Kinder, Aids-Kranke - wie eine bayerische Ärztin in der Dritten Welt hilft

Dorit Maoz während ihres Einsatzes im Kongo.

von A. K. Koophamel

München. Obdachlose Familien in Birma, hungernde Kinder in Somalia, zerstörte Dörfer in China: "Wenn ich das sehe, würde ich am liebsten sofort wieder meine Koffer packen", sagt Dorit Maoz. Seit drei Jahren ist die bayerischen Allgemeinmedizinerin für die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" aktiv.

39,6 Millionen Euro hat die Hilfsorganisation im vergangenen Jahr in Projekte investiert, meistens in Birma und Somalia. "Drei Monate nach dem Zyklon Nargis brauchen die Überlebenden in Birma noch immer Hilfe", sagte Vorstandsvorsitzender Tankred Stöbe. Auch in Somalia habe sich die Situation in den vergangenen Monaten drastisch verschlimmert.

"Als Deutsche kann man das Leid kaum begreifen", meint Maoz. "Vor Ort geht das einem viel näher. Man kann nicht mehr nach den Nachrichten auf den Krimi umschalten und es sich auf dem Sofa gemütlich machen."

Kurz nach ihrer Facharztprüfung meldete sich Maoz erstmals bei "Ärzte ohne Grenzen". "Ich wollte Menschen helfen, die nicht so einfach an medizinische Versorgung rankommen", sagt sie. Wenige Wochen später saß sie im Flugzeug Richtung Nigeria. "Meine Eltern waren nicht sehr begeistert. Sie hatten Angst um mich, dass ich aus dem Land nicht mehr rauskomme."

Doch Maoz ließ sich nicht beirren, arbeitete ein halbes Jahr in einem Heim für unterernährte Kinder. "Das war sehr eindringlich", sagt die Bayerin. "Kinder, die einem wegsterben, weil sie seit Tagen nichts mehr gegessen haben - ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke."

Und die Arbeit in Krisenregionen ließ sie nicht mehr los. Nach wenigen Monaten in Deutschland ging es weiter: Ein Aids-Projekt in Laos, in Kaschmir versorgte sie Cholera-Kranke, im Kongo half Maoz, einen Ebola-Ausbruch einzudämmen. Angst vor Krankheiten, die sie nur aus dem Lehrbuch kannte, hatte Maoz nie: "Im Projekt hat man zu viel zu tun, um sich um einen selbst Sorgen zu machen." Doch auch wieder zurück in Deutschland bleibt Maoz wenig Zeit, das Gesehene zu verarbeiten. "Es ist jedes Mal wie ein Kulturschock, wenn ich im Supermarkt vor dem Regal stehe und aus 20 Sorten Joghurt auswählen soll."